Eine lebendige und handlungsfähige Kirche sein

Die Pfarreien St. Norbert und St. Johann in Duisburg werden bis spätestens Ende 2015 zu einer Pfarrei zusammengeschlossen. Das teilt Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck in einem Brief an die Mitglieder der beiden betroffenen Pfarreien mit. Darin zeigt er auch Verständnis für die Betroffenheit und Trauer über Kirchenschließungen.



Bischof Overbeck gibt Entscheidung zur Zukunft der Pfarreien im Duisburger Norden bekannt

Spätestens Ende 2015 werden die Pfarreien St. Norbert und St. Johann in Duisburg-Hamborn zu einer Pfarrei zusammengeschlossen. Das teilt Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck in einem Brief an die Mitglieder der beiden betroffenen Pfarreien mit, der an diesem Wochenende, 21./22. Januar, in allen Gottesdiensten verlesen wird. „Ich weiß, dass meine Entscheidungen bei nicht wenigen von Ihnen Betroffenheit und Trauer auslösen werden“, schreibt der Bischof. Dennoch sei er sich bewusst, „dass es keine tragfähige Alternative zu meinen getroffenen Entscheidungen gibt, wenn die Kirche im Gesamtgebiet Ihrer beiden Pfarreien auch zukünftig lebendig und handlungsfähig sein soll.“

Wesentliche Inhalte der Entscheidung sind Folgende: Die Kirchen St. Hildegard, Duisburg-Obermarxloh, und Herz-Jesu, Duisburg-Neumühl, bleiben als Gemeindekirchen erhalten. Abweichend von dem vom Bischof im vergangenen Oktober unterbreiteten Vorschlag bleibt die Kirche St. Peter in Duisburg-Marxloh, die in unmittelbarer Nachbarschaft zur DITIB Merkez-Moschee liegt, als „Filialkirche“ von St. Johann auch über 2015 hinaus erhalten. Dort soll ein sozialpastorales Zentrum entwickelt werden.

Die Kirchen St. Konrad (bisher „Filialkirche“ der Gemeinde St. Peter und Paul) und die bisherige Gemeindekirche St. Barbara, Duisburg-Fahrn, werden so genannte „weitere Kirchen“, die als Gottesdienststandorte aufgegeben werden und für die keine Kirchensteuermittel mehr bereit gestellt werden können. „Auch wenn es durchaus Gründe für ihren  Erhalt gibt, so lassen doch die unabdingbar notwendigen Sparmaßnahmen keine Alternative zu. Die Zahl der Kirchen wäre sonst zu groß“, so Bischof Overbeck. St. Konrad werde in den nächsten Monaten geschlossen, die Kirche St. Barbara zum Zeitpunkt des Zusammenschlusses der Pfarreien.

Auch die bisherige Pfarrkirche St. Norbert wird den „weiteren Kirchen“ zugeordnet, doch mit einer Besonderheit: Die Kirche kann auch „über 2015 hinaus so lange für Gottesdienste und Gebete genutzt werden, wie der Kirchenvorstand der neuen Pfarrei in enger Abstimmung mit dem Dezernat Kirchengemeinden dies für verantwortbar hält und finanzieren kann“, heißt es in dem Schreiben des Bischofs. Er habe sich angesichts der zuletzt dort  getätigten Investitionen (Bauerhaltung/Renovierung) zu diesem Schritt entschieden. Der zukünftige Unterhalt der Kirche St. Norbert dürfe aber nicht zu Lasten der übrigen Kirchen gehen, die eine dauerhafte Sicherung benötigten. Die Mitglieder der Gemeinde St. Norbert sollen 2015 mit denen einer anderen Gemeinde zusammengeführt werden.


Wertschätzung für das, was Menschen geleistet haben

In seiner Entscheidung weist der Bischof darauf hin, dass mit seiner Entscheidungen zu den so genannten „weiteren Kirchen“ nichts ausgesagt sei  über den Wert der pastoralen Arbeit und der vielen Bemühungen engagierter Christen an diesen Orten. „Ich schätze das alles wert, was Menschen dort geleistet haben, und danke allen von Herzen, die sich sehr engagiert für die Gestaltung des kirchlichen Lebens eingesetzt haben“, so Overbeck. Er äußert jedoch die Hoffnung und Bitte, „sich weiterhin mit gleicher Kraft auch unter anderen Bedingungen für eine lebendige und missionarisch wirksame Kirche vor Ort“ einzusetzen.

Die Kindertageseinrichtung St. Barbara – das betont der  Bischof – bleibe entgegen vieler Behauptungen und Befürchtungen über 2015 hinaus erhalten. Im Blick auf alle Kindertagesstätten der Pfarreien St. Norbert und St. Johann gebe es momentan keinerlei Überlegungen und Gespräche, „die die Existenz einer dieser Einrichtungen in Frage stellen“.


Mit Kirchenschließung verschwindet nicht kirchliches Engagement

Dass es in den vergangenen Wochen an manchen Stellen in den Pfarreien „zu einem starken Gegeneinander einzelner Gemeinden und auch einzelner Christinnen und Christen“ gekommen sei, habe ihn als Bischof betrübt. Deshalb sei es jetzt die wichtigste und notwendigste Aufgabe, dass die Gemeinden innerhalb der zukünftigen Pfarrei versöhnt zueinander finden“. Das werde nicht einfach sein und Zeit brauchen. Er wisse, dass es vielen schwer fallen werde, seine Entscheidungen zu akzeptieren und an deren Umsetzung mitzuwirken. „Dass wir viele vertraute Strukturen nicht mehr aufrechterhalten können, schmerzt auch mich.

Aber mit der Schließung von Kirchbauten muss kirchliches Engagement nicht verschwinden“, so Overbeck. Gerade im Duisburger Norden sei die Kirche heute auch auf andere Weise präsent: beispielsweise durch die Kindertagesstätten, caritativen Einrichtungen, die Jugendberufshilfe „Werkkiste“ oder die „Arche“ in der Gemeinde St. Hildegard. Der Bischof bittet in seinem Schreiben darum, „aus dem Glauben an Christus den vor uns liegenden Weg der Katholischen Kirche im Duisburger Norden gemeinsam mit zu gehen und mit zu tragen, auch wenn viele von Ihnen zukünftig weitere Strecken zu Gottesdienstorten zurücklegen müssen“.

Am Samstagnachmittag informierten Domkapitular Dr. Michael Dörnemann, Leiter des Dezernates Pastoral, und Verwaltungsdirektor Hans-Georg Hükelheim, Leiter des Dezernates Kirchengemeinden, im Auftrag des Bischofs die Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte der Pfarreien St. Norbert und St. Johann über die Inhalte der Entscheidung. Die Medien wurden anschließend in einem Pressegespräch unterrichtet, an dem auch der Duisburger Stadtdechant Bernhard Lücking und der Pfarrer der Propsteipfarrei St. Johann, Pater Dominik Kitta OPraem, teilnahmen.


Intensive Suche nach Lösungen

Ausgangspunkt des gesamten Prozesses war ein Schreiben des Pfarrers von St. Norbert, Andreas Willenberg, Anfang November 2010 an den Bischof. Willenberg bat um Unterstützung bei der Findung einer Lösung in der finanziell wie auch pastoral schwierigen Lage der Pfarrei St. Norbert. In zahlreichen Treffen zwischen Vertretern der Pfarrei und des Bistums wurde nach Lösungen gesucht, wurden Szenarien entwickelt und Vorschläge erarbeitet. Im Oktober 2011 teilte Bischof Overbeck dann einen ersten Vorschlag für die zukünftige Struktur der Pfarreien in Duisburg-Hamborn mit. Die Gremien der beiden Pfarreien wurden gebeten, sich zu diesem Vorschlag zu äußern und ein Votum abzugeben. Es kam nicht zu einer einmütigen Stellungnahme. Anfang Januar dieses Jahres war Bischof Overbeck in der Pfarrei St. Norbert, um sich in einem Rundgang noch einmal ein Bild von der Situation vor Ort zu machen.

Der erste Vorschlag des Bischofs vom Oktober 2011 sah vor, vier Kirchen der Pfarrei St. Norbert zu schließen (St. Norbert, St. Barbara, St. Peter und St. Konrad). In seiner jetzigen endgültigen Entscheidung sind es zwei Kirchen (St. Konrad und St. Barbara). Für St. Norbert gilt vorerst eine Sonderregelung.

Die beiden Pfarreien St. Norbert und St. Johann in Duisburg-Hamborn zählen heute rund 25.000 Katholiken. Im Jahr der Bistumsgründung 1958 waren es noch 70.931, das entspricht einem Rückgang um 63 Prozent. Der Gottesdienstbesuch ist in diesem Zeitraum um 87 Prozent gesunken, die Taufen um 83 Prozent. (do)

Entscheidung des Bischofs im Wortlaut (pdf)
Chronolgischer Ablauf des Prozesses in der Pfarrei St. Norbert (pdf)

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