Die Menschen sehnen sich nach einer Perspektive

Auch 19 Jahre nach Ende des schrecklichen Krieges auf dem Balkan kämpfen Menschen ins Bosnien um das Überleben. Mit Patenschaften für Not leidende Familien und mit Suppenküchen in Zenica und Sarajevo versucht die Bosnienhilfe der Duisburger Caritas zu helfen, wo sie kann.


Mit der Duisburger Bosnienhilfe durch das Balkanland

Zum 72. Mal besuchte Heribert Hölz, Motor der Bosnienhilfe der Duisburger Caritas, begleitet von Ehefrau Ursula sowie Caritasdirektor Ulrich Fuest und dessen Stellvertreter Thomas Güttner, Bosnien-Herzegowina. Auf der fast 1200 Kilometer langen Strecke quer durch das Balkanland informierte sich Hölz über den Stand der zahlreichen Projekte und die Situation der Menschen 16 Jahre nach Ende eines schrecklichen Krieges. Rein äußerlich tut sich einiges in dem Land. Doch es wirft immer wieder auch viele Fragen auf. Denn Bosnien ist nicht nur territorial geteilt. Auch ethnisch-religiöse Konflikte erschweren nach wie vor das Zusammenleben der Menschen.

Politisch dreht man sich im Kreis. Das bestätigte der Erzbischof von Sarajevo, Kardinal Vinko Puljić, im Gespräch mit der Duisburger Gruppe. Darunter haben vor allem Alte, Kranke, Arbeitslose und Familien mit Kindern zu leiden. „Ein Sozialsystem wie bei uns gibt es nicht“, betont Hölz. Rund 28,5 Prozent beträgt im Landesdurchschnitt die Arbeitslosigkeit. „Die Menschen sehnen sich nach einer Perspektive“, so Hölz. Auch 16 Jahre nach Kriegsende gebe es viele, die nicht wüssten, wie es morgen weitergehen soll. „Wir können nicht ganz Bosnien retten. Aber wir wollen mit unseren beschränkten Mitteln denen helfen, die Hilfe am nötigsten brauchen“, unterstreicht Hölz.


Patenschaften und Krankenbesuchsdienst

Schon lange unterstützt die Bosnienhilfe bedürftige Familien mit  Patenschaften. Zur Zeit sind es über 70. „Eine Patenschaft umfasst 25 Euro monatlich und ist in der Regel auf ein Jahr begrenzt“, erklärt Hölz. Das Geld für jeweils fünf neue Patenschaften in Fojnica und Banja Luka hatte Hölz im Reisegepäck. Betreut werden die Patenschaften von den jeweiligen Pfarren vor Ort. „Sie wissen, wo die Not am größten ist“, so Heribert Hölz.

Zur Überlebenshilfe zählt auch die Unterstützung des Alten- und Krankenbesuchdienstes. Denn eine wie in Deutschland organisierte Alten- und Krankenhilfe gibt es in Bosnien-Herzegowina nicht. Kranken- oder Pflegeversicherung? Fehlanzeige. Häufig sind die meist alten Kranken auf sich allein gestellt. Meist können sie sich einen Arzt oder Krankenhausaufenthalt nicht leisten. Mit rund 37.000 Euro unterstützt die Bosnienhilfe der Duisburger Caritas jährlich diesen Besuchsdienst in Kotor Varoš in der Nähe von Banja Luka sowie in Bosanska Gradiska an der bosnisch-kroatischen Grenze. „Damit finanzieren wir zwei Krankenschwestern, Sachkosten, Medikamente, bei Bedarf auch hauswirtschaftliche Hilfe oder einen Arztbesuch“, erklärt Hölz.

Eine warme Mahlzeit am Tag

Zur Überlebenshilfe zählen auch die beiden Suppenküchen in Sarajevo und Zenica, die von der Bosnienhilfe unterstützt werden. In der Hauptstadt kommen über 300 Menschen täglich zur Essensausgabe, vor allem Roma und Bosniaken. „Die Zahl derer, die sich täglich keine warme Mahlzeit leisten können, steigt“, berichtete Diözesancaritasdirektor Dr. Mirko Šimić. Ein kleines Zebra steht in seinem Büro. „Ich habe früher Spiele des MSV besucht, wenn ich meinen in Duisburg lebenden Onkel besucht habe“, erklärt er schmunzelnd.

Neben den Suppenküchen engagiert sich die Caritas der  Diözese Sarajevo auch in der Alten- und Krankenpflege, unterhält eine Frauenberatungsstelle und leistet mit Schafen, Kühen oder Ziegen Starthilfe für Rückkehrer. „Das sind nicht viele, aber für die Menschen hier sehr wichtige Projekte“, betonte der Caritasdirektor. Er dankte den Spendern der Bosnienhilfe für die Unterstützung und freute sich über die 5.000 Euro, die ihm Heribert Hölz überreichte. Die eine Hälfte ist für den Betrieb der Suppenküche in Sarajevo bestimmt, die andere für die Anschaffung von Schafen, Kühen oder Ziegen. 3.500 Euro der Gesamtsumme sind „hochzeitliche“ Spenden. Denn das Ehepaar Hölz, das im Juni seine Rubinhochzeit (40 Jahre) feiern konnte, hatte auf Geschenke verzichtet und stattdessen um Spenden für die Bosnienhilfe gebeten.

Bedrückender ist die Situation in der Industriestadt Zenica. Hier liegt die Arbeitslosigkeit über 50 Prozent. Die dortige Caritas-Suppenküche unterstützt das Ehepaar Hölz größtenteils mit Erlös aus dem Verkauf selbst gemachter Marmelade. Hinzu kommen die Lebensmittelspenden aus Duisburg und vom Niederrhein. Täglich wird in dem von der Caritas Italien erbauten Haus eine Mahlzeit gekocht und dann zu den Bedürftigen ins Haus gebracht. „Das ist ein unschätzbarer Dienst“, betonte Caritasdirektor Šimić. Auch in Zenica übergab Hölz 1.185 Euro für den Einkauf von Fleisch. „Wer einmal eine Tour zu den Bedürftigen mitgemacht hat, ist schon getroffen von der Armut, die einem begegnet, und tief berührt von der Dankbarkeit der Menschen“, so Heribert Hölz. Was ihn vor allem umtreibt, ist die Perspektivlosigkeit vieler Menschen in dem Balkanland.

Das hat auch den Duisburger Caritasdirektor Ulrich Fuest auf seiner ersten Bosnien-Tour nachdenklich gemacht: „Mit ist deutlich geworden, dass hier Strukturhilfen notwendig sind und vor allem Arbeitsplätze geschaffen werden müssen, damit Menschen hier wieder Fuß fassen können.“ Die Bosnienhilfe könne „keine Politik“ machen. „Ihr Einsatz gilt allein den Not leidenden Menschen vor Ort“, so Fuest. Seinem Vorstandskollegen Thomas Güttner bereitet vor allem die „politische Lähmung“ des Landes Sorgen und die „politische Not, hier von außen eingreifen zu müssen“. (do)


Spendenkonto:
Spenden für die Bosnienhilfe können auf das Konto des Caritasverbandes Duisburg bei der Stadtsparkasse Duisburg, Bankleitzahl: 350 500 00, Konto-Nummer: 200 104 305, Stichwort: „Bosnienhilfe“, überwiesen werden. Spendenbescheinigungen werden auf Wunsch ausgestellt.
Wer eine Patenschaft für eine bedürftige Familie übernehmen möchte, kann sich an Heribert Hölz, Tel.: 0203/44 98 59 16, wenden.

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