von Thomas Rünker

Mit „Bruder Jakob“ auf Sängersuche

Mit spielerischen Probestunden werben die Domsingknaben und der Mädchenchor am Essener Dom in Essener Schulen um Nachwuchs. Aufnahme der neuen Domsingknaben am Sonntag, 26. Juni, mit einer feierlichen Messe im Dom.

„Am Ende ist das hier schon ein Casting“

„Bruder Jakob“ geht immer. „Das kennt ihr noch aus dem Kindergarten, oder?“ fragt Christine Alexander. Fast alle Drittklässler, die ihr an diesem Morgen in der Sternschule in Essen-Rüttenscheid gegenüber stehen, nicken. Dann stimmt Alexander wieder an, diesmal einen Ton höher. „Bruder Jakob, Bruder Jakob…“ – und alle singen mit. „Jetzt habt ihr wieder ein Level geschafft“, sagt sie den Jungs. „Yeah!“ und „Jawoll!“ zischt es hier und dort im Klassenraum. Alexander ist in ihrem Element, und die Schüler mit ihr. Als Stimmbildnerin ist sie so etwas wie der Fitness-Coach der Essener Domsingknaben und zusammen mit dem neuen Leiter des renommierten Knabenchores, Harald Martini, in diesen Wochen in einem Dutzend Essener Grundschulen als Talentscout unterwegs. Weil beide für die Nachwuchssuche nur eine Schulstunde Zeit haben, arbeitet Alexander dabei mit einem ausgefeilten Sing-Spiel. Das macht den Jungs erkennbar Spaß – und lässt Chorleiter Martini im Hintergrund sehr schnell mögliche neue Domsänger identifizieren. „Am Ende ist das hier schon ein Casting“, sagt Martini, „aber das wissen die Jungen – und manche spornt das an.“

Mehr Zeit im Mädchenchor

Nebenan geht es ähnlich spielerisch, aber etwas gemächlicher zu. Hier macht die erfahrene Sängerin Simone Ruppik den Mädchen der Klasse –nur für den Probe-Chor wurden die Jungs heute Morgen von ihren Mitschülerinnen getrennt – Lust auf den Mädchenchor am Essener Dom. Zusammen mit Ruppik stehen die Schülerinnen in einem großen Kreis und experimentieren mit Rhythmen. „,Ti‘ ist kurz und ,Ta‘ ist lang“, erklärt die junge Frau mit einer Bildkarte und klatscht dazu, „so: ti-ti-ti-ti-taaaa“. Dann darf sich ein Mädchen nach dem anderen einen eigenen Rhythmus ausdenken und vormachen.

Spielerisch zeigt Ruppik den Kindern, wie der Mädchenchor unter der Leitung von Professor Raimund Wippermann probt. Dass das nicht in ein Casting mündet, sondern am Ende jedes Mädchen ein Flugblatt mit Probenzeiten und Kontaktadresse bekommt, hat unter anderem biologische Gründe, erläutert Martini: „Wir haben bei den Domsingknaben einfach nicht so viel Zeit.“ Während man in einem Mädchenchor auch Kinder ohne herausragendes Talent mehrere Jahre lang erfolgreich trainieren könne, sei ein Knabenchor sehr früh auf gute Stimmen angewiesen – schließlich droht nach wenigen Jahren der Stimmbruch.

Zwei Proben pro Woche

Sechs Jungs sitzen eine halbe Stunde später mit Alexander und Martini nebenan in der Turnhalle. Mit ihnen würde der Domsingknaben-Chef gerne weiterarbeiten. Und auch die Jungs würden gerne weiter so singen wie in der Probestunde mit der Stimmbildnerin. „Das hat sich echt schön angehört“, sagt Mika, der offenbar von sich selbst überrascht ist: „Meine Stimme klingt richtig gut.“ Levi hat Alexanders erste Tipps beherzigt und stellt fest: „Es ist toll, wenn man sich beim Singen nicht so anstrengen muss.“ Dass nicht alle der sangesfreudigen Sternschüler katholisch sind, ist für Martini kein Problem: „Wir haben keine Konfessions-Schranken im Kopf, aber wir sagen den Kindern und Eltern klar, auf was sie sich einlassen.“ Außerhalb der Ferien gestalten die Domsingknaben etwa alle vier Wochen die Gottesdienste am Dom mit, zudem singen sie bei Konzerten im Ruhrgebiet und auf Reisen, wie Martini erläutert. Die Basis dafür sind zwei Chorproben pro Woche plus Stimmbildung an einem der beiden Probentage. Ähnlich läuft es beim Mädchenchor: Die Anfängerinnen proben zunächst einmal wöchentlich, nach Aufnahme in den „B-“ und später den „A-Chor“ stehen aber auch dort zwei wöchentliche Proben plus Stimmbildung an. Beide Chöre bieten an den Probentagen eine Hausaufgabenbetreuung.

Aufnahme der neuen Domsingknaben am Sonntag

Statt einer „Einladung zum Recall“ gibt es für die sechs Jungs einen recht unspektakulären Elternbrief. Darin lädt Martini zum Vorbereitungskurs ein, der nach den Sommerferien beginnt. Wer dabei bleibt, wird dann ein Jahr später offiziell ein Domsingknabe – so wie die 19 Jungen, die am Sonntag, 26. Juni, um 10 Uhr in einer feierlichen Messe im Essener Dom in den Kreis der Sänger aufgenommen werden. Klar, dass dann auch die anderen Domsingknaben zeigen, was sie musikalisch drauf haben: Auf dem Programm steht die gregorianische „Missa de Angelis“.

Für Martini sind die 19 neuen Sänger ein Beleg dafür, dass die Idee der aufwändigen Schulbesuche funktioniert: „Das ist der erste Jahrgang, für den wir bei Schulbesuchen geworben haben. Im Vorjahr hatten wir nur sechs neue Sänger.“ Nun ist er zuversichtlich, dass es auch im kommenden Jahr reichlich Nachwuchs für die Domsingknaben gibt – „Bruder Jakob“ sei Dank.

Weitere Sänger gesucht

Domsingknaben und Mädchenchor freuen sich auch weiterhin über neue Sängerinnen und Sänger. Anfragen per E-Mail an: Christel Punsmann (Mädchenchor) oder Harald Martini (Domsingknaben).

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