Fragen, die unter den Nägeln brennen

Manchmal sind fast schon kleine Rauchwolken über den Köpfen der Jugendlichen zu sehen. Engagierte Diskussionen hören sich so an, sehen so aus. "Jugenddialog 2020" - 15 junge Frauen und Männer suchen in der Akademie Die Wolfsburg an einem Wochenende gemeinsam Antworten für morgen.

„Jugenddialog 2020“ in der Akademie Die Wolfsburg

Es ist Wochenende. Endlich Zeit abzuhängen, zu feiern  und zu schlafen. Weit gefehlt - wie das eben so oft ist mit Vorurteilen: Ein Samstag im Frühjahr und einige Jugendliche reden sich  schon seit fast einem Tag in der Wolfsburg, der Katholischen Akademie  des Bistums Essen, die Köpfe heiß.

15 Jugendliche aus Nordrhein- Westfalen, die am Projekt „Jugenddilaog 2020“ teilnehmen, haben sich in der ehemaligen Villa im Jugendstil in Mülheim getroffen. Sie alle sind engagiert, interesseirt und diskussionsfreudig. „Jugendialog 2020“ ist ein gemeinsames Projekt der Stiftung Mercator,  der Katholischen Akademie „Die Wolfsburg“ und der Landeszentrale für politische Bildung NRW. „Ziel ist es, Jugendliche unterschiedlicher  kultureller, religiöser, sozialer und ethnischer Herkunft miteinander  ins Gespräch zu bringen“, erläutert Tobias Düttmann, der als Projekt-Referent in der Wolfsburg die Jugendlichen begleitet.

An diesem Samstag ist man diesem Ziel auf jeden Fall wieder ein Stück näher gekommen. „Wir sind alle so unterschiedlich, aber wir haben uns alle auf Anhieb gut verstanden. Trotz engagierter Diskussionen herrscht hier ein respektvoller Umgang“, freuen sich beiden Krefelderinnen Katharina (16) und Eva (15). Jugendliche aus ganz Nordrhein-Westfalen, von Dortmund bis Köln, haben  sich an diesem Wochenende auf den Weg nach Mülheim gemacht. Sie sind  Christen, Muslime, Aleviten oder sie stehen keiner religiösen  Gemeinschaft nahe. Sie sind Schüler, Auszubildende und Studenten. Auf  jeden Fall sind sie die Experten für die hier diskutierten Fragen.

„Die Themen setzten die Jugendlichen selbst. Schwerpunktthemen werden im Laufe des Wochenendes herausgearbeitet“, erklärt Philipp. Der 23jährige Student begeleitet die Gruppe als Moderator und hilft, wenn die Diskussion festgefahren ist. „Wie kann Integration wirklich gelingen? Warum ist die Darstellung Jugendlicher in den Medien so negativ? Inwiefern manipulieren die Medien die Jugendlichen?“ Es sind diese Fragen, die die 15 jungen Frauen und Männer an diesem Samstag beschäftigen. Die Frage sowohl nach ihrer persönlichen Zukunft als auch nach der Zukunft der Gesellschaft, in der sie leben werden, haben die Jugendlichen aktiv werden lassen. Jonas, Mazlum, Katharina, Eva, Gian-Nuca sowie die  anderen jungen Frauen und Männer möchten nicht einfach nur zuschauen, sie möchten Zukunft mitgestalten. Sie möchten ihr Expertenwissen einbringen – „Jugenddialog 2020 ist für sie alle ein guter Weg. „Besonders spannend finde ich die  interkulturelle Verständigung, die im Rahmen dieser Veranstaltung  stattfindet und gelingt“, betont der 17jährige Mazlum aus Wipperführt.

An diesem Wochenende dauert es nicht lang und schon sind die  Teilnehmer mitten drin in der Diskussion. Schnell hat die Gruppe  „ihr Thema“, an dem sie gerne gemeinsam arbeiten möchte, gefunden. Es  brennt ihnen allen schon lange unter den Nägeln: die Darstellung der  Jugend in den Medien. Diese sei häufig falsch und beschränke sich auf  Verallgemeinerungen. „In der Regel wird nur über Extreme berichtet“,  so Jonas. „Das nervt!“ Das Projekt „Jugenddialog2020“ bleibt aber nicht im Theoretischen stecken. Es geht vielmehr darum, als Gruppe  Möglichkeiten zu finden, wie praktisch gegen die schlechte   Darstellung der Jugend in den Medien vorgegangen werden.

„Gegen-BILD“ lautet der Arbeitstitel, unter dem Jonas und seine Mitstreiter in  den kommenden Monaten an dem positiven Image der Jugend in Deutschland arbeiten werden. Sie alle machen sich auf die Suche nach positiven Beispielen für jugendliches Engagement. „Wir suchen ganz gezielt nach Gegenbeispielen. Diese werden wir dann unter anderem auf sozialen Plattformen im Internet veröffenlichen“, erklärt die Gruppe ihr Vorgehen, mit dem sie das Bild der Jugendlichen in der Öffentlichkeit auffrischen will. Bis sich die  Jugendlichen Ende Juni wieder in Mülheim treffen, bleiben sie alle per  Internet in Verbindung. „Das Projekt und auch die Zusammenarbeit ist also nicht an einzelne Tage und Veranstaltungen gekoppelt, sondern die Diskussion und der Austausch untereinander geht auch im Alltag der  einzelnen Jugendlichen weiter“, erklärt Projektreferent Tobias Düttmann.

Im Herbst präsentiert die Gruppe ihr Projekt „Gegen-BILD“ der  Öffentlichkeit und diskutiert ihr Konzept und ihre Ideen mit  Wissenschaftlern, Politikern und verschiedenen Entscheidungsträgern  des öffentlichen Lebens. „Auch wenn sich heute noch alles sehr theoretisch anhört, hoffe ich, dass wir einige unserer Ideen  tatsächlich in die Praxis umsetzen können. Wenn wir es schaffen als  Gruppe, das Bild von der Jugend in der Öffentlichkeit ein wenig zu  verändern, das wäre einfach toll“, freut sich Gian-Nuca auf die Arbeit.

Wer Interesse hat, mit anderen Jugendlichen unter dem Motto „Gemeinsam Antworten für morgen finden“ ins Gespräch zu kommen, ist bei dem  Projekt „Jugenddialolg 2020“ genau richtig. Anmeldungen sind direkt unter www.jugenddialog2020.de möglich. (dr)

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