Bischof Overbeck: „Die Familie geht uns alle an“

Mit einem Familiengottesdienst auf dem Burgplatz in Essen wurde am Samstagvormittag das Bistumsfest eröffnet. Die Familie in der Gesellschaft zu stärken, dazu rief Ruhrbischof Overbeck auf. Gleichzeitig mahnte er verlässliche Arbeitsplätze an. Viele Menschen im Ruhrbistum litten unter unsicheren Zukunftsperspektiven sowie Existenzängsten.



Auftakt des Bistumsfestes mit einem Gottesdienst auf dem Burgplatz

Blauer Himmel, Sonnenschein, vorbeiziehende weiße Wolken. Der Himmel lacht, als am Samstagvormittag auf dem Burgplatz in Essen das Bistumsfest mit einem Familiengottesdienst eröffnet wird. Herzlich begrüßt Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck die „großen und kleinen Familienfans“: Väter und Mütter mit ihren Kindern, Alleinerziehende, Großeltern, Freunde, Gäste und die Passanten, die gerade durch die Essener Innenstadt bummeln.

Dass der Familiengottesdienst auf dem Burgplatz gefeiert werde, sei ein Zeichen dafür, „dass wir als Kirche von Essen zu den Menschen gehen und dort sind, wo die Menschen leben“, betont der Bischof in der Predigt. Die Botschaft des Familienfestes unter dem Motto „Bindung macht stark“ sei ganz einfach: „Als Kirche ist uns die Familie wichtig“, so Overbeck. Familie gehe alle an, denn jeder Mensch sei, auf welche Weise auch immer, Teil einer Familie. Er sei ein Sozialwesen und könne ohne Beziehung nicht leben.


Verlässliche Bindungen machen stark

Deshalb richte sich die Familienkampagne des Bistums auch an alle. „Überall, wo Menschen dauerhaft füreinander Verantwortung übernehmen und das Leben miteinander teilen, Eltern, und natürlich auch die vielen Alleinerziehenden, ihre Kinder und Jugendlichen, Freunde oder Nachbarn, überall dort wird viel von unserem Familienideal, das wir als Kirche vertreten, verwirklicht“, hebt der Ruhrbischof hervor. Denn überall werde dort erfahren, dass verlässliche Bindungen stark machen können. Die Familienkampagne zeige, dass das Bistum Essen eine Gemeinschaft sei, die nicht selbstbezogen lebe, „sondern in die Welt geht und die Lebenswirklichkeit der Menschen aufgreift“.

Zu dieser Lebenswirklichkeit zähle auch die besondere Situation der Region, die nicht mehr durch Kohle und Stahl geprägt sei, sondern einen Strukturwandel durchlaufe, der Folgen habe. „Es lässt niemanden von uns kalt, wenn schon seit vielen Jahren immer wieder Standorte großer Firmen die Existenzgrundlage vieler Familien in Frage stellen“, so Bischof Overbeck. Der Mensch brauche eine verlässliche Arbeit. Spontaner Beifall.


Verlässliche Arbeitsplätze und Tarifabschlüsse

Hier nennt er als Beispiel das Opel-Werk in Bochum. Unsichere Zukunftsperspektiven  und Existenzängste quälten viele Menschen. „Wie soll man Familien gründen, sich für das Leben mit eigenen Kindern entscheiden können oder einfach nur das Leben im Alltag bestreiten, wenn einem immer wieder neu der Boden unter den Füßen weggezogen wird und man nicht weiß, wie es dauerhaft verlässlich weitergehen kann?“, fragte der Ruhrbischof. Dies sei nicht gut für den gesellschaftlichen Frieden und für die Kultur des Miteinanders. Wieder kommt Beifall auf. Overbeck spricht von einem „Ungeist“, unter dem das Ruhrgebiet leide, der Arbeitsplätzen die Verlässlichkeit und Familien den Mut nehme. Außerdem mahnt er: „Tarifabschlüsse müssen verlässlich sein und bleiben. Die arbeitenden Menschen dürfen nicht zum Spielball der Interessen Vieler werden.“ Dafür werde er als Bischof laut die Stimme erheben. – Erneut Beifall.


Erziehungsleistung von Familien stärker würdigen

Auch auf die Diskussion um das Betreuungsgeld und den Ausbau von Kindertagesstätten für unter Dreijährige kommt der Ruhrbischof zu sprechen und weist ausdrücklich auf die Bedeutung und Verantwortung der Eltern für die Erziehung ihrer Kinder hin. „Die erste Erziehungsverantwortung liegt bei den Eltern und nicht beim Staat“, mahnt Overbeck. Spontaner Applaus. Es müsse die Erziehungsleistung von Familien stärker gewürdigt und Eltern mehr unterstützt werden.

Die Familienkampagne mache deutlich, dass es um Bindungen innerhalb der Familie und innerhalb der Gesellschaft gehe. „Es geht um die Verlässlichkeit von Bindungen aller am Wirtschaftsleben Beteiligten, von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Es geht um die Bindung zwischen uns als Kirche und allen Menschen“, betont Bischof Overbeck. Wo Christen für solche starken Bindungen tatkräftig einträten, werde der Glaube „handfest“.

Es wird gebetet und gesungen. Die Wiese auf dem Burgplatz füllt sich nach und nach. Immer wieder kommen Passanten die Stufen an der Kettwiger Straße hinunter, mischen sich unter die „Familienfans“. Das Bistumsfest ist eröffnet. (do)


Predigt von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck 

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