Ein letzter gemeinsamer Schritt

Gedenkgottesdienste für Verstorbene, für die es bislang keine Trauerfeier gegeben hat, wollen die Evangelische und Katholische Kirche in Mülheim in Zukunft zu einem festen Angebot machen.

Ökumenische Gedenkgottesdienste für „Unbedachte“ in Mülheim

Zum ersten Mal wird es in Mülheim einen Gedenkgottesdienst für Verstorbene der Stadt geben, für die es bislang keine Trauerfeier gab. „Wir gehen gemeinsam einen letzten Schritt, in dem unsere Zusammengehörigkeit deutlich wird”, so beschreibt Superintendent Helmut Hitzbleck den Sinn des Gedenkgottesdienstes, der Mittwoch, 9. September, 18.00 Uhr, in der evangelischen Petrikirche, Pastor-Barnstein-Platz, stattfinden wird. „Nachdem sich Katholische und Evangelische Kirche sehr schnell darüber einig waren, war auch die Stadt Mülheim an der Ruhr sofort bereit, sich mit einzubringen“, so Stadtdechant Michael Janßen.

Wenn ein Mülheimer oder eine Mülheimerin verstirbt, und keine Angehörigen ermittelt werden können, sorgt das Ordnungsamt für die Einäscherung des Leichnams. „Bislang wurde die Urne anschließend im laufenden Friedhofsbetrieb in die Erde gesetzt, ohne Trauerfeier und namentliches Gedenken“, berichtet Pfarrerin Klaudia Schmalenbach. Diese Praxis wollen die Mülheimer jetzt ändern.

„Seitdem wir 2004 die ,Charta der Menschenrechte in den Städten’ unterzeichnet haben, waren die so genannten ,Ordnungsamtsbestattungen’ bei uns ein Thema“, erklärte Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den beiden Kirchen. Superintendent Hitzbleck: „Gerade in Zeiten, in denen es einen Trend zum ,Abschieben’ gibt, ist es uns wichtig zu zeigen: Hier fällt niemand aus unserem Gedächtnis.“

Die Gedenkgottesdienste finden künftig dreimal im Jahr statt, jeweils am zweiten Mittwoch im September, Januar und Mai, abwechselnd in der Petrikirche und in der katholischen Kirche St. Mariae Geburt auf dem Mülheimer Kirchenhügel. Während und nach den Gottesdiensten liegt ein Gedenkbuch aus, in dem auch die Namen der Verstorbenen stehen. Wer zu Lebzeiten verfügt hat, im Tode anonym bleiben zu wollen, wird selbstverständlich nicht genannt.

„Es ist uns ein Bedürfnis, den Verstorbenen und den Angehörigen Wertschätzung zu vermitteln“, erklärt Esther Dörr-Bastuck, Gemeindereferentin in St. Engelbert, die den ersten ökumenischen Gedenkgottesdienst gemeinsam mit Pfarrerin Klaudia Schmalenbach halten wird. „Die Beispiele aus anderen Städten zeigen, dass durch die Ankündigung des Gedenkens und die Nennung der Namen oft noch frühere Bekannte, Nachbarn oder Arbeitskollegen aufmerksam werden.“ Viele nähmen das Angebot des gemeinsamen Gedenkens dann gerne an. In Bochum gibt es seit mehr als einem Jahr ebenfalls Gedenkgottesdienste für „Unbedachte“. (do)

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