Bischof macht Sauerländer Pfarreien Mut im Entwicklungsprozess

Bei einem Besuch in Lüdenscheid sprach Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck mit Katholiken aus dem Kreisdekanat Altena-Lüdenscheid über die aktuellen Entwicklungen im Bistum Essen

Gespräch mit Katholiken im Kreisdekanat Altena-Lüdenscheid

Der aktuelle Pfarreien-Entwicklungsprozess im Bistum Essen wird eine große Herausforderung für alle Pfarreien – und damit vor allem für die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Daran ließ Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck jetzt beim Gespräch mit ehrenamtlich engagierten Katholiken im Kreisdekanat Altena-Lüdenscheid keinen Zweifel. Die Sprecher des Kreiskatholikenrates Stefan Kemper (Altena) und Barbara Vormann (Halver) sowie Kreisdechant Patrick Schnell (Plettenberg) freuten sich, dass Vertreter fast aller Pfarreien in der Region der Einladung ins Haus Elisabeth nach Lüdenscheid gefolgt waren, um im unmittelbaren Gespräch mit dem Bischof ihre Anliegen und Bedenken in Bezug auf die anstehenden Sparmaßnahmen vorzubringen.

Pastorales und wirtschaftliches Konzept

Zu Jahresbeginn hatte das Bistum Essen einen Veränderungsprozess gestartet, damit sich die 43 Pfarreien zwischen Duisburg und dem Märkischen Sauerland in den kommenden drei Jahren inhaltlich und wirtschaftlich auf die Zukunft bis zum Jahr 2030 einstellen. Ziel ist ein pastorales Konzept, das auf der Basis des bistumsweiten Zukunftsbildes formuliert, wie die Kirche in der jeweiligen Pfarrei künftig für die Menschen da ist. Diesem wird ein wirtschaftliches Konzept gegenüber gestellt, das vor allem die Kosten für den Erhalt der vielen kirchlich genutzten Gebäude umfasst. Vor allem angesichts steigender Kosten in diesem Bereich und zu geringer Rücklagen werden die Pfarreien im Ruhrbistum bis zum Jahr 2020 im Durchschnitt 30 Prozent und bis zum Jahr 2030 im Schnitt 50 Prozent der aktuellen Ausgaben einsparen müssen. Dabei lebt der gesamte Prozess der Pfarreien-Entwicklung von der Mitwirkung aller. Anders als bei den Umstrukturierungen vor rund zehn Jahren liegt diesmal ein Großteil der Verantwortung in der jeweiligen Pfarrei.

Neuer Pfarrer in Lüdenscheid

Im Kreisdekanat Altena-Lüdenscheid, so wurde im Gespräch mit Bischof Overbeck deutlich, haben die meisten Pfarreien bereits erste Schritte unternommen und entsprechende Gremien gebildet, die nun die Konzepte erarbeiten. Nur St. Medardus in Lüdenscheid hinkt noch hinterher, was dem Wechsel an der Spitze der Pfarrei geschuldet ist. Am 19. September wird der neue Pfarrer Andreas Rose als Nachfolger von Johannes Broxtermann eingeführt.

Bischof: Jetzt sind einzig die Pfarreien am Zug

Dass die anstehende Umstrukturierung schmerzliche Einschnitte mit sich bringen wird, ist allen Beteiligten klar. Eine Sorge war jedoch, dass die Pfarreien Pläne schmieden, die das Bistum später nicht akzeptieren würden, weil das Generalvikariat möglicherweise schon andere Konzepte in der Tasche habe. Dies sei nicht der Fall, versicherte Overbeck. Jetzt seien einzig die Pfarreien am Zug. Die Einsparungen seien angesichts sinkender Bevölkerungs- und Katholikenzahlen unausweichlich. Im Gegensatz zu anderen Bistümern verfüge Essen nicht über ein großes Kapital. Aber auch, wo es dies gebe, sei „die Seelsorge nicht lebendiger, sind die Gläubigen nicht aktiver“, sagte der Bischof.

Wie bleibt die Kirche interessant und attraktiv?

So drehte sich das angeregte und sehr direkte Gespräch weniger um Zahlen und Geld als vielmehr darum, wie die Pfarreien, Gemeinden und die Katholische Kirche insgesamt für die Menschen interessant und attraktiv bleiben und es auch wieder werden können. Dass sie sich mehr an die Lebenswirklichkeit der Menschen im 21. Jahrhundert anpassen müssen und damit vielleicht auch weniger auf traditionelle Vorstellungen pochen sollten, war ein Aspekt der diskutiert wurde. Ganz praktisch angesprochen wurden die Gottesdienstzeiten oder grundsätzlich die Art, Gottesdienste zu feiern. Das Zukunftsbild, das im Zuge des Dialogprozesses im Bistum entstanden ist, werteten die Ehrenamtlichen als einen positiven ersten Schritt. Overbeck ermunterte die Katholiken in der „Diaspora“ des Sauerlandes, die Ökumene zu pflegen, „weil wir als Christen so wenige werden, dass die anderen sowieso nicht verstehen, was uns trennt. Dass wir an Gott glauben, dass das mit Christus zu tun hat, ist viel wichtiger.

Ehrenamtliche mit Verantwortung nicht überfordern

Kreiskatholikenrats-Mitglied Klaudia Grobel aus Werdohl-Neuenrade rief dazu auf, die Ehrenamtlichen im Veränderungsprozess nicht mit der Verantwortung zu überfordern, insbesondere dann, wenn unpopuläre Entscheidungen durchzusetzen seien. Grobel fürchtete, die Kirche könne dadurch viele Engagierte verlieren. Diesen Faden nahm Overbeck auf und lud die Verantwortlichen der Pfarreien ein, sich dann, wenn diese Last zu groß werde, an das Bistum und auch an ihn selbst zu wenden.

Diözesanrats-Vorsitzende Möllenberg macht Mut

Mut machte den Anwesenden Dorothé Möllenberg, Vorsitzende des Diözesanrates der katholischen Frauen und Männer im Bistum Essen. In ihrer eigenen Pfarrei in Gladbeck sei der Umstrukturierungsprozess bereits in der Umsetzung – von einst sieben Kirchen werden mittelfristig nur noch drei bleiben. Sie sieht diese Veränderungen aber auch als große Chance, etwas Neues zu schaffen. (BG/tr)

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