Die Kirche muss sich verändern und neu werden

Die Kirche muss neu werden. Das unterstrich Bischof Overbeck im Festgottesdienst zum Wechsel im Amt des Generalvikars. Dieses Neu-Werden gelinge nur durch eine Neubesinnung auf Jesus Christus. Der christliche Glaube brauche unterschiedliche Ausdrucksformen in der Kirche, weil die Menschen und ihre Lebenswirklichkeiten verschieden seien.

Festgottesdienst zum Wechsel im Amt des Generalvikars

Die Kirche muss sich erneuern. Das unterstrich Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck am Freitagabend, 9. November, im Pontifikalamt im Essener Dom.  „Die Welt hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Dies betrifft alle Lebensbereiche, das Denken und Wissen sowie das Fühlen und Glauben aller Menschen“, betonte er im Festgottesdienst zur Verabschiedung des früheren Generalvikars, Domkapitular Prälat Dr. Hans-Werner Thönnes, und Einführung von Domkapitular Monsignore Klaus Pfeffer als neuer Generalvikar des Bischofs von Essen sowie von Domvikar Dr. Kai Reinhold als neuer Dezernent für das pastorale Personal im Ruhrbistum.

Viele Menschen seien an der Kirche interessiert, nähmen ihre Stärken, aber auch ihre Schwächen wahr. Die einen schätzten ihre Werte, andere erlebten Kirche als sperrig. „Und Gott sei Dank gibt es Viele, die der Kirche viel verdanken“, so Overbeck. Vieles im Leben und im Gemeinwesen wäre „ohne das Erbe des Christentums und ohne die Präsenz der Kirche durch die Jahrhunderte“ nicht denkbar. Doch die Welt und die Menschen veränderten sich. „Wir leben nicht nur in Zeiten, in denen alles anders wird, sondern wir leben in Schwellenzeiten, in denen sich uns völlig neue Horizonte und Landschaften eröffnen, sich neue Fragen stellen, die – bereichert mit dem Schatz unserer Traditionen – neue Antworten brauchen, die aber nicht identisch sind mit dem, was wir bereits kannten und kennen“, sagte der Bischof. Kein Mensch könne auf Dauer auf der Schwelle stehen bleiben, auch nicht die Kirche. „Es geht heute um den Schritt über die Schwelle in eine neue Zeit und auf neue Wege“, so Overbeck. Das erfordere Mut.


Neubesinnung auf Jesus Christus

Doch das Neu-Werden der Kirche sei nur durch eine Neubesinnung auf Jesus Christus möglich. „Denn ohne Jesus gäbe es die Kirche nicht. Er ist ihre Mitte und ihr Fundament, das Kraft gibt neu zu werden“, unterstrich der Bischof mit Nachdruck. Es gehe zuerst um Jesus und dann um die Kirche. Es gehe darum, den Blick auf Jesus nicht zu verstellen und sich selbst nicht so wichtig zu nehmen.  „Denn die Gefahr ist  groß, dass wir uns in der Kirche mit uns selbst beschäftigen, also eine beständige Binnenorientierung fördern und pflegen, die uns unfähig macht, die Lösungen der Probleme in den Blick zu nehmen, und vergessen, dass wir Christus zu den Menschen zu bringen haben“, warnte Overbeck.

Dabei verwies er auf die getauften Christen, die wenig oder gar nicht am kirchlichen Leben teilnehmen. „Auch diese brauchen den Raum unserer Kirche, auch diesen möchten wir, möchte ich den Raum in unserer Kirche bieten, den sie suchen“, bekräftigte der Bischof. Auch mit Menschen, die in einem oft sehr weitem Sinne nach Orientierung suchten und offen seien für religiöse Antworten auf ihre Sinnfrage, müsse die Kirche den Dialog suchen und diese zu einem Leben als Christ in der Kirche einladen. Missionarisch tätig zu sein und „das Evangelium zu den Menschen zu bringen“, darum gehe es.


Der christliche Glaube braucht unterschiedliche Ausdrucksformen

Daraus folge ein „offenes und weites Verständnis der Kirche als Bewegung, bei der Einheit und Beständigkeit nicht mit Einheitlichkeit verwechselt werden darf“, so der Bischof. Der christliche Glaube brauche unterschiedliche Ausdrucksformen in der Kirche, weil die Menschen und ihre Wirklichkeiten unterschiedlich seien. Overbeck: „Wo Kirche sich auf Jesus besinnt und von ihm erleuchten lässt, kann sie eine vielfältige, bewegliche, aber vor allem auch bewegende Kirche sein, die im ganz ursprünglichen Sinn katholisch ist und den Glauben allumfassend lebt.“

Seinem früheren Generalvikar, Prälat Dr. Hans-Werner Thönnes, dankte der Bischof für dessen „verantwortungsbewusste Sorgfalt, mit der er diesen Dienst wahrgenommen und zum Wohle unseres Bistums gearbeitet hat“. In den acht Dienstjahren des Generalvikars habe die Kirche im Bistum Essen einschneidende Veränderungen erfahren und in Vielem ein neues Gesicht bekommen, wie beispielsweise durch die tiefgreifende Umstrukturierung. Es seien schwierige und stürmische Zeiten und die Aufgaben riesig gewesen. Thönnes habe "schwere Stunden aushalten müssen", habe eine "große Sensibilität für die Regungen der Menschen" gezeigt und sich mit großem Engagement diesen schwierigen  Herausforderungen gestellt und Vieles auf den Weg gebracht.  Dafür dankte ihm Bischof Overbeck und wünschte Ihm für seine neue Aufgabe als Bischofsvikar für die Caritas Gottes Segen.

Als einen „strukturierten Denker und Arbeiter“, der über die Hälfte seines priesterlichen Lebens in der Jugendseelsorge Verantwortung übernommen habe, stellte der Bischof seinen neuen Generalvikar, Domkapitular Klaus Pfeffer, vor.  Dieser habe eine „wache Wahrnehmung nach Innen wie nach Außen“ und es mache ihm immer „Freude, bei den Menschen zu sein“. Overbeck: „Wir beide sind uns einig, dass die Prozesse des Neuwerdens der Kirche für uns alle immer wieder bedeuten werden, sich auf Neues einzulassen, und es wenig Zeit zum Ausruhen gib. Er dankte Pfeffer für die Bereitschaft, diesen Dienst „mit dynamischer Kraft für das Neuwerden der Kirche“ zu übernehmen.

Mit der Ernennung von Domvikar Dr. Kai Reinhold zum Dezernenten für das pastorale Personal und zum Regens des Bistums ist Bischof Overbeck dem „Motiv des Jungseins“ treu geblieben.  Nach nur vier Kaplansjahren in Bochum trage Reinhold jetzt Verantwortung für die, „die im Auftrag von Bischof und Bistum bei den Menschen vor Ort sind, das Evangelium verkünden, die Sakramente spenden, Gemeinschaft üben und Seelsorge im besten Sinne des Wortes konkret werden lassen“, so Overbeck. Er wünschte Dr. Reinhold „Gottes Segen, viel Kraft, uns eine gute Zusammenarbeit und viel Vertrauen in diejenigen, für die Du Verantwortung trägst“.

„Wir alle sind nur kleine Lichter“, betonte Overbeck. Die Kirche mit ihren „zumeist sehr vergänglichen Aufgaben“ habe nur einen Grund und ein Ziel: „die Menschen auf Jesus Christus, das Licht, hinzuweisen und auf ihn auszurichten, damit sie zum Leuchten gebracht werden“. Dafür mit Leidenschaft und mit einer „Begeisterung für den Glauben“ einzutreten, das mache Kirche berührbar und bewegend für Menschen. Das wünsche er sich und auch dem neuen Generalvikar, Bischofsvikar und Personaldezernenten. (do)


Predigt von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

Ansprache von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck beim Festakt

Portrait Domkapitular Dr. Hans-Werner Thönnes, Bischofsvikar für die Caritas

Portrait Generalvikar Klaus Pfeffer

Portrait Domvikar Dr. Kai Reinhold

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