von Michael Kreuzfelder

„Ich will etwas Sinnvolles tun“

Junge Flüchtlinge engagieren sich im Bundesfreiwilligendienst. Programm im Bistum Essen gestartet.

Angebot für Flüchtlinge - und für Deutsche

Etwas unsicher wirkt der junge Mann noch. „Mein Deutsch ist nicht so gut“, sagt Mohamad ebenso entschuldigend wie fehlerfrei. Vor drei Jahren ist er aus Aleppo geflohen. Seine Schwester wähnt er noch in jener syrischen Stadt, die wieder mal wegen der katastrophalen Situation der Bevölkerung im Rampenlicht steht. Jetzt sitzt der 23-Jährige an einem Schreibtisch in den Räumen der Mülheimer Caritas, seinem Arbeitsplatz. Mohamad Jazmati ist einer der ersten jungen Flüchtlinge, die im Bistum Essen einen Freiwilligendienst absolvieren.

Das Programm der Bundesregierung mit dem schlichten und treffenden Namen „Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug“ ist jetzt im Ruhrbistum angelaufen – und ein echter Glücksfall für den jungen Syrer. „Ich helfe gerne Leuten“, sagt Mohamad und zeigt wie zum Beweis Handyfotos, auf denen er mit Kindern spielt. Libanesische Waisenkinder in Syrien - für sie hat er mit der UN und dem Roten Halbmond ehrenamtlich Ferienfreizeiten organisiert. In Mülheim angekommen setzt der studierte Tourismusexperte sein Engagement fort. „Der Freiwilligendienst ist genau das richtige für mich“, freut sich Mohamad, jetzt deutlich sicherer. Denn sein Job ist es auch, Sicherheit zu vermitteln.

„In seiner Arbeit mit Flüchtlingen übersetzt er sehr viel, geht mit den Leuten zum Arzt und zu Behörden. Er hilft ihnen beim Start in ein neues Leben und ist ein wichtiger Ansprechpartner für arabisch sprechende Flüchtlinge in der Stadt geworden“, so Hannah Berntgen, Koordinatorin des Flüchtlingshilfe-Projektes „VIS(a)-VIS“ der Mülheimer Caritas. Und sie deutet auf sein Handy. „Das steht kaum still.“ Bei der Caritas ist man froh, den freundlichen jungen Muslim als Mitarbeiter gewonnen zu haben. „Er kann eine Menge regeln – und hilft uns, kulturelle Unterschiede besser zu verstehen“, erzählt die Flüchtlingshilfe-Expertin.

Verstehen. Lernen. Zwei wichtige Worte im Bundesfreiwilligendienst. „Es geht nicht nur darum, ein Jahr im sozialen Sektor zu arbeiten, sondern auch um persönliche und berufliche Orientierung“, erklärt Birgitta Kelbch, pädagogische Leiterin der Freiwilligendienste im Bistum Essen. Das gilt auch für die acht jungen Leute, die im Programm mitmachen. Drei von ihnen sind wie Mohamad Flüchtlinge, fünf weitere sind deutsche Jugendliche, die in ihrem Freiwilligendienst mit Geflüchteten arbeiten.

Anschluss finden, Sprache und Kultur kennen lernen, den Start erleichtern: „Der Fokus liegt auf der Integration. Geflüchtete bekommen zusätzlich Deutschunterricht. Ansonsten machen sie den Dienst wie die anderen“, erklärt Kelbch. Und so bekommen sie, wie alle Freiwilligen, auch eine Aufwandsentschädigung. Das Geld ist für Mohamad aber nicht der Antrieb. „Ich möchte die Deutschen besser kennenlernen, die Sprache, was sie mögen und was sie nicht mögen.“ Warum er nicht einen anderen Job sucht, in dem er mehr Geld verdient? „Ich kann hier etwas Sinnvolles tun, Leute kennenlernen und gleichzeitig die Sprache sprechen. Das hier ist eine gute Chance für mich.“ Gleichzeitig will der er das Jahr nutzen, um sich beruflich zu orientieren. „Ich möchte noch mal studieren. Vielleicht einen soziales Studium oder Personalmanagement.“ Schon jetzt hat sich sein Freiwilligendienst gelohnt. Mohamad hat Freunde gefunden, sowohl unter den Flüchtlingen, als auch unter den anderen Caritas-Helfern in Mülheim.

Noch bis Ende Februar arbeitet Mohamad beim Fachdienst Kinder-, Jugend- und Familienhilfe. Neben der Arbeit mit Flüchtlingen ist er auch bei der Unterstützung von verhaltensauffälligen Kindern eingesetzt - und hilft auch mal dem Hausmeister. Lernen tut er auch dabei jede Menge: „Das Tempo ist ein anderes. Hier geht alles Schlag auf Schlag. Außerdem spielt sich das Leben in Syrien mehr am Abend und in der Nacht ab.“ Dennoch: „Syrien ist für mich keine Option mehr. Ich hatte nur noch Angst um mein Leben. Ich habe im Krieg gewohnt. Hier bin ich sicher“, sagt der junge Mann. Einige seine Verwandten sind ebenfalls in Deutschland. Was Integration für Mohamad heißt? „Gut leben, gut arbeiten, eine Familie gründen. Ich möchte alles lernen, was ich brauche, um hier zu bleiben.“ Bei der Caritas ist es sein Job, anderen Flüchtlingen zu helfen. Gleichzeitig arbeitet er an seiner Zukunft in Deutschland.

Stichwort: Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug

Den Bundesfreiwilligendienst (BFD) mit Flüchtlingsbezug gibt es seit November 2015, er wird vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben getragen. Das Sonderprogramm ist bis zum 31. Dezember 2018 befristet. Bis zu 10.000 Stellen gibt es bundesweit. In den katholischen Diensten und Einrichtungen im Bistum Essen gibt es derzeit 20 Plätze für Flüchtlinge oder für die Arbeit mit Flüchtlingen. Voraussetzung für Flüchtlinge ist die Anerkennung als Asylberechtigte. Weitere Infos gibtes auf der Internetseite der Freiwilligendienste.

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