„Wandel ermöglicht eine neue Solidarität“

Zu einer "neuen Verständigung über die gemeinsamen Ziele unserer Region" hat Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck Politik und Wirtschaft im Ruhrgebiet beim Karfreitags-Kreuzweg auf der Halde Prosper Haniel in Bottrop aufgerufen.


Ruhrbischof Overbeck beim Kreuzweg auf der Halde Prosper Haniel

Winterliche Temperaturen und einsetzender Schneefall hielten mehrere tausend Gläubige am Karfreitag nicht davon ab, gemeinsam mit Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck auf der Bergehalde der Zeche Prosper Haniel in Bottrop den Kreuzweg zu beten. Vor allem viele Familien, junge Erwachsene und Kinder trotzten der Kälte und hatten sich auf den rund 1.200 Meter langen Weg gemacht. Unter den Gästen waren neben dem Bottroper Oberbürgermeister Bernd Tischler auch die Essener Weihbischöfe Franz Vorrath und Ludger Schepers, Altbischof Dr. Hubert Luthe sowie Weihbischof em. Franz Grave. Nach jeweils einer kurzen Betrachtung vor den insgesamt 15 Kreuzwegstationen schloss sich eine Andacht vor dem Gipfelkreuz an.

„Kreuze der Unsicherheit“
Für Bischof Overbeck ist der Kreuzweg nicht nur eine Erinnerung an die große Geschichte des Ruhrgebietes, vor allem an den Bergbau und an die Montanindustrie. „Den Weg, den wir heute auf der Halde Prosper Haniel gehen, erinnert an alle Orte, an denen Menschen arbeiten, ihr Geld verdienen und oftmals auch um ihren Arbeitsplatz bangen“, sagte er in seiner Predigt am Gipfelkreuz. Nicht wenige hätten nicht genug zum Leben und müssten mit vielen existentiellen Unsicherheiten leben. Overbeck: „Wer nicht genug hat, wird auf Dauer hier nicht bleiben. Wer nicht genug bekommt, wir nicht den Mut zur Ehe und Familie und zur Mitgestaltung des Lebens hier vor Ort finden.“ Kritik übte der Bischof dabei an einer „intransparenten Unternehmenspolitik“, die nicht nur eine Region erschüttere und Firmen infrage stelle, sondern vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sowie ihren Familien „Kreuze der Unsicherheit“ aufladen würden. Das gelte auch für die Haushaltspolitik der Kommunen, der Länder und im Bund, die den kommenden Generationen Schulden über Schulden aufhäufe. Overbeck: „Solche Kreuze sind ein Zeichen von Entsolidarisierung.“ 

Neue Solidarität auslösen
Die heutigen Herausforderungen in Politik und Wirtschaft seien aber nur mit Solidarität zu bewältigen, betonte der Bischof. Dass manche Wege der Wirtschaft zu Ende gingen, sei zu akzeptieren. Das gelte für die Geschichte der Kohle wie für manche Perspektiven der Stahlindustrie und der damit verbundenen Kulturen und Identitäten. Das Scheitern und das "zu-Ende-Gehen" von geschichtlichen Epochen könne aber auch neue Solidarität auslösen. Overbeck: „Viele politische und wirtschaftliche Mechanismen im Ruhrgebiet sind unter heutigen Bedingungen nicht mehr in der Lage, allein adäquate Lösungen zu erarbeiten. Dafür sind die Vernetzungen in unserer pluralen und globalisierten Welt notwendig.“ 

Bergwerksdirektor Wolfram Zilligen hatte zu Beginn des Kreuzweges auf die „enge Verbundenheit zwischen Kirche und Bergbau“ hingewiesen. Die Bergleute seien stolz darauf, diesen Kreuzweg gemeinsam mit den umliegenden Kirchengemeinden ins Leben gerufen zu haben. Ganz besonders dankte er den Auszubildenden des Bergwerkes. Nachdem Vandalen viele der Kreuzwegstationen mutwillig zerstört oder beschädigt hatten, hatten sie bei Wind und Wetter die Schäden mit großem Engagement wieder beseitigt und einzelne Stationen erneuert.

Die Kreuzwegstationen wurden von der inzwischen verstorbenen Ordensfrau und Künstlerin Tisa von der Schulenburg gemeinsam mit dem Oberhausener Künstler Adolf Radecki sowie Auszubildenden des Bergwerks Prosper Haniel geschaffen. Jede Station besteht aus einer Kupfertafel mit einer Darstellung der Leidensgeschichte Jesu Christi und einem Arbeitsgerät aus dem Bergbau. Zudem finden sich dort jeweils Schrifttafeln mit Worten bekannter Persönlichkeiten, darunter Papst Johannes Paul II., Kardinal Franz Hengsbach, Bischof Dr. Hubert Luthe, der selige Nikolaus Groß und Dietrich Bonhoeffer. (ul)

Ansprache Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck im Wortlaut (PDF)

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