„Unser Land wird wie ein Spielball behandelt“

Bosnien-Herzegowina ist für Kardinal Vinko Puljić kein "Staat", sondern ein "Spielball" der internationalen Gemeinschaft. In Sarajevo empfing er Verteter der Duisburger Bosnienhilfe.

Kardinal Vinko Puljić empfing Vertreter der Duisburger Caritas

Die sichtbaren Spuren des Krieges sind größtenteils verschwunden. Überall wird gebaut und renoviert. Zement und Ziegelsteine decken die Löcher der Granat- und Raketeneinschläge zu. Wer in diesen Wochen die bosnische Hauptstadt Sarajevo besucht, glaubt nicht, dass hier vor 15 Jahren ein schrecklicher Krieg getobt hat. Das Leben in der Innenstadt pulsiert. Die Straßencafes sind gut besucht. Auf den Einkaufsstraßen flanieren die Menschen. In dem Balkanstaat scheint sich das Leben normalisiert zu haben.

Doch die angeblich „heile Welt“ im einwohnerreichsten Zentrum von Bosnien und Herzegowina trügt. Einer, der es wissen muss, ist Kardinal Vinko Puljić, der Erzbischof von Sarajevo. Wie es um sein Land bestellt ist, erzählt er den Gästen, die er im  Bischofshaus empfängt: dem Direktor des Caritasverbandes Duisburg, Hans-Jürgen Kocar, dem Motor der Bosnienhilfe der Duisburger Caritas, Heribert Hölz, sowie drei begleitenden Journalisten. In ruhigen, ganz unaufgeregten Worten schildert der Kardinal die Situation. Dabei schwingt Sorge in seiner Stimme mit, aber keine Resignation. „Der Dayton-Vertrag hat im Jahre 1995 zwar den Krieg, der rund 100.000 Menschenleben forderte, beendet, aber das Land territorial geteilt und auch die Privilegien geteilt“, sagt er. Einen Staat Bosnien-Herzegowina werde es erst dann geben, wenn die drei Entitäten  aus muslimischen Bosniern, überwiegend katholischen Kroaten und den orthodoxen Serben aufgeben würden.

Bosnien und Herzegowina - ein Gebilde, ein Kunstprodukt, ein Protektorat mit vielen ethnisch-religiösen Konflikten. „Viele haben an diesem so genannten Staat gebastelt. Und deshalb sieht es hier so schlimm aus“, so der Kardinal. Es sei nicht zu erkennen, was die internationale Gemeinschaft mit seinem Land vorhabe. „Bei den Starken verhält sie sich diplomatisch, die Schwachen ignoriert sie“, beklagt Puljić. Sein Land werde von den USA und der Europäischen Union nach wie vor wie ein "Spielball" behandelt. Von der EU wünscht sich der Kardinal „mehr Initiative im Hinblick auf Verfassung und Staatsgefüge“.

Die Katholische Kirche erhalte keinerlei staatliche Unterstützung. „Wir bekommen nur Ihre caritative Unterstützung“, so der Kardinal. Er selbst lebt in Sarajevo in einem Haus, dessen Eigentumsverhältnisse bei Gericht noch anhängig sind. Aber er klagt nicht, sondern schaut nach vorne: „Wir bauen langsam alle Strukturen vor Ort auf, pastoral und sozial-caritativ.“ Und er dankt der Duisburger Caritas für die lange und kontinuierliche Hilfe: „Danke, dass Sie uns nie allein gelassen haben.“

Seit 1992 gibt es die Bosnienhilfe des Caritasverbandes Duisburg. Rund 120.000 Euro an Geldspenden sowie Sachspenden in etwa gleicher Höhe kommen jährlich den Menschen in Bosnien-Herzegowina in zahlreichen Projekten zugute. Eines dieser Projekt ist die Suppenküche für Bedürftige in Sarajevo.  „Rund 180 Essen bringen wir täglich in die Häuser, bis zu 120 Menschen bitten täglich an unserer Sozialdienststelle um eine Mahlzeit“, berichtet Dr. Don Pero Brkić, Caritasdirektor der Diözese Sarajevo. Er ist dankbar für die Hilfe aus Duisburg: 5.000 Euro übergibt ihm Heribert Hölz.  (do)           

    

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