von Volker Meißner

Ökumenisches Miteinander als Friedenszeichen

Syrisch-orthodoxe Gemeinde in Essen-Steele-Horst feiert 25-jähriges Bestehen mit Bischof Overbeck

Brustkreuz als Geschenk

Zum 25-jährigen Bestehen der syrisch-orthodoxen Gemeinde in Essen war Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck am Sonntag bei den aramäischen Christen in der St. Joseph-Kirche in Essen-Steele-Horst zu Gast. Im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes, der vom syrisch-orthodoxen Erzbischof Philoxenus Mattias Nays geleitet wurde, würdigte Overbeck das gute Miteinander der christlichen Konfessionen als ein Zeichen des Friedens. In der vollbesetzten Kirche erinnerte der Bischof an das von Papst Franziskus ausgerufene Jahr der Barmherzigkeit. „Barmherzig sein bedeutet ein weites Herz für alle Menschen zu haben“, so Overbeck. Angesichts der unheilvollen Spaltungen und Trennungen unserer Tage erwachse daraus ein Auftrag für alle Christen, zum Frieden und zur Versöhnung beizutragen.

Solidarität mit den leidenden Christen im Nahen Osten

Als besonderen Ausdruck der Verbundenheit überreichte Erzbischof Nays seinem Essener Amtsbruder ein orthodoxes Brustkreuz. Overbeck deutete dieses Geschenk als Zeichen der Solidarität mit den leidenden Christen im Nahen Osten. „Wenn wir Bischöfe ein Kreuz tragen, dann tun wir dies, um an die Kreuze zu erinnern, die die Menschen zu tragen haben. Mich wird dieses Kreuz insbesondere an die Leiden der Christen im Nahen Osten erinnern, die wir in unser Beten einschließen.“

Höchste Anerkennung von Seiten der Stadt

Als Vertreter der Stadt Essen bedankte sich Bürgermeister Rudolf Jelinek für den positiven Beitrag, den die syrisch-orthodoxe Gemeinde zum Zusammenleben der Menschen leistet. Als finanziell arme Stadt habe Essen einen großen Reichtum an Menschen, die sich füreinander und die Stadtgesellschaft einsetzen. In diesem Sinne sprach der Bürgermeister der syrisch-orthodoxen Gemeinde und dem vorbildlichen Miteinander der Konfessionen in Steele seine „höchste Anerkennung“ aus.

Dank für die Gastfreundschaft

Zusammen mit Samuel Gümüs, dem Pfarrer der syrisch-orthodoxen Gemeinde, bedankte sich Erzbischof Nays für die großzügige Gastfreundschaft, die es ihnen erlaubt, seit 25 Jahren ihren monatlichen Gottesdienst in der katholischen Kirche zu feiern und den Gemeindesaal für die anschließenden Treffen zu nutzen. Dass die Kontakte zwischen den Katholiken und Orthodoxen in Steele-Horst ausgesprochen gut sind, wurde nicht nur durch die Teilnahme der Pastöre Ludger Molitor und Norbert Klobusch sowie zahlreicher Gemeindemitglieder aus St. Joseph und St. Antonius unterstrichen. Selbstverständlich ist inzwischen die Beteiligung der Syrisch-Orthodoxen an der katholischen Fronleichnamsprozession und am Gemeindefest sowie an Aktivitäten der Jugend. Dass Gastfreundschaft keine Einbahnstraße ist, belegte auch das Festessen, zu dem die syrisch-orthodoxe Gemeinde nach dem Gottesdienst in den festlich geschmückten Gemeindesaal eingeladen hatte. Bis in den Abend nutzen viele Katholiken und Orthodoxe die Gelegenheit zur Begegnung und zum Gespräch an den Tischen.

Stichwort:

Die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien gehört zu den altorientalischen christlichen Kirchen und führt ihre Entstehung auf einige der ersten Christen zurück, die nach dem Martyrium des Stephanus aus Jerusalem nach Antiochien flohen. Damals war Antiochen, das heutige Antakya im Süden der Türkei, die Hauptstadt der römischen Provinz Syrien und nach Rom und Alexandria die drittgrößte Stadt im römischen Reich.

Die Bezeichnung „syrisch“ weist nicht auf das Gebiet des heutigen Syrien hin sondern auf die syrische Sprache, eine Weiterentwicklung des Aramäischen, der Sprache Jesu. Die syrisch-orthodoxen Christen verstehen sich daher auch als „aramäische“ Christen und verwenden bis heute Aramäisch als Liturgiesprache. Die syrisch-orthodoxe Kirche breitete sich vor allem im Gebiet der heutigen Türkei, dem Irak aber auch in Syrien, im Libanon und in Palästina aus. Unter den Opfern des Völkermords im Jahre 1915 im Südosten der heutigen Türkei waren neben den Armeniern auch tausende von aramäischen Christen.

Die meisten syrisch-orthodoxen Christen in Deutschland stammen aus dem Südosten der Türkei und sind von dort in den 1980er Jahren während der Auseinandersetzungen zwischen Türken und Kurden geflohen. Vereinzelt kommen auch mit dem aktuellen Flüchtlingsstrom aramäische Christen aus Syrien und dem Irak nach Deutschland. Nach eigenen Angaben zählen rund 100.000 Gläubige zum Syrisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland. Sie bilden ein Erzbistum mit 63 Gemeinden, an dessen Spitze Erzbischof Philoxenus Mattias Nays steht. Gottesdienste finden in Herne und in Essen-Steele-Horst statt.

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