„Barmherzigkeit ist die soziale Tugend von uns Christen“

Bei der Eröffnung des Heiligen Jahres wirbt Bischof Overbeck für konkrete Taten der Nächstenliebe und verweist auf die in Essen als Goldene Madonna besonders verehrte Gottesmutter Maria als „Heilige Pforte der Barmherzigkeit“.

Goldene Madonna als „Heilige Pforte der Barmherzigkeit“

Mit einem feierlichen Gottesdienst im Essener Dom hat Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck am Dienstagabend für das Bistum Essen das Heilige Jahr der Barmherzigkeit eröffnet. 50 Jahre nach Abschluss des II. Vatikanischen Konzils ermunterte er die Gläubigen, hilfsbedürftige Mitmenschen mit konkreten Taten zu unterstützen. „Barmherzigkeit ist die soziale Tugend von uns Christen“, sagte Overbeck in seiner Predigt. „In unserer Zuwendung liegt die Verheißung einer Veränderung“. Diese Veränderung beginne „mit einem aufrichtigen Blick und mit dem Willen zu einer konkreten Tat“, so der Bischof. „Wo wir es in der Nachfolge Jesu ihm gleich tun, nämlich zuerst mit einem freundlichen, wachsamen Blick und einem aufmerksamen Ohr dem Verzweifelten zu begegnen und dann mit starken Händen Schwachen aufzuhelfen, leisten wir einen Beitrag konkreter Barmherzigkeit“, so Overbeck.

Kein falsches Mitleid

Dabei habe Barmherzigkeit nichts mit falschem Mitleid zu tun, sondern sei „die unersetzbare, spontane und freiwillige Hilfsbereitschaft in unzähligen Fällen des Lebens“. So sei die vielfältige Hilfe für Flüchtlinge durch Christen „selbstverständlich ein Ausweis unseres Glaubens an den Gott, der barmherzig ist“. Diese Form der Hilfe sei aber auch ein Beispiel dafür, dass Barmherzigkeit nicht nur in eine Richtung funktioniere. Die Hilfe der vielen Ehrenamtlichen, die Deutschunterricht erteilten oder Flüchtlingen auf andere Weise unterstützen, sei „ein Zeichen von Zuwendung, die auch die verändert, die helfen“, betonte der Bischof. Dabei sei auch das konkrete Gebet ein Zeichen der Barmherzigkeit: „Wo starke Hände Schwachen helfen und beten, also ihren kleinen Beitrag der Barmherzigkeit leisten, da geschehen große Dinge“, fasste Overbeck zusammen.

„Maria ist die Tür zur Barmherzigkeit“

Eine wichtige Rolle spiele in diesem Zusammenhang Maria, sagte Overbeck am Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter. „Maria ist die Tür zur Barmherzigkeit, die Tür zum Leben, das aus der Zuwendung zu Notleidenden lebt und darin die Verheißung auf Veränderung, auf Bekehrung und Umkehr erfährt“, betonte der Bischof mit Blick auf die Eröffnung des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit. Anders als in Rom werde in Essen wegen der besonderen baulichen Verhältnisse des Doms keine eigene Heilige Pforte eröffnet. Doch „in der Goldenen Madonna, der Mutter vom guten Rat, unserer Bistumspatronin, ist die Heilige Pforte der Barmherzigkeit unter uns – seit über tausend Jahren!“, betonte der Bischof.

Als Zeichen der besonderen Verehrung der Gottesmutter zog Overbeck am Ende des Gottesdienstes gemeinsam mit den Mitgliedern des Domkapitels vor die Kapelle der Goldenen Madonna und betete mit der Gemeinde das Gebet zum Jahr der Barmherzigkeit. Dieses Gebet des Essener Pastors Dr. Marius Linnenborn ist in den besonderen Gebetszetteln abgedruckt, die in allen Gemeinden des Bistums Essen verteilt werden.

Die besondere Verbundenheit der Katholiken im Ruhrbistum mit der Gottesmutter wird auch durch das weitere Programm im Heiligen Jahr deutlich, das neben einer großen Bistumswallfahrt nach Rom unter anderem zwei Wallfahrten zu den Marienbildern in Bochum-Stiepel und Oberhausen-Sterkrade umfasst. Für Gottesdienste zum Heiligen Jahr hat die Liturgische Kommission des Bistums Essen zudem eine eigene Broschüre mit hilfreichen Tipps und Hintergrund-Informationen erstellt. (tr)

Die Predigt von Bischof Overbeck im Wortlaut (pdf)

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