Wenn Kirche Kultur (an)schafft

Dr.Herbert Fendrich, Bischöflicher Beauftragter für Kirche und Kunst im Bistum Essen, stellte am Donnerstag, 30. November, die "Madonna" von Johann Hendrix in der Kirche St. Hedwig in Essen-Altenessen vor. Das Bild ist ein Dank an Pastor Alois Braun, der 2010 sein 25-jähriges Ortsjubiläum feiern konnte.




Warum ein berühmtes Marienbild in einer Altenessener Gemeinde auftaucht

Sie ist jung, sie ist gutaussehend, sie bedeutet vielen Menschen sehr viel – und am Donnerstag wird sie in Altenessen aufgehängt. Das ist aber dann sowohl eine christliche Tat als auch eine kulturell wertvolle, beruhigt Dieter Geeven aus der Gemeinde St. Hedwig. Denn “Sie” ist eine Mariendarstellung des bekannten Malers Johann Hendrix. Der Förderverein St. Hedwig, dessen Schatzmeister Geeven ist, hat dessen Werk “Madonna” angeschafft - und dabei durchaus Geld in die Hand genommen. Es ist zwar kein van Gogh, “deutlich über 10.000 Euro” habe man aber schon investiert, sagt Geeven.

“Investiert” scheint dabei durchaus passend. Denn Hendrix ist vor allem in Kirchenkreisen kein Unbekannter und erfreut sich seit Jahren steigender Beliebtheit. Dagegen sinken seit Jahren die Zinsen für Sparguthaben. “Jetzt hoffen wir natürlich, dass das Bild im Wert steigt und sich als gute Geldanlage erweist”, schmunzelt der Schatzmeister. Aber Spekulation ist allenfalls einer von vielen Gründen, dass zeitgenössische Kunst vor Ort in Altenessen auftaucht. “So haben wir zum Beispiel auch die Rechte an dem Bild”, stellt Geeven klar, “für Reproduktionen etwa.”

Denn St. Maria erhält – bei katholischen Heiligen nicht ganz unüblich – in St. Hedwig die Gabe der Bilokation: Sie kann gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten präsent sein – mit etwas drucktechnischer Hilfe. Eine großformatige Kopie wird demnächst als Wandtuch von vier mal fünf Metern die Kirchenrückwand von St. Hedwig schmücken. Das 1932 erbaute Gotteshaus ist speziell auf solche Behänge ausgerichtet, ein knappes Dutzend solcher Stoffbahnen hat es schon, die je nach Zeitraum im Kirchenjahr gewechselt werden. “Speziell für die Marienmonate Mai und Oktober hatten wir noch nichts Passendes”,  freut sich auch Pastor Aloys Braun über das Wandtuch, “jetzt haben die Gläubigen in der Kirche dann auch einen Denkanstoss durch das Bild.”

Denn Hendrix‘ “Madonna” ist sowohl “moderne Kunst” als auch ganz klassische Malerei und dabei Remake eines berühmten Marienbildnisses aus der Renaissance, der so genannten “Maria Annunziata” des Italieners Antonello da Messina (1430 – 1479). Der hat den Kunstgriff erfunden, die Situation der Verkündigung durch den Erzengel Gabriel auf ein Marienporträt zu verkürzen: Der Augenblick, in dem die Gottesmutter erfährt, dass sie Gottesmutter wird, spielt sich nur auf ihrem Gesicht ab. “Eine sehr kluge Reduzierung” bewertet das Dr. Herbert Fendrich, der bischöfliche Beauftragte für Kirche und Kunst, “die Bedeutung des Augenblicks kommt dann durch die überirdische Schönheit der jungen Frau ins Spiel, die dem Betrachter sagt, dass hier Göttliches im Spiel ist.”

Bei Hendrix ist der Ursprung in da Messinas Bild deutlich zu erkennen, allerdings deutlich modernisiert. “Hendrix reduziert alles auf eine strenge geometrische Struktur und auf Farbflächen, damit führt er den Kunstgriff der Renaisance konsequent fort”, sagt Herbert Fendrich, der den Künstler persönlich kennt. Der oberste Kunstexperte des Bistums wird am Donnerstag den Gemeindemitgliedern und allen interessierten Gästen das Werk erläutern: Dann wird “Madonna” in der Kirche St. Hedwig der Gemeinde vorgestellt und aufgehängt.

Das Wandtuch, wohlgemerkt. Das Original von 80 mal 100 Zentimetern wird dort in der Gemeinde aufgehängt, wo speziell Pastor Aloys Braun es täglich bewundern kann. Denn der “Kunst-Deal” von Dieter Geeven und dem Förderverein ist auch eine Verneigung vor dem beliebten Seelsorger der Gemeinde. Der feierte kürzlich sein 25-jähriges Ortsjubiläum. Dass der 67-Jährige seit 1980 in Altenessen gute Arbeit macht, wollte ihm die Gemeinde vergelten – und stieß auf Schwierigkeiten.

Braun feierte bereits im letzten Jahr: sein 40-jähriges Priesterjubiläum – und fühlte sich schon zu dem Anlass reich beschenkt, mit einer Reise ins Heilige Land. Deshalb verbat er sich für das Ortsjubiläum Geschenke. Das schuf Probleme: “Überall hieß es, das ginge nicht, man müsse dem Pastor etwas schenken”, erinnert sich Dieter Geeven. Also kam man auf die Idee mit dem  Bild – das bediente ebenfalls einen Wunsch von Pastor Braun, gehört aber der Gemeinde. Der Förderverein-Schatzmeister ist entsprechend stolz darauf, dass eine Türkollekte und der Beitrag des Fördervereins dann die Anschaffung ermöglichten: “Die Madonna kommt komplett aus Eigenleistung.”

Das Bild setzt auch einen Schlußpunkt – seit 2000 wurde der Innenraum von St. Hedwig aufwändig renoviert, “bis in den letzten Punkt durchgeplant nach den Erfordernissen des Zweiten Vatikanischen Konzils”, betont Pastor Braun, für den diese Arbeit ein Herzensanliegen war. “Aber die Gottesmutter tauchte thematisch nicht auf. Hendrix‘ Bild ist eine tolle Vollendung – im Rahmen des Umbaus und danach.”

“Danach” umfasst natürlich auch den Zeitraum, in dem irgendwann der Ruhestand von Pastor Braun ansteht – ob der Geistliche dann auf seine tägliche Begegnung mit dem Marienbild verzichten muss, hat der Förderverein noch nicht entschieden. Kunst-Kenner spekulieren auf ein Wunder: In Altenessen mag – mit kopiertechnischer Hilfe - einem bestimmten Marienbildnis die Gabe der Trilokation zuteil werden, die Anwesenheit an drei Orten gleichzeitig: An einem davon in passgenauer Wohnzimmergröße. (vvh)


Die öffentliche Vorstellung von Johann Hendrix‘ “Madonna” mit einem Festvortrag des Bischöflichen Beauftragten für Kirche und Kunst, Dr. Herbert Fendrich, ist am Donnerstag, 30. September, um 19 Uhr in der Kirche St. Hedwig, An St. Hedwig/Ecke Kellersohnweg. Der Eintritt ist frei.

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