von Marcel Krombusch

Entwicklungshelfer berichtet vom Kampf gegen Staudämme

Padre Joao Carlos I. Portes aus Brasilien spricht mit Studierenden des Nikolaus-Groß-Abendgymnasiums über seine Entwicklungsarbeit im Amazonas-Gebiet.

Es wirkt aus der Ferne wie ein Kampf gegen Windmühlen. Padre Joao Carlos I. Portes erzählt von Großkonzernen, die in seiner Heimat Brasilien neue Staudämme errichten wollen - Hand in Hand mit der lokalen Regierung und gegen den Willen der Bewohner in den bedrohten Gebieten. Seit zehn Jahren setzt sich der Vinzentiner-Pater für die betroffenen Menschen ein. Beim Reden zeigen seine Augen Entschlossenheit und Kampfgeist. „Die vielen Menschenrechtsverletzungen erfordern, dass wir dagegen ankämpfen.“, betont der Padre. „Das ist eine Sache, die uns alle verbindet: Der Kampf ums Leben“. Es ist ein Thema, das ihm am Herzen liegt. Beim Sprechen wird er laut und gestikuliert, um seinen Worten zusätzliche Bedeutung zu verleihen. Sein Publikum sind an diesem Donnerstagmorgen keine Staatsmänner oder politische Entscheider, sondern knapp 30 Studierende des Nikolaus-Groß Abendgymnasiums Essen.

Fastenaktion von Misereor

Im Rahmen der diesjährigen Misereor-Fastenaktion „Das Recht ströme wie Wasser“ hat das katholische Hilfswerk den Padre nach Deutschland eingeladen, damit er über seine Arbeit berichtet. Für die Schule in Essen kein selbstverständlicher Besuch, wie der Schulleiter des Abendgymnasiums, Jochen Suthe, hervorhebt: „Wir sind immer sehr daran interessiert, den Blick der Studierenden zu weiten für Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Daher sind wir sehr dankbar für diesen Einblick“.

Das Abendgymnasium des Ruhrbistums ist für Padre Joao Carlos nicht die einzige Station auf seiner Reise durch Deutschland. Auf dem Programm stehen weitere Termine im Erzbistum Köln und dem Bistum Aachen. Entfernungen, die er aus Brasilien gewöhnt ist - sein Heimatbistum Manau ist halb so groß wie ganz Deutschland. Die Grenzen der Diözese ziehen sich entlang der Ströme des Amazonas.

Staudämme bedrohen die brasilianische Heimat

Durch den größten Fluss Brasiliens fließt mehr Wasser, als durch jeden anderen Fluss der Welt. Ein Reichtum, der attraktiv macht. „Die Großkonzerne bauen im Auftrag der Regierung viele Staudämme in der Region, ohne die Grundrechte der dort lebenden Menschen zu achten“, erzählt Padre Joao Carlos. Der Vinzentiner hat daher die „Kommission für Landpastoral“ gegründet, die sich mit den Flussanwohnern gegen eine Umsiedlung zur Wehr setzt und für bessere Lebensbedingungen kämpft. Gemeinsam konnten sie schon kleine Erfolge erzielen. „Die Stromversorgung wurde verbessert und neue Straßen verbinden die Dörfer“, erläutert der Geistliche. Trotzdem bleibt viel zu tun. „Manche Infrastrukturprojekte sind noch in Planung. Wenn wir jetzt aufhören, machen sie immer weiter“, sagt Joao Carlos und schlägt mit seiner Hand mehrmals auf den Tisch.

Respekt für Arbeit des Padre

Im Klassenraum herrscht Stille während des Vortrages. Die Studierenden des 2. Semesters zollen dem Padre aus Brasilien für seine Arbeit Respekt. „Man bekam natürlich was mit von den Korruptionsskandalen in Brasilien“, meint Student und Zuhörer Cedric Unterfeld nach dem Vortrag. „Aber die Probleme mit den Staudämmen waren mir nicht bekannt. Ich finde sein Engagement toll“. Abschließend feierte der Gast aus Südamerika gemeinsam mit den Studierenden und Schulseelsorger Michael Schwarzer einen Gottesdienst. Dabei verwies Portes auf eine Unterschriftenliste gegen die Staudamm-Projekte in seiner Heimat. Sie soll den Druck auf die Regierung künftig weiter erhöhen, damit die bedrohten Dörfer am Amazonas bestehen bleiben können.

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