Landwirte fürchten Flächenverluste

Wofür nutzt das Ruhrgebiet die immer knapper werdenden freien Flächen - und wo bleibt dort letztlich der Platz für Landwirte? Diesen Fragen widmete sich am Donnerstagabend eine Diskussionsveranstaltung des Rats für Land- und Forstwirtschaft im Bistum Essen in der Hauptverwaltung des Regionalverbands Ruhr.

Regionalplanung im Ruhrgebiet in der Diskussion

Auch wenn sich Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck in Sachen „Planungsrecht“ als Laie bezeichnete – die Sorgen der Ruhrgebiets-Landwirte vor einem weiteren Verlust ihrer Nutzflächen konnte das Kind einer Jahrhunderte alten Bauernfamilie in Marl gut nachvollziehen. „Flächen nutzen, nicht verbrauchen“ hatte der Rat für Land und Forstwirtschaft im Ruhrbistum am Donnerstagabend seine Veranstaltung in der Essener Zentrale des Regionalverband Ruhr (RVR) überschrieben. Dort arbeiten die Experten nach einer Gesetzesänderung seit rund fünf Jahren erstmals seit Jahrzehnten wieder an einem gemeinsamen Regionalplan für alle Flächen im Ruhrgebiet. Ein Plan, von dem Rats-Sprecherin und Landwirtin Marlies Schmitz hofft, dass er „kein Würgegriff wird, sondern der Region wirklich hilft.“

Trotz Bevölkerungsrückgang und wegbrechender Großindustrien ist der Bedarf an Flächen für neue Wohnprojekte, Verkehrswege oder Unternehmensansiedlungen im Ruhrgebiet ungebrochen. Zwar gelingt es zumindest derzeit noch, diesen Bedarf zum einem großen Teil durch die Sanierung von Brachflächen zu decken, betonte der RVR-Planer Michael Bongartz. Doch unterm Strich gehe die landwirtschaftlich genutzte Fläche pro Jahr um etwa 1000 Hektar zurück, erläuterte Rolf Born von der Landwirtschaftskammer NRW. Ein auf das ganze Ruhrgebiet mit derzeit noch 175.000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche (knapp 40 Prozent) gesehen schleichender Rückgang, der indes für den einzelnen Landwirt sehr konkrete Auswirkungen haben kann. So wies Born auf den hohen Anteil von Flächen hin, die die Landwirte von Kommunen, Montangesellschaften oder auch von den Kirchen gepachtet hätten. „Die Pacht läuft oft nur über ein Jahr“, so Born. Landwirte können sich also oft nicht darauf verlassen, dass sie einen Acker oder eine Weide auch im kommenden Jahr noch bewirtschaften können.

Einig waren sich Referenten und Diskussionsteilnehmer, dass der Flächenverbrauch gesenkt werden müsse. Bischof Overbeck warb hier dafür, nicht nur das Ruhrgebiet in den Blick zu nehmen. Vielmehr müsse die Regionalplanung auch mit den umliegenden, meist ländlicher strukturierten Regionen vernetzt gedacht werden. Planer Bongartz gab sich skeptisch, ob eine auf Wachstum ausgelegte Volkswirtschaft längerfristig – wie von der Landesregierung vorgesehen – ohne neue Flächen auskommen und neue Bedarfe nur durch Umnutzung alter Flächen decken könne. Er entwarf das Szenario eines „Hongkong an der Ruhr“, also einer Gesellschaft, die auf einer festen Fläche ein hohes Wirtschaftswachstum realisiert hat. „Dies würde zu einer enormen Verdichtung und völligen Neu-Nutzung von Flächen führen“, so Borns Einschätzung.

In Hongkong, dem Partner-Bistum des Bistums Essen, sei es den Menschen gelungen „auf einer extrem kleinen Fläche wirtschaftlich extrem erfolgreich zu sein – und dennoch auch viele Frei- und Erholungsflächen zu sichern“, so die Beobachtung von Bischof Overbeck. Er betonte, Regionalplanung müsse neben der Perspektive von Wirtschaft und Arbeitsplätzen eben auch die Bewahrung der Schöpfung im Blick haben. „Für dies sind alle in der Land- und Forstwirtschaft besonders prädestiniert.“

Allerdings werden die Beiträge dieser beiden Branchen, die mit ihren Flächen rein materiell gesehen beide nur eine geringe direkte Wertschöpfung erzielen, gerade für Erholung und Umweltschutz politisch unterschiedlich bewertet, warf ein Vertreter der Forstbehörde ein: Während der Flächenbestand des Waldes gesetzlich geschützt sei, gebe es ein solches politisches Bekenntnis für die Landwirtschaft nicht. Marlies Schmitz nahm diesen Ball auf und äußerte die Hoffnung, dass bei den weiteren Beratungen zum Ruhrgebiets-Regionalplan zumindest die besondere Situation der Landwirte im städtischen Ballungsraum – im Unterschied zu den Kollegen in ländlichen Regionen – stärker berücksichtigt wird. (tr)

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