Glück: „Wir können viel verändern“

Für eine angstfreie Kommunikation innerhalb des Dialogprozesses sprach sich Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), am Donnerstag bei der Herbstvollversammlung des Diözensanrates in Essen aus. Insgesamt zeigte sich Glück mit dem Verlauf der Gesprächsprozesse zufrieden.

Alois Glück zu Gast bei der Herbstvollversammlung des Diözensanrates

Der Dialog in all seinen Facetten stand im Fokus der diesjährigen Herbstvollversammlung des Diözesanrats der katholischen Frauen und Männer im Bistum Essen. Als Gastredner begrüßten die rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück. Mit einem geistlichen Impuls stimmte Domkapitular Dr. Michael Dörnemann die Anwesenden auf das die folgende Sitzung beherrschende Thema ein: „Dialog ist keine Methode, sondern eine Haltung, und diese muss man sich langsam aneignen.“

Im Anschluss folgte eine kurze Vorstellung des Priesterrates und seiner Arbeit durch Dr. Klaus Kleffner. Die Arbeit des Rates konzentriere sich aktuell auf die Schwerpunkte „Vergemeinschaftung“, also das gemeinschaftliche Leben mit der Gemeinde, „Vertrauen“, vor allem zwischen Priestern und der Bistumsleitung, „Visionen und Strategien“ sowie „Gemeinsames Priestertum“.

„Dialog ist keine Methode, sondern eine Haltung“


Der nächste Tagesordnungspunkt widmete sich den aktuellen Entwicklungen im Dialogprozess im Bistum Essen. Vertreter aus den Dekanaten Bottrop, Altena-Lüdenscheid und Gelsenkirchen schilderten ihre bisherigen Eindrücke vom Prozess. Trotz unterschiedlicher Voraussetzungen und Herangehensweisen in den einzelnen Dekanaten ließen sich überall ähnliche Tendenzen ausmachen: Nach anfangs hoher Beteiligung an den Dialogveranstaltungen habe die Zahl der Teilnehmer in der Folge immer weiter abgenommen. Trotz der geringer werdenden Beteiligung sei die Stimmung positiv und man warte gespannt darauf, wie es mit dem Dialogprozess weitergehe. Die Bereitschaft der Bistumsleitung zum Dialog sei erfreulich hoch, jedoch werde auch aus allen Dekanaten die Forderung nach einer Zwischenbilanz laut: „Die Leute warten auf konkrete Ergebnisse. Diese müssen wir dann auch an der Basis kommunizieren“, so Klaus Wehrhöfer aus Gelsenkirchen. „Wenn ich dem Bischof einen Rat geben dürfte, dann wäre es der, bald einen Zwischenstand, einen Meilenstein zu veröffentlichen, vielleicht im Hirtenbrief zu Weihnachten.“ Die Forderung nach einer Konkretisierung von Ergebnissen äußerte auch Björn Enno Hermans, der als Vertreter des Diözesanrates am zweiten bundesweiten Dialogforum in Hannover teilgenommen hatte.

Forderung nach konkreten Ergebnissen

ZdK-Präsident Alois Glück zeichnete in seinem Vortrag ein ähnliches Bild. Viele Menschen seien frustriert darüber, dass bisher nur wenig konkrete Ergebnisse im Dialogprozess zu verzeichnen seien. Dies sei aber auch der Natur der Sache geschuldet: „Es geht um Kulturveränderung in der Kirche, und das geht nicht schnell.“ Das Ziel müsse eine Gemeindetheologie sein, ein Gefühl von „Wir sind Kirche“. „Die Menschen müssen die Kirche wieder als offene, dienende und menschenfreundliche Kirche wahrnehmen, nicht als Institution mit Herrschaftsanspruch“, so Glück. Gemeinsamer Maßstab für alle Reformen müsse die Aufgabe sein, die Botschaft des Evangeliums den Menschen der heutigen Zeit zugänglich zu machen. „Kirchliche Strukturen sind kein Selbstzweck. Man muss sich immer die Frage stellen, ob die vorhandenen Strukturen dabei helfen, den Zugang zur Botschaft zu ermöglichen“, unterstrich der ZdK-Präsident. „Es ist möglich, viel zu verändern, ohne dass man immer nach Rom schauen muss.“ Diese Aufgabe sei jedoch nicht nur dem Klerus überlassen: „Auch wir müssen Hörende sein.“

Angstfreie Kommunikation

Es sei wichtig, im Dialogprozess die vielen unterschiedlichen Strömungen innerhalb der Kirche zu Wort kommen zu lassen. Glück betonte: „Das Ziel muss eine angstfreie Kommunikation sein.“ Jedoch müsse man Konflikten daher nicht aus dem Weg gehen: „Kirche muss für mich keine Harmonieveranstaltung sein.“ Dennoch müsse die Kommunikationskultur innerhalb der Kirche verbessert werden. Der innerkirchliche Umgang sei „manchmal erschreckend bis brutal“, manche Personen in Leitungsfunktionen verfielen, ähnlich wie in der Politik, in autoritäre Reflexe.  Insgesamt habe sich die Situation für die Institution Kirche in den letzten Jahren geändert. „Religion hat einen anderen Stellenwert in der Bevölkerung als noch vor zehn Jahren. Nach neuesten Umfragen ist die Akzeptanz des Themas in der Gesellschaft gestiegen.“ Vielen Menschen würde dämmern, dass Werte wichtig seien. „Die Mehrheit der Suchenden sucht allerdings nicht in den Kirchen. Und hier muss die Kirche ansetzen. Der Reflex zu sagen ‚an uns liegt es nicht‘, das ist mir zu billig“, so Glück. Der Zugang zum Glauben heutzutage sei ein ganz anderer als noch zu seiner Kindheit. „Die Bindekraft der Milieus hat stark nachgelassen, und das ist eine neue Situation für die Kirche.“

Insgesamt zeigte sich Alois Glück zufrieden mit dem Dialogprozess. „Es hat zwar mühsam begonnen, und vieles war ungewohnt, aber es entwickelt sich fruchtbar. Das erste bundesweite Treffen in Mannheim war wichtig für die Vertrauensbildung, und in Hannover konnten wir eine große Übereinstimmung bezüglich der Notwendigkeiten feststellen. Jetzt sind Bischöfe und Laien gefragt, erste Ergebnisse zu präsentieren.“ Man brauche einen langen Atem für die Veränderungen, habe aber angesichts der schwindenden Zahl von Gläubigen und Personal nicht beliebig viel Zeit. Manche Bischöfe verhielten sich ablehnend, andere hingegen würden sich sehr für den Dialogprozess engagieren. „Wo es wirklich hingeht“, so Glück, „das ist das Werk des Heiligen Geistes.“ (jsb,ja)


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