Neuausrichtung mitten im Leben – Bischof weiht Diakone

Drei verheiratete Männer aus Hattingen, Bottrop und Bochum werden am Samstagmorgen im Essener Dom zu Ständigen Diakonen geweiht. Ihre künftige Aufgabe: Seelsorge in der Pfarrgemeinde neben Beruf und Familie.

Drei verheiratete Männer werden am Samstagmorgen im Essener Dom zu Ständigen Diakonen geweiht.

Drei verheiratete Männer empfangen am kommenden Samstag, 28. November 2015, um 9.30 Uhr durch Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck im Essener Dom die Diakonenweihe. Mit ihrer Weihe erhalten Ulrich Franzke aus Bochum, Darius Kurzok aus Hattingen und Carsten Ossig aus Bottrop die Beauftragung zur Seelsorge in der katholischen Kirche. Anders als Priesteramtskandidaten, für die die Diakonenweihe eine Zwischenstufe auf dem Weg zum Priesteramt ist, üben sie als Ständige Diakone mit Zivilberuf ihr neues Kirchenamt neben ihrer Berufstätigkeit und der Familie aus. Aufgabe der drei Weihekandidaten wird es künftig sein, in der Seelsorge der Pfarrei mitzuhelfen. In dieser Funktion stehen sie Menschen in Not bei, leiten Taufen, Beerdigungen  und Wortgottesdienste, predigen in der Messe und übernehmen verantwortlich die Katechese - also die Vorbereitung von Kindern, Jugendlichen und Familien auf Erstkommunion, Firmung oder Taufe. Bei all dem behalten sie ihren Hauptberuf bei. In welchen Pfarreien sie künftig wirken, wird am Samstagmorgen während der Feier im Essener Dom verkündet.

Familie, Beruf und Weiheamt wachsen zusammen

Darius Kurzok (45), der in der Pfarrei St. Peter und Paul in Hattingen lebt, hatte bereits als junger Mann in Krakau ein Theologiestudium abgeschlossen. Als Spätaussiedler war er 1999 nach Deutschland gekommen und arbeitet heute – nachdem er zunächst acht Jahre auf die Anerkennung seiner polnischen Studienabschlüsse hatte warten müssen – als Religionslehrer am Berufskolleg.

Auch Carsten Ossig (47) steht bereits an anderer Stelle im kirchlichen Dienst. Der Betriebswirt ist beim KiTa Zweckverband im Bistum Essen für inhaltliches Controlling in Kindertagesstätten zuständig: Eine Tätigkeit, die aus seiner Sicht etliche Schnittstellen mit der Seelsorge aufweist, „nämlich in vernetzten Bezügen zu denken und Freiräume zu schaffen, damit die Menschen unter guten Bedingungen ihre Arbeit tun können“.  Der Liebe wegen war Ossig einst von Oberhausen nach Bottrop gezogen und ist dort heute in der Gemeinde Herz Jesu ansässig, die zur Propstei St. Cyriakus gehört.

Ulrich Franzke (50) war nach dem Studium der Informatik, Mathematik und Philosophie zunächst beruflich durch Israel, Polen und Litauen gezogen, bevor er sich als Software-Entwickler am Fraunhofer Institut in Dortmund niederließ. Mit seiner Familie lebt der passionierte Flieger in der Gemeinde Seliger Nikolaus Groß, Teil der Propstei St. Peter und Paul in Bochum.

Vier Jahre Theologiestudium, zwei Jahre Pastoralkurs

Mitten im Leben stehend haben sich die drei Männer für die Diakonenausbildung entschieden. Eine anspruchsvolle Aufgabe: Zunächst mussten sie vier Jahre lang in ihrer Freizeit an Wochenenden und in Seminarblöcken ein Theologiestudium absolvieren. Die Bistümer Essen, Köln und Aachen führen diesen Vorbereitungskurs für ihre Diakone gemeinsam durch, die Kandidaten kommen also an wechselnden Orten zum Lernen zusammen. „Das kann man nur machen, wenn die Familie voll dahinter steht“, sind sich alle drei einig. Nach der Weihe steht begleitend zum Diakonenamt ein weiterer zweijähriger Pastoralkurs auf dem Plan. Unerschütterlich  lassen sich die drei künftigen Diakone in die Pflicht nehmen. Die Verpflichtungen eines Diakons mit Zivilberuf seien zwar an verantwortlicher Stelle, aber „nicht zeitaufwändiger als das, was viele andere ehrenamtlich leisten“, meint Carsten Ossig gleichmütig.

Ernst machen und ein „authentischer Glaubenszeuge“ sein

Zudem bekämen sie, die selbst auf der Suche nach einem gelungenen Leben seien, etwas zurück von den Menschen, für die sie Diakon sein werden. Darius Kurzok, der im ehemals kommunistischen Oberschlesien mit 18 Jahren erstmals eine Bibel in die Hand nahm, erfährt heute als Religionslehrer, dass er seine Schüler nur dann mit Fragen nach dem Sinn erreichen kann, „wenn ich mein Herz öffne und meinen Glauben zeige“. Auch Carsten Ossig hat in 25 Jahren ehrenamtlicher Jugendarbeit für die Katholische junge Gemeinde (KjG) erlebt, dass junge Menschen sich nur auf einen „authentischen Glaubenszeugen“ einlassen.  Diese Erfahrungen nun in der Lebensmitte mit einem Theologiestudium zu ergänzen, ermögliche ihm nun ganz neue Erkenntnisse, sagt Ossig.

Einen meditativen Lebensstil pflegen

Als Weiheamt der Kirche bringt das Diakonenamt auch spirituelle Verpflichtungen mit sich, so etwa das Stundengebet zu festen Tageszeiten mit der Bibel und vorgegebenen liturgischen Texten. „Ich hatte anfangs Angst, dass ich das nicht hinkriege“, gibt Ulrich Franzke zu. Denn die Psalmen des Stundengebets seien oft „sperrig“ und die Zeit ohnehin schon meist verplant. Doch zunehmend sei es ihm zu einer guten Gewohnheit geworden, den Tag still im Gebet beginnen zu können – eine sehr persönliche halbe Stunde frühmorgens im ruhigen Haus, um das eigene Leben neu auszurichten. 

Informationen zum Ständigen Diakonat und zu anderen Berufen der Kirche finden sich unter www.geht-hinaus.de. (cs)

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