Overbeck wirbt für mehr EU-Solidarität

Bischof warb beim Brüssler Jahresempfang der Evangelischen Kirche in Deutschland und des Kommissariates der Deutschen Bischöfe dafür, Flüchtlingen legale Zugangswege in die EU zu eröffnen.

Bischof wirbt für legale Zugangswege in die EU

Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck hat einen Mangel an Solidarität in der Europäischen Union beklagt und einen gemeinsamen Einsatz für den Schutz von Flüchtlingen gefordert. Beim Jahresempfang der Evangelischen Kirche in Deutschland und des Kommissariates der Deutschen Bischöfe in Brüssel erinnerte Overbeck am Montagabend an den europäischen Gründergeist der Nachkriegszeit. Es brauche einmal mehr die damals vom französischen Außenminister Robert Schuman geforderte „Solidarität der Tat“. Heute heiße dies „eine solidarische europäische Asyl- und Flüchtlingspolitik“, sagte der Bischof. Vor zahlreichen Gästen aus dem Europaparlament, der EU-Kommission, dem Rat und den Landesvertretungen erinnerte Overbeck an die Aufforderung von Papst Franziskus, die Menschen an den Rändern der Gesellschaft in den Blick zu nehmen: „Wir müssen lernen, Europa und Deutschland von den Rändern her zu denken, von den Menschen auf der Flucht, den Armen, den Bedürftigen aus.“

Dabei dürfe die EU den Schutz der Außengrenzen nicht höher gewichten als die Hilfe für schutzsuchende Menschen, so Overbeck. Europa könne nicht zu einer „Festung“ ausgebaut werden, „deren erstes Ziel es ist, Menschen um jeden Preis davon abzuhalten, hierherzukommen“, betonte der Bischof. Stattdessen warb er dafür, „schutzsuchenden Menschen legale Zugangswege in die Europäische Union zu eröffnen“ – etwa über die Erteilung spezieller Visa, im Wege des sogenannten Resettlement oder über humanitäre Aufnahmeprogramme. Die Europäer – vor allem die Christen – müssten zeigen, „dass wir nicht für Abschottung und Selbstbehauptung stehen, sondern Räume des Willkommens und der Freundschaft für Menschen auf der Suche nach Schutz ihrer Würde, nach Sicherheit, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit schaffen können und wollen“, betonte Overbeck. Dies seien „die Gründungswerte unserer Europäischen Union“.

Um in der EU eine gerechte Verteilung der Flüchtlinge umzusetzen, ist für Overbeck ein einheitliches europäisches Asylverfahren ebenso notwendig wie EU-weit vergleichbare Voraussetzungen hinsichtlich der Versorgung und der Perspektive für Flüchtlinge. „Die Mitgliedsstaaten an den EU-Außengrenzen mit der aktuellen Situation allein zu lassen, ist genauso wenig solidarisch wie ein Zustand, in dem fünf der 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union mehr als 80 Prozent der Schutzsuchenden aufnehmen“, kritisierte er. Der Bischof regte an, bei einer Verteilung nicht nur auf die reinen Zahlen zu schauen, sondern auch „bestehende Familienbindungen und Fähigkeiten der Flüchtlinge“ in das System einzubeziehen. Zudem dürfe bis zur Einrichtung einer EU-weiten Verteilung der Flüchtlinge nicht „ein Wettstreit darüber ausbrechen, in welchem Land die Flüchtlinge am schlechtesten behandelt werden, damit sie in anderen Mitgliedsstaaten Zuflucht suchen“, warnte der Bischof. Dies füge der innereuropäischen Solidarität Schaden zu und verletze die Menschenwürde der Flüchtlinge. „Wir brauchen eine europäische Lösung für eine ganz Europa betreffende Herausforderung“, bekräftigte Overbeck. (tr)

Die Rede von Bischof Overbeck in Brüssel im Wortlaut. (pdf)

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