Das Friedenspotential der Religionen nutzen

Bischof Overbeck wirbt in der Christmette für kontrollierte Verfahren bei der Aufnahme von Flüchtlingen. Die Gesellschaft müsse aber auch andere bedürftige Menschen im Blick behalten, sagte Overbeck in seiner Predigt am Heiligen Abend. Zudem betonte er die gemeinsame verbindende Basis der Religionen.

Bischof wirbt für kontrollierte Verfahren bei der Aufnahme von Flüchtlingen.

Für humane Regelungen beim Nachzug von Flüchtlingsfamilien nach Deutschland spricht sich der Essener Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck in seiner Weihnachtsbotschaft aus. Die Abschottung einer „Festung Europa“ gegenüber den unzähligen Menschen, die heute angstvoll auf Herbergssuche seien, entspreche nicht dem gesellschaftlichen Verständnis der katholischen Kirche Europas, sagte Overbeck am Heiligen Abend während der Christmette im Essener Dom. Neben der Flüchtlingskrise als europäischer Herausforderung dürfe man jedoch auch sozial Schwache, Arbeitslose, Integrations- und Bildungsverlierer nicht aus dem Auge verlieren. In den Religionen sieht der Bischof aufgrund ihrer gemeinsamen Basis des Gottesglaubens enorme Friedenspotentiale. Zugleich warnte er vor den Gefahren, die entstünden, wenn Religion, Politik und Gewalt verquickt würden.

Viele Fluchtursachen beruhten auf Versäumnissen der Politik in der Vergangenheit, kritisierte Overbeck: „Alles hängt mit allem zusammen – die Euro-Krise, der Ukraine-Konflikt, die Energieversorgung, der Klimawandel, die Armutsbekämpfung, die Flüchtlingsströme.“ Ein erstes konkretes Ziel könne sein, das kontrollierte Verfahren der Aufnahme von Flüchtlingen und Asylbewerbern auf rechtlicher Grundlage weiter zu entwickeln. „Es geht um eine soziale Globalisierung, die uns mehr verändert, als uns lieb ist“, sagte Overbeck. „Um unsere Gesellschaft verträglich zu gestalten, braucht es viele Rahmenbedingungen, die zu beachten sind. Dabei stehen wir als Kirche auf der Seite der Flüchtlinge.“

Was für die Kirche gelte, sei auch Aufgabe aller anderen Religionen, „nämlich gerade aus der Kraft religiöser Überzeugungen die Integration aller Menschen voran zu treiben“. Religionen seien keine unveränderliche Größe, sondern weiter und vielfältiger als oft angenommen. Deshalb sei es klug, „um die Gefährdungspotentiale jeder Religion zu wissen, wenn sie ideologisiert wird und somit auch gewalttätig werden kann“. Der Weg jeder Religion zu Gott sei zu achten und wertzuschätzen. Die Religionen stünden gleichsam in einem „friedlichen Wettkampf um den besten Weg zum Heil aller“ und hätten zugleich eine große verbindende gemeinsame Basis, „nämlich den Gottesglauben, auf dessen Grundlage sich gegenseitiges Verstehen entfalten kann und die Integration gefördert wird“. (cs)

Die Predigt von Bischof Overbeck im Wortlaut (pdf)

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