"Die soziale Not im Ruhrbistum hat viele Facetten"

Wo müssen wir als Kirche verstärkt Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen? Wie kann dieses Engagement aussehen? Mit diesen Fragen setzten sich die Teilnehmer des 4. Bistumsforums zum Dialogprozess "Zukunft auf Katholisch" auseinander. Neben übergeordneten Handlungsfeldern standen am Ende des Tages auch konkrete Wünsche.


Teilnehmer des 4. Bistumsforums diskutieren über karitatives Handeln im Ruhrbistum

Das Bistum Essen ist vielfältig. Ebenso die Sorgen und Nöte der Menschen, die dort leben. Zwangsprostitution, drohende Arbeitslosigkeit, fehlende Begegnungsorte oder die zunehmende Isolation älterer und allein stehender Einwohner: Christinnen und Christen, die sich vor Ort für hilfsbedürftige Mitmenschen engagieren, stehen von Stadt zu Stadt vor unterschiedlichen Herausforderungen. Wo gilt es, Verantwortung zu übernehmen und welche Schwerpunkte sollen gesetzt werden? Diese Fragen standen am Nachmittag im Mittelpunkt des 4. Dialogforums, das unter dem Motto „Zukunft auf Katholisch“, in Duisburg stattfand.

Wie das diakonische Handeln in Zukunft aussehen kann und wo Handlungsbedarf besteht – darüber hatten sich bereits im Vorfeld des Dialogforums rund 40 Männer und Frauen ausgetauscht, die in diesem Gebiet als „Experten“ gelten: Menschen, die sich entweder als Mitglied der Verbands-Caritas oder aber in einem anderen Kontext für die Anliegen der Menschen in ihrem Umfeld engagieren. „Diakonisches Handeln bedeutet für uns einen respektvollen Umgang mit den Personen in unserem Umfeld. Dabei sollten wir auch diejenigen nicht aus dem Blick verlieren, die sich nicht in unserem innersten Zirkel befinden“, fasste Roswitha Paas die Ergebnisse zusammen. Es sei wichtig, die Sinnfragen der Menschen aufzugreifen, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und dort präsent zu sein, wo die Sorgen und Nöte bestünden. „Dabei gilt es immer zu bedenken, dass wir uns an unseren eigenen Maßstäben messen lassen müssen“, betonte Paas.

Wie konkret und facettenreich sich „die Not“ in den Städten des Ruhrbistums zeigt, das wurde auch in den anschließenden Diskussionsrunden der Teilnehmer deutlich. Dort stand die Frage nach der besonderen Mitverantwortung, die sich in Hinblick auf das diakonische Handeln ergibt, im Mittelpunkt: Wo sehen wir generell Handlungsbedarf und wo wollen wir Prioritäten setzen? Versteckte Armut, fehlende Arbeitsplätze, Ghetto-Bildungen, Einsamkeit und Isolation: So unterschiedlich die einzelnen Situationen der Ruhrbistums-Städte, so unterschiedlich waren auch die Handlungsfelder, die sich zum Schluss herauskristallisiert hatten. Neben eher offen formulierten Feldern - wie etwa der Forderung nach einem größeren Engagement der Kirche in der Sozialpolitik, bekannten die Teilnehmer auch ganz konkrete Wünsche, zum Beispiel den nach einem Ort der Begegnung nahe des Essener Doms.

Dass die Ergebnisse des Expertenhearings und der Kleingruppenarbeit nicht im Sande verlaufen, sondern Impulse für den weiteren Verlauf des Dialogprozesses geben sollen, machten Bischof Franz-Josef Overbeck und Generalvikar Klaus Pfeffer anhand ihres „Zukunftsbildes“ für das Bistum Essen deutlich. „Wir werden die genannten Punkte als Ideenanregungen aufnehmen und als Grundlage für die Weiterentwicklung unserer formulierten Thesen nutzen“, erklärte der Ruhrbischof. „Die Ergebnisse werden wir dann am Ende des Dialogprozesses vorstellen“. Um die Rückbindung an die Dialogveranstaltungen sicher zu stellen und die jeweiligen Ergebnisse mit einzuarbeiten, wird sich daher in den kommenden Monaten eine Arbeitsgruppe weiter mit dem Konzept beschäftigen. Neben Generalvikar Klaus Pfeffer werden sich Mechthild Jansen vom Diözesanrat der katholischen Frauen und Männer im Bistum Essen, der Journalist Christian Herrmanny, Professor Dr. Matthias Sellmann, Professor für Pastoraltheologie an der Ruhr-Universität Bochum, die Studentin Katharina Tautz, Pastor Dietmar Schmidt sowie der persönliche Referent des Generalvikars, Markus Etscheid-Stams damit auseinandersetzen.

„Der Tag heute hat gezeigt, dass wir auf einen großen Erfahrungsschatz in diesem Handlungsfeld von Kirche zurückgreifen können. Und dafür bin ich dankbar“, betonte Bischof Overbeck am Ende des Tages. „Er hat gezeigt, dass wir uns auf einem guten Weg zu einer neuen Stilform im Umgang miteinander befinden. Dieser Dialogprozess ist ein Wagnis und zugleich ein großes Geschenk“. (ms)

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