Wertvolle Handschriften und Textilfragmente

Die Handschriften der Ausstellung "Musica enchiriadis. Ältestes Zeugnis der Mehrstimmigkeit im christlichen Abendland" sind wieder nach Düsseldorf und Bamberg zurückgekehrt. Wertvolle Handschriften und Textilfragmente aus der eigenen Sammlung zeigt die Essener Domschatzkammer ab 1. Juli 2010.

Neue Präsentation im Handschriftenraum der Domschatzkammer

Die Handschriften der Ausstellung "Musica enchiriadis. Ältestes Zeugnis der Mehrstimmigkeit im christlichen Abendland" sind wieder nach Düsseldorf und Bamberg zurück gebracht worden. Die viel beachtete Sonderausstellung der Domschatzkammer im Rahmen der Kulturhauptstadt Ruhr.2010  ging am 20. Juni zu Ende. Bis nach Bayern reichte das Presseecho. Mit der Präsentation des Düsseldorfer Fragments aus dem 9. Jahrhundert in der Domschatzkammer war ein musikgeschichtlich einzigartiges Dokument für einige Monate wieder nahe an seinen Entstehungsort in Essen-Werden zurückgekehrt. Mit dem hier erstmals greifbaren Notieren von musikalischen Schriftzeichen war Mehrstimmigkeit erst möglich geworden.

Nun sind in den Handschriftenraum der Domschatzkammer wieder Objekte aus dem Schatz selbst eingezogen. Gezeigt werden drei Fragmente eines liturgischen Gewandes aus dem angehenden 16. Jahrhundert, die in einer qualitativ hochstehenden Stickerei Szenen aus der Kindheit von Maria und Jesus zeigen. Auf dem ersten Fragment sieht man den Tempelgang der kleinen Maria, auf dem zweiten die Darstellung Jesu im Tempel und auf dem dritten seine Beschneidung. Trotz der geringen Größe der Stücke - sie sind im Durchschnitt nur 15 x 30 cm groß - sind die Szenen aufgrund der hohen handwerklichen Qualität sehr gut zu erkennen.

Neben dem Liber Ordinarius, dem Regelbuch der Kanoniker des Frauenstiftes aus dem 14. Jahrhundert, werden auch das Theophanu-Evangeliar und das Verbrüderungsbuch des Dekanates Wattenscheid präsentiert.

Das Evangelienbuch der Äbtissin Theophanu, Enkelin Kaiser Ottos II., wurde um 1050 geschaffen und ist wohl die bekannteste und prächtigste Handschrift des Essener Domschatzes. Die aus 140 Blättern bestehende Pergamenthandschrift ist mit farbigen Zierseiten und Initialen geschmückt, die jeweils zu Beginn eines der vier Evangelien eingefügt sind. Der Schreiber benutzte die zu dieser Zeit übliche sog. 'karolingische Minuskel'. Sie ist mit ihren gleichmäßigen, runden Buchstaben auch heute noch sehr
gut lesbar. Bis zum 18. Jahrhundert war das Evangeliar in einen prächtigen goldenen Zier-Buchdeckel eingebunden, wurde dann aber zerlegt. Der goldene Buchdeckel der Theophanu befindet sich aber noch im Besitz des Domschatzes und ist im Ausstellungsraum im Untergeschoss zu bewundern.

Soziales Netzwerk durch "Verbrüderungsbuch"

Das Verbrüderungsbuch des Dekanates Wattenscheid aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts zeigt auf, dass die Pflege sozialer Netzwerke keine Erfindung der Gegenwart ist. Während es aber heute bei Face Book und Xing darum geht, private und geschäftliche Kontakte zu knüpfen, waren die Bruderschaften des Mittelalters Gemeinschaften, in denen  das  gemeinsame Gebetsgedächtnis und die Feier des Gottesdienstes im Mittelpunkt standen. Das ausgestellte Verbrüderungsbuch ist Zeugnis einer solchen Bruderschaft. Denn das Dekanat Essen hatte sich der Marienbruderschaft des Dekanates Wattenscheid angeschlossen und seine Statuten übernommen. In der Essener Marienbruderschaft waren, wie die Mitgliederlisten zeigen, drei verschiedene Stände vertreten: Geistliche, Adlige und Sonstige, d.h. Bauern und Bürger. Die gegenseitige Sorge um das Seelenheil im Gebet mit- und füreinander einte die Mitglieder über alle Standesgrenzen hinweg.

Der Handschriftenraum der Domschatzkammer ist einer der beiden mittelalterlichen Schatzräume des Frauenstiftes, liegt unmittelbar an der Außenwand der Kirche. Die beschriebenen Objekte sind ab dem 1. Juli zu den gewohnten Öffnungszeiten der Schatzkammer zu sehen: im Kulturhauptstadtjahr täglich - auch montags - von 10.00 bis 17.00 Uhr, sonntags von 11.30 bis 17.00 Uhr. (gedo/do)

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