Pfarreientwicklungsprozess

Nach der Neuordnung der Pfarreien im Bistum Essen zwischen 2006 und 2008 wurde erkennbar, dass weitere Entwicklungsschritte notwendig sein würden. Angesichts sinkender Mitgliederzahlen aufgrund der demografischen Entwicklung, aber auch aufgrund einer schwächeren Kirchenbindung und damit geringerer finanzieller Möglichkeiten forderte der Bischof die Pfarreien auf, sich mit ihrem Stadtteil und ihrer Kirchenregion auseinanderzusetzen und zu planen, wie eine lebendige Kirche in den Jahren 2020 bis 2030 aussehen könne.

Orientiert an der Vision des Zukunftsbilds, hat jede Pfarrei im Bistum Essen in den Jahren 2015 bis 2017 im Sinne des Dreischrittes „Sehen – Urteilen – Handeln“ die eigene Situation beurteilt, ihre wirtschaftlichen Rahmenbedingungen kritisch bewertet und künftige pastorale Leitlinien entwickelt. „Was ist unsere Aufgabe? Wie wollen wir Kirche vor Ort sein?“ waren dazu die leitenden Fragen. An diesem Prozess wurden möglichst viele Menschen und Gremien aus der Pfarrei beteiligt, gesteuert wurde er jeweils von einer koordinierenden Arbeitsgruppe. Die Beteiligung junger Menschen und die ökumenische Zusammenarbeit mit anderen christlichen Gemeinden haben im Pfarreientwicklungsprozess hohe Relevanz.

Die Phase der Umsetzung hat begonnen:

Nachdem alle Pfarreien Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck ihr Votum zu Prüfung vorgelegt haben, sind diese nun alle durch Overbeck bestätigt worden. Damit beginnt in den Pfarreien nun die Phase der Umsetzung. Die in den Voten vereinbarten Entwicklungen werden nun Schritt für Schritt angegangen. Mit Personal, Fachwissen und technischen Lösungen wird das Bistum Essen auch in den kommenden Jahren seine Pfarreien in den laufenden Veränderungsprozessen unterstützen.

Eine konkrete Unterstützung bietet die Projektleinwand.

Die PEP-Projektleinwand kann in gedruckter Form (DIN A0-Format) in der Koordinierungsstelle bestellt werden.



Häufig gestellte Fragen und Antworten zum Pfarreientwicklungsprozess

Im Pfarreientwicklungsprozess sind die Pfarreien im Bistum Essen aufgefordert, ihre Angebote und Strukturen an sich weiter verändernde gesellschaftliche und kirchliche Rahmenbedingungen anzupassen. Der Bischof hat die Pfarreien aufgefordert, sehr grundsätzlich und zielorientiert vor Ort darüber zu diskutieren, wie in ihrem Stadtteil oder ihrer Region die Kirche in den Jahren 2020 bis 2030 aussehen soll. Dabei geht es um eine lokale Kirchenentwicklung, die angesichts der Entwicklung der Zahl der Kirchenmitglieder und geringerer finanzieller Möglichkeiten nach Chancen für neue Formen des kirchlichen Zusammenlebens in den Gemeinden und Pfarreien unseres Bistums sucht.

Nach der Neuordnung der Pfarreien im Bistum Essen in den Jahren 2006 bis 2008 hat sich in vielfacher Weise nicht die erhoffte Konsolidierung in der kirchlichen Entwicklung eingestellt. Durch die demografischen Veränderungen im Ruhrgebiet, aber auch durch eine schwächer gewordene Bindung vieler Katholiken an ihre Kirche sind die Mitgliederzahlen weiter gesunken – und damit die Kirchensteuereinnahmen. Diese Entwicklungen und viele pastorale Herausforderungen bringen erneut die Fragen auf die Tagesordnung: Wie können wir in den kommenden Jahrzehnten eine lebendige Kirche sein? Wie geben wir in veränderten Zeiten Zeugnis von unserem Glauben?

Im Zeitraum von 2015 bis 2018 folgten die Pfarreiprozesse dem Dreischritt „sehen – urteilen – handeln“. Nach dem Start des Prozesses in jeder Pfarrei unter der Überschrift „sehen“, also der Klärung von Themen und Zeitplänen, der Bildung von Arbeitsgruppen etc. in den Jahren 2015 und 2016, stand bis 2017 die Arbeit an einem „Votum“ an. Dabei ging es unter der Überschrift „urteilen“ darum, die verschiedenen Informationen und Einschätzungen zur Entwicklung der Pfarrei zu bewerten und daraus ein integriertes pastorales und wirtschaftliches Konzept für die künftige Gestalt der Pfarrei zu entwickeln. Schließlich wurde dieses Votum 2017/2018 dem Bischof vorgelegt und wird nun anschließend umgesetzt („handeln“). Ziel ist eine lokale Zukunftsvision, die den pastoralen Leitideen und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Erfordernissen der jeweiligen Pfarrei entspricht. Aus der Antwort auf die Grundsatzfrage „Was ist unsere Aufgabe, unsere Mission als Christen in der Gesellschaft?“ ergibt sich die konkrete Überlegung: „Wie wollen wir Kirche vor Ort sein?“.

Die Pfarreiprozesse werden nicht im „Hinterzimmer“ ausgehandelt. Vielmehr sollen möglichst viele Menschen an den Überlegungen zur künftigen Gestalt der Kirche in ihrem Ort oder Stadtteil beteiligt werden. In jeder Pfarrei steuert eine „Koordinierende Arbeitsgruppe“ den Prozess. Ihr gehören neben dem Pfarrer und der Verwaltungsleitung, Vertreter(innen) aus dem Pfarrgemeinderat, dem Kirchenvorstand und der Pastoralkonferenz an. Hinzu kommen ggf. Vertreter(innen) muttersprachlicher Gemeinden, der Jugend sowie zwei Begleiter(innen) aus dem Bischöflichen Generalvikariat: jeweils für pastorale und für wirtschaftliche Fragen.

Die Koordinierende Arbeitsgruppe beauftragt weitere Arbeitsgruppen, die sich mit einzelnen Themen des Pfarreiprozesses beschäftigen: z. B. den Orten und Stadtteilen der Pfarrei, Statistik, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, Ehrenamt, Vernetzung mit Partnern, Jugend oder Ökumene. Hier können alle Gemeindemitglieder mitarbeiten und ihre Ideen einbringen. Die Koordinierende Arbeitsgruppe erstellt schließlich das Votum, das gemeinsam vom Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand beschlossen wird.

Das Zukunftsbild ist das Ergebnis des bistumsweiten Dialogprozesses und beschreibt seit 2013 in sieben zentralen Worten eine Vision für die Kirche im Bistum Essen. Die Kirche will berührt, wach, vielfältig, lernend, gesendet, wirksam und nah sein. In den Pfarreiprozessen geht es darum, diese Vision vor Ort in pastorale Leitperspektiven umzusetzen und konkret werden zu lassen. Die Pfarreiprozesse haben mit dem Zukunftsbild eine gemeinsame, konkrete und verbindliche Basis.

Bis zum Ende des Jahres 2017 hat die Koordinierende Arbeitsgruppe ein Votum mit dem Ergebnis der Beratungen aus ihrem Pfarreiprozess erstellt. Dieses Votum ist ein in der Pfarrei abgestimmtes Konzept. Zielhorizont der Planung ist das Jahr 2030; das Votum beschreibt auch Übergänge in der Entwicklung bis dahin. Es besteht aus einem pastoralen und einem wirtschaftlichen Konzept. Das pastorale Konzept ist die Leitperspektive für das wirtschaftliche Konzept. Ein Beispiel: Wenn sich eine Pfarrei künftig besonders den Zukunftsbild-Kriterien nah (Präsenz der Kirche im Ort oder Stadtteil) und wirksam (diakonisches Engagement der Pfarrei) verpflichtet, müssen diese beiden Leitperspektiven auch bis ins wirtschaftliche Konzept erkennbar sein.

Zentrales wirtschaftliches Ziel jedes Pfarreiprozesses ist es, einen ausgeglichen Haushalt für die Pfarrei zu erreichen. Deshalb muss die Pfarrei in ihrem Votum darstellen, dass die pastoralen Ziele nachhaltig finanzierbar sind und dass die stetige Erfüllung der Aufgaben der Pfarrei und ihre Zahlungsfähigkeit gesichert sind. Die Zuweisungen des Bistums an die Pfarreien bleiben nach derzeitiger Finanzplanung bis zum Jahr 2030 nominal konstant, also unverändert. Mit Blick auf den Zeithorizont 2030 führen jedoch die allgemeinen Kostensteigerungen (Energiekosten, Personalkosten etc.) und die Vorsorge für den Erhalt von Kirchen und anderer Gebäude zu defizitären Haushalten. Im Durchschnitt müssen die Pfarreien im Bistum Essen aufgrund dieser Prämissen im Vergleich zum Jahr 2013 bis 2020 knapp ein Drittel ihrer Ausgaben einsparen, bis 2030 rund die Hälfte.

Die ökumenische Perspektive hat in den Pfarreiprozessen eine hohe Relevanz. Schließlich ändern sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für alle christlichen Kirchen, vielfach stehen evangelische Gemeinden vor denselben pastoralen und wirtschaftlichen Herausforderungen wie ihre katholischen Mitchristen. Die Pfarreientwicklungsprozesse bieten die Chance für eine intensive ökumenische Zusammenarbeit und die Entwicklung neuer gemeinsamer Perspektiven: An manchen Orten können etwa kirchliche Gebäude gemeinsam genutzt werden. In einigen pastoralen Arbeitsfeldern ist auch eine stärkere Zusammenarbeit der Gemeinden denkbar (z. B. im Rahmen der „ökumenischen Gemeindepatenschaften“). Eine gute Abstimmung zwischen der evangelischen und der katholischen Kirche kann vor Ort helfen, in den Stadtteilen oder Ortschaften die Präsenz der Kirchen zu erhalten.

Die Pfarreientwicklungsprozesse im Bistum Essen haben auch eine grundlegend geistliche Dimension: es geht eben nicht nur um eine organisatorisch-strukturelle Anpassung. Grundlage für eine Weiterentwicklung der Pfarreien ist daher auch die Besinnung auf die geistlichen Quellen und auf den Sendungsauftrag der Christen. Um diese Dimension des Prozesses zu stärken, haben die Pfarreien die Möglichkeit, sich auch geistlich begleiten zu lassen. Die geistlichen Begleiter(innen) werden vom Exerzitienreferat des Bistums Essen vermittelt.

Exerzitienreferat

Kardinal-Hengsbach-Haus

Dahler Höhe 29
45239 Essen

Junge Frauen und Männer von heute sind es, die im Zeithorizont der Pfarreiprozesse zukünftig die Kirche leben, gestalten und den Glauben weitergeben werden. Deshalb waren alle Pfarreien aufgefordert, gerade junge Menschen in die Diskussionen der Pfarreiprozesse und die Erarbeitung der Voten einzubeziehen. Dies kann mit Unterstützung der Jugendbeauftragten über Ideenwerkstätten oder Zukunftstage geschehen, die sich gezielt an junge Menschen richten. Eine weitere Möglichkeit, Jugendliche und junge Erwachsene zu beteiligen, ist die Kampagne „U28 – Die Zukunft lacht“, die der Bund der Katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum Essen entwickelt hat.

BDKJ-Diözesanverband

Alfredistr. 31
45127 Essen

Nach dem Beschluss des Votums durch Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand wird es an den Bischof weitergeleitet. Dieser berät sich mit den im Prozess beteiligten Abteilungen und Dezernaten im Bischöflichen Generalvikariat und bestätigt das Votum anschließend. Ab 2018 startet dann in den Pfarreien die Phase der Umsetzung des Votums („handeln“).

Der Bischof sieht in den aktuellen Pfarreiprozessen eine hohe Verantwortung der Christen vor Ort, der Haupt- und Ehrenamtlichen, für die Gestaltung ihrer künftigen Struktur. Jedes Votum ist somit nicht nur ein beratender Beitrag, sondern Grundlage für eine gemeinsame Entscheidung. Die Ablehnung eines gut begründeten Votums ist daher grundsätzlich nicht vorgesehen; sollte der Bischof Rückfragen zu dem durch die Pfarrei vorgelegten Votum haben, werden gemeinsame Beratungen geführt.

Die Koordinierungsstelle Pfarreiprozesse im Bischöflichen Generalvikariat ist die zentrale Servicestelle für alle Fragen rund um die Pfarreiprozesse. Sie hält für die Pfarreien alle nötigen Informationen bereit, sucht und vermittelt bei Bedarf weitere Fachleute, initiiert stadt- und kreisweite Vernetzungstreffen, begleitet und berät die pastoralen und wirtschaftlichen Begleiter(innen) der Pfarreien.

Koordinierungsstelle

Zur Unterstützung des Prozesses wurde im Bischöflichen Generalvikariat eine Koordinierungsstelle eingerichtet, die als zentrale Anlaufstelle für alle Fragen im Kontext der Pfarreiprozesse dient.

Hier werden die notwendigen Informationen vorgehalten und die passenden Ansprechpartnerinnen bzw. -partner gesucht und vermittelt. Die Prozessbegleitungsteams werden durch die Koordinierungsstelle ausgesucht, vernetzt, begleitet und fachlich beraten.

Weitere Aufgaben der Koordinierungsstelle sind es, die Vernetzungstreffen im pfarreiübergreifenden Rahmen auf Stadt- oder Kreisebene zu initiieren und eine Begleitung zu ermöglichen.

In regelmäßigen Abständen informiert die Koordinierungsstelle Pfarreientwicklungsprozesse über den aktuellen Stand in Sachen PEP mit einem Newsletter. Wenn Sie den Newsletter beziehen wollen, schreiben Sie bitte eine Mail an: koordinierungsstelle-pfarreiprozesse@bistum-essen.de

Newsletter-Archiv

Kick-off-Veranstaltung zur Umsetzungsphase des Pfarreientwicklungsprozess

Bistum unterstützt Pfarreien mit Fachleuten und Technik
Mit Personal, Fachwissen und technischen Lösungen wird das Bistum Essen auch in den kommenden Jahren seine Pfarreien in den laufenden Veränderungsprozessen unterstützen.

Mehr Informationen zur Kick-Off-Veranstaltung

PEP: „Jetzt beginnt der Endspurt“

Bis Ende des Jahres legen die Pfarreien im Bistum Essen Konzepte vor, wie sie in Zukunft das kirchliche Leben vor Ort gestalten wollen. Eine Zwischenbilanz der Pfarreientwicklungsprozesse (PEP) mit Hauptabteilungsleiter Markus Potthoff.

Zum Interview

PEP: Wie wird ein Votum geprüft?

Rolf Preiss-Kirtz, Leiter der Koordinierungsstelle, erklärt, was mit den Voten im Pfarreientwicklungsprozess passiert, nachdem sie im Generalvikariat abgegeben worden sind.

Zum Interview

PEP: Bischof Overbeck informiert Städte und Kreise über den Pfarreientwicklungsprozess

Oberbürgermeister, Landräte und weitere Vertreter der kommunalen Verwaltungsspitzen zeigten hohes Interesse und Verständnis für die Entwicklungsprozesse der Kirche.

Zum Bericht

Ansprechpartner

Leiter der Koordinierungsstelle für Pfarreiprozesse

Rolf Preiss-Kirtz

Zwölfling 14
45127 Essen

Assistenz — Koordinierungsstelle für Pfarreiprozesse

Hendrik Ruße

Zwölfling 14
45127 Essen

Referent für projektbezogene Aufgaben

Martin Schirmers

Zwölfing 14
45127 Essen