von Thomas Rünker

Die Fürstin kehrt zurück

Nach neunmonatiger Restaurierung hängt das fast 250 Jahre alte, großformatige Öl-Gemälde der vorletzten Essener Äbtissin Franziska-Christine mit ihrem Kammermohr jetzt wieder an seinem Platz in der Essener Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung.

Bedeutendes Bild der Essener Stadt- und Kirchengeschichte

Eines der bedeutendsten Gemälde der Essener Stadt- und Kirchengeschichte hat wieder seinen angestammten Platz eingenommen. Nach neun Monaten Restaurierung hängt das rund 2,50 mal 1,50 Meter große Öl-Porträt der vorletzten Essener Äbtissin, Fürstin Franziska-Christine von Pfalz-Sulzbach (1696 – 1776), seit Mittwoch wieder im Ahnensaal der von ihr als Waisenhaus gegründeten Stiftung in Essen-Steele.

Großformatiges Bild mit original Rokoko-Rahmen

In einer Feierstunde konnten sich Vertreter der Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung, der Kulturstiftung Essen, die die Restaurierung maßgeblich finanziert hat, und des Amts für Denkmalpflege im Landschaftsverband Rheinland vom „tollen Ergebnis“ der Arbeiten überzeugen, wie es die Leiterin der Essener Domschatzkammer, Dr. Birgitta Falk beschrieb. Zuvor sei das Bild überall mit Fliegenexkrementen überzogen gewesen, so Falk. Diese hätten in aufwendiger Handarbeit Stück für Stück von der Leinwand entfernt werden müssen. Außerdem sei der original Rokoko-Rahmen des Gemäldes behutsam mit aufwändiger Lasertechnik aufgearbeitet worden. „Der Kulturstiftung Essen war es ein besonderes Anliegen, die Restauration eines dermaßen bedeutsamen Kunstschatzes für die Historie der Stadt zu fördern“, erläuterte der Vorsitzende Dr. Henner Puppel das Engagement der Kulturstiftung.

Fürstäbtissin in Herrscherpose

Das Bild aus der Werkstatt des Kölner Malers Johann Jakob Schmitz zeigt die Fürstäbtissin etwa in ihren 70er Jahren in einer Herrscherpose, wie man sie sonst nur von wenigen Frauen der europäischen Adelsgeschichte kennt. Auch der „Mohr“, der auf dem Bild ihren mit Hermelin gefütterten Samtmantel hält, ist kein ungewohntes „Herrschafts-Accessoire“ auf solchen Bildern. Dennoch war der abgebildete Ignatius Fortuna für Fürstin Franziska Christine weit mehr. „Sie hatte eine ausgesprochen enge Beziehung zu ihm“, weiß Falk. Fortuna sei als kleiner Junge aus Surinam nach Essen gekommen und der Fürstin geschenkt worden. Dort habe er – wie später alle Kinder im Waisenhaus der Fürstin – Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt und eine Ausbildung erhalten. Fortuna sei darüber hinaus auch musikalisch ausgebildet worden und schließlich zum Kammermohr der Fürstin aufgestiegen, dem sie so verbunden war, dass er nach seinem Tod ebenfalls in der Kapelle der Stiftung beigesetzt wurde.

Der Fürstin den alten Glanz wiedergegeben

Alle Mitarbeiter der Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung sind froh über die erfolgreiche Restaurierung und geglückte Heimkehr des Porträts. Einen ganz besonderen Dank richtete der Direktor der Stiftung, Hans-Wilhelm Heidrich, an die Restaurateure der Werkstatt „Fobes & Schäfer“ aus Köln, „die der Fürstin liebevoll Stück für Stück den alten Glanz wiedergaben“.

Die Stiftung selbst – und nicht etwa das repräsentative und von Fürstin Franziska Christine deutlich umgebaute Schloss Borbeck – bildet den Hintergrund des beeindruckenden Porträts. Heute ist das Barockgebäude eines der ältesten erhaltenen Gebäude in Essen. Aus dem vor bald 250 Jahren eingeweihten Waisenhaus ist ein vielfältiges Haus mit einem breiten Jugendhilfeangebot geworden, das zudem mittlerweile auch Senioren ein geborgenes Zuhause mitten im Herzen von Steele bietet.

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