von Katholische Nachrichtenagentur und Thomas Rünker

Bischöfe stellen sich gegen die AfD und segnen Aufrüstung ab

Mit einem klaren Bekenntnis gegen völkisch-nationalistisches Denken, einem neuen Friedenswort und neuen Initiativen für mehr Synodalität in der katholischen Kirche in Deutschland ist am Donnerstag die Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Augsburg zu Ende gegangen.

Bischöfe lehnen AfD ab und betonen Unwählbarkeit für Christen wegen rechtsextremistischer Teile

Unterstützung für Bundeswehr-Aufrüstung und Waffenhilfe an Ukraine, zugleich Aufruf zu Nuklearwaffen-Verzicht

Ankündigung „diskreter“ Gespräche in Rom nach Veto gegen gemeinsames Leitungsgremium mit Bischöfen, Laiinnen und Laien

Abgrenzung von der AfD, Streit mit Rom über Kirchenreformen und Fragen von Krieg und Frieden waren die Kernthemen der Frühjahrsvollversammlung der deutschen katholischen Bischöfe. Völkisch-nationalistisch geprägte Parteien wie die AfD seien für Christen nicht wählbar, so die klare Ansage vom Abschluss des Bischofstreffens in Augsburg am Donnerstag. Auch Nicht-Christen sollten deren politische Angebote zurückweisen. „Wer Parteien wählt, die mindestens in Teilen vom Verfassungsschutz als 'erwiesen rechtsextremistisch' eingeschätzt werden, der stellt sich gegen die Grundwerte des menschlichen Zusammenlebens und der Demokratie in unserem Land“, heißt es in der einstimmig beschlossenen Erklärung der Bischöfe. Wer rechtsextreme Parolen verbreite, insbesondere Rassismus und Antisemitismus, könne in der Kirche weder haupt- noch ehrenamtlich tätig sein.

Christliche Friedensethik in Zeiten des Krieges

Ein weiteres heikles Thema war die Friedensethik in Zeiten des Krieges. In einem über Jahre vorbereiteten Friedenswort bekennen sich die Bischöfe zur Aufrüstung der Bundeswehr und zur Waffenhilfe für die von Russland angegriffene Ukraine. Zugleich verweisen sie auf Grenzen des Selbstverteidigungsrechts, auch mit Blick auf das Vorgehen Israels im Gazastreifen. Ausdrücklich forderten sie das israelische Militär auf, aus humanitären Gründen derzeit von einer Einnahme von Rafah abzusehen.

Bundeswehr-Generalinspekteur zu Gast bei den Bischöfen

Erstmals empfing die Bischofskonferenz zu ihren Beratungen den ranghöchsten deutschen Soldaten. Bundeswehr-Generalinspekteur Carsten Breuer habe gesagt, die deutsche Gesellschaft und insbesondere das Militär müssten kriegstauglich sein. Nur eine glaubhafte Abschreckung werde Gegner von einem Angriff abhalten.

Gleichwohl fordern die Bischöfe in ihrem Papier „Friede diesem Haus“ die Bundesregierung auf, mittelfristig bei ihren Partnern auf einen Verzicht auf Nuklearwaffen zu drängen. Es sei ein „Irrsinn“, dass es inzwischen fast keinen international wirksamen Vertrag mehr gebe, der die atomare Aufrüstung eindämme, sagte der Münsteraner Friedensforscher Hans-Günther Stobbe. Für den Moment sei er jedoch über den atomaren Schutzschirm froh, weil er nicht wisse, „was in dem Kopf des russischen Diktators vorgeht“.

Weltsynode und Synodaler Weg in Deutschland gehen in dieselbe Richtung

Mess-Texte in „einfacher Sprache“

Als erste Bischofskonferenz weltweit haben sie die wichtigsten Texte der heiligen Messe in „einfache Sprache“ übersetzen lassen, die auch Menschen mit Behinderungen die Teilnahme am Gottesdienst erleichtern soll.

Nach dem römischen Bremsmanöver für ein aus Bischöfen und Laien gebildetes gemeinsames Leitungsgremium in Deutschland kündigte Bischof Bätzing zeitnah „diskrete Gespräche“ in Rom an. Einen Termin nannte er nicht. Auch mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken, dem höchsten Laiengremium, müssten die weiteren Schritte nun diskutiert werden. „Wir wollen in keiner Weise die Autorität der Bischöfe begrenzen“, versicherte er mit Blick auf Bedenken nicht nur im Vatikan. Die römische Weltsynode und der Synodale Weg in Deutschland gingen in dieselbe Richtung. Auch die Weltsynode habe den Auftrag erteilt, kirchliches Leitungshandeln weiterzuentwickeln. Dabei gehe es um Gewaltenteilung und entsprechende Rechenschaftspflichten der Bischöfe sowie neue Formen der Kooperation. In Deutschland werde es selbstverständlich kein neues Gremium geben, das nicht von Rom genehmigt sei.

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