von Christoph Arens (kna)

Der "Spirit" von Fulda

Die katholischen Bischöfe haben ihre Herbstvollversammlung in Fulda beendet. Seit Montag hatten Ruhrbischof Overbeck und die beiden Essener Weihbischöfe Schepers und Zimmermann mit 63 anderen deutschen Bischöfen unter anderem über Strategien gegen Armut und für die Flüchtlingsintegration beraten.

Treffen am Grab des Apostels der Deutschen

"Das ist der Spirit von Fulda." Am Ende der Herbstvollversammlung der katholischen Bischöfe in der hessischen Stadt schlug Kardinal Reinhard Marx einen Bogen weit zurück ins achte Jahrhundert. Der heilige Bonifatius, der Apostel der Deutschen, an dessen Grab im Fuldaer Dom sich die Bischöfe jährlich versammeln, habe sich als Sachse, Engländer und Römer verstanden, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. "Er war ein Mann, der Zivilisation gebracht hat, ein Europäer, der die Menschen aus der Stammesenge in eine neue Zivilisation geführt hat."

Dem Geist von Fulda stellte der Kardinal die "aufgewühlten Zeiten" von heute entgegen: Die verbreiteten populistischen Strömungen in Deutschland und Europa führten zu einem Klima der Angst und der Abgrenzung, zu Ressentiments gegenüber Fremden und zu neuem Populismus, warnte der Münchner Erzbischof mit Blick auf Wahlerfolge rechter Parteien in Europa sowie der AfD. Marx zeigte sich besorgt: Die Suche nach vermeintlichen Sicherheiten verführe zu einfachen Antworten und einem geistigen Mauerbau - Bonifatius wäre dies ein Graus.

Verstärkte Polizei-Präsenz

Die "aufgewühlten Zeiten" waren für die 66 Kardinäle, Bischöfe und Weihbischöfe auch konkret sichtbar: An den vier Tagen der Herbstvollversammlung war die Polizei deutlich präsenter als in früheren Jahren - was wohl auch dem terroristischen Mordanschlag auf den französischen Priester Jacques Hamel im Juli geschuldet war.

Schutz erhalten sollte wohl auch der chaldäisch-katholische Erzbischof von Erbil, Baschar Warda, der während der Vollversammlung einen dramatischen Hilferuf an die Christen in Deutschland richtete. "Die nächsten Monate entscheiden, ob das seit 2000 Jahren im Irak heimische Christentum dort eine Zukunft hat oder bis auf kleine museale Reste ausgelöscht wird", sagte der Erzbischof aus der Autonomen Region Kurdistan. Warda dankte den deutschen Christen für ihre Hilfe. Sie hätten die Christen im Irak finanziell stärker unterstützt als alle anderen Länder zusammen.

Bistümer geben 80 Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe

Wie hoch das konkrete Engagement der deutschen Katholiken für die Flüchtlingshilfe ist, belegte Marx am Donnerstag mit konkreten Zahlen: Von Januar bis Ende Juli hätten die 27 (Erz-)Bistümer insgesamt mindestens 79,5 Millionen Euro dafür aufgebracht. Dabei flossen rund 52,2 Millionen Euro in Projekte in Deutschland und rund 27,3 Millionen Euro in Maßnahmen in den Krisenregionen. Im gesamten Jahr 2015 hatten die finanziellen Sondermittel insgesamt mindestens 112 Millionen Euro betragen, davon rund 70,8 Millionen Euro im Inland.

Neben finanziellen Mitteln gebe es weitere Hilfen, betonte Marx: "Derzeit haben in mindestens 1381 kirchlichen Gebäuden rund 28.000 Flüchtlinge eine Bleibe gefunden", sagte er. Die Zahl der Hauptamtlichen in der Flüchtlingshilfe wurde von 5100 auf 5900 aufgestockt: Sie bieten etwa Rechtsberatung und Gesundheitsfürsorge für Flüchtlinge oder Fortbildung und psychologische Unterstützung für die 100.000 ehrenamtlichen Helfer.

"Zu einer Sprache zurückzufinden, die sich an den Problemen orientiert"

Der Kardinal appellierte erneut an Politik und Gesellschaft, zu einer Sprache zurückzufinden, die sich an den Problemen orientiere. Untergangsszenarien und Verdächtigungen seien nicht hilfreich. Als "rote Linien" für die Kirche bezeichnete der Münchner Erzbischof, dass jeder Flüchtling, der an die Grenze komme, menschenwürdig behandelt werden und ein faires Verfahren erhalten müsse. Außerdem dürfe niemand in Krieg und Verfolgung zurückgeschickt werden.

Einen ganzen Studientag widmeten die Bischöfe dem Thema Armut - gemäß der Ansage von Papst Franziskus, die Kirche müsse an die Ränder der Gesellschaft gehen. Caritaspräsident Peter Neher und der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki warben dabei für eine stärker an Armutsprävention orientierte Politik und schlossen in diesen Appell auch kirchliche Kindergärten, Schulen und Wohnungsbaugesellschaften mit ein. Auf diese Weise könnten soziale Konflikte entschärft und massive Folgekosten verhindert werden.

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