Priesterausbildung optimieren und weiterentwickeln

Die Zahl der Priesterkandidaten ist seit Jahren rückläufig. Deshalb wird das Bistum Essen die Kooperation mit dem Bistum Münster verstärken und weite Teile der Priesterausbildung von Bochum nach Münster verlagern. Mit dieser Entscheidung will Bischof Overbeck die bewährten Standards in der Priesterausbildung sichern und weiterentwickeln.


Ruhrbistum verstärkt Kooperation mit dem Bistum Münster

Um die bewährten Standards in der Priesterausbildung sichern zu können und weiter zu entwickeln, wird das Bistum Essen zukünftig die Kooperation mit dem Bistum Münster verstärken und weite Teile der Priesterausbildung von Bochum nach Münster verlagern. Das hat Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck jetzt entschieden. Grund für diese neue Weichenstellung ist die seit Jahren rückläufige Zahl der Priesterkandidaten.

„Unser Haus in Bochum stellt 57 Zimmer bereit, doch sind dort zur Zeit nur fünf Priesterkandidaten“, so der Leiter des Priesterseminares, Regens Jürgen Schmidt. Besser sei es daher, eine qualifizierte Priesterausbildung in einer lebensfähigen Seminargemeinschaft zu gewährleisten als am Eigenleben eines kleinen Seminars mit aller Kraft festzuhalten, zumal ein Seminar „weniger ein Ort als ein bedeutsamer Abschnitt im Leben eines Jüngers Jesu ist“, so Papst Benedikt XVI.. Gerade dieser Gesichtspunkt war dem Bischof bei seiner Entscheidung wichtig.

Ab dem Wintersemester 2012/13 werden die Priesterkandidaten des Bistums Essen im Priesterseminar Münster, dem „Borromaeum“, ihre Ausbildung und vorrangig an der dortigen Universität ihr Theologiestudium absolvieren. Rund siebeneinhalb Jahre dauert weiterhin die Ausbildung: sechs Monate Propädeutikum, fünf Jahre Studium sowie zwei Jahre Pastoralkurs.
Auch Priesterkandidaten aus den Bistümern Aachen und Osnabrück werden mittlerweile in Münster ausgebildet. „So leben unsere Priesterkandidaten dort in einer wesentlich größeren Gemeinschaft“, betont Schmidt. Sie träfen dort auf Seminaristen aus kirchlich und pastoral unterschiedlichen Erfahrungsräumen. „Das allein bereichert schon den Austausch und gibt Anregungen und Hilfen für den späteren Dienst“, so der Regens. Wesentliches Anliegen aller sei es, die Frage ihrer Berufung und Eignung ruhig und in angemessenem Rahmen klären zu können. Diesem Anspruch dienten die bewährten Dimensionen der Priesterbildung: menschliche Reifung, geistliches Leben, theologische Bildung und pastorale Befähigung.

Schon 2003 haben die deutschen Bischöfe in der Rahmenordnung für die Priesterbildung auf die Möglichkeit von Kooperationen hingewiesen. Dort heißt es: „Wo im Seminar einer Diözese auf absehbare Zeit aufgrund der geringen Studentenzahl eine sinnvolle Arbeit und eine dieser förderliche Atmosphäre nicht gewährleistet ist, ist entweder die Errichtung eines überdiözesanen Seminars oder die Kooperation mit anderen Seminaren angezeigt.“

Auch wenn die zukünftige Priesterausbildung schwerpunktmäßig in Münster stattfinden wird, bleibt die enge Anbindung der Kandidaten an ihr Heimatbistum bestehen. Weiterhin werden sie ihre Praktikumseinsätze in den Pfarreien des Ruhrbistums absolvieren, werden hier ihre Diakonen- und Priesterweihe empfangen.
Die Anbindung wird zudem durch entsprechende Priester des Ruhrbistums sichergestellt. Im Anschluss an den Standortwechsel der Priesterausbildung wird der derzeitige Regens Jürgen Schmidt nach achtjähriger Tätigkeit eine neue Aufgabe im Bistum übernehmen. In seiner Nachfolge wird der Kaplan der Pfarrei Liebfrauen in Bochum-Altenbochum, Dr. Kai Reinhold, von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck zum neuen Regens ernannt. Spiritual Dr. Klaus Kleffner wird weiterhin in der Priesterausbildung und in der Exerzitienarbeit tätig bleiben.

Kooperationen in der Priesterausbildung sind nicht neu. In den deutschen Diözesen wird diesbezüglich die Zusammenarbeit verstärkt. „Gerade in Zeiten einer zugespitzten Personalsituation und  komplexer gewordener Anforderungen in der Seelsorge brauchen wir qualifizierte Priester. Das verlangt eine Optimierung und Konzentrierung der Ausbildung“, betont Regens Schmidt. Schon von 1999 bis 2011 war das Propädeutikum der Essener Priesterkandidaten im Erzbistum Freiburg  angesiedelt. Seit Herbst 2011 findet diese Ausbildungsphase in Münster statt, seit 2002 ebenso der „Pastoralkurs“, der der unmittelbaren Vorbereitung auf den Empfang der Diakonenweihe und der Priesterweihe dient. 

Veränderungen in der Priesterausbildung sind im Bistum Essen nichts Neues. Schon 1994 erfolgte eine erste Akzentsetzung: das damalige Priesterseminar in Essen-Werden – heute ist hier das Kardinal-Hengsbach-Haus beheimatet -  wurde mit dem Studienkolleg in Bochum zusammengeführt. Damals bereiteten sich 42 Kandidaten auf den Priesterberuf vor, heute sind es insgesamt elf. 1994 lebten in der Bochumer Kommunität 20 junge Männer, heute sind es lediglich fünf. Auch bundesweit ist die Zahl der Priesterkandidaten rückläufig. 2001 waren es 1104, zehn Jahre später 764.

Drei Diakone werden am Freitag vor Pfingsten im Essener Dom von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck zu Priestern geweiht. „Erfreulich ist das Interesse für das kommende Wintersemester“, so der Regens. Dies lasse hoffen, dass die Kooperation gut auf den Weg komme.  (do) 

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