Rerum novarum

Lat. »von den neuen Dingen«.Name der am 15. Mai 1891 von Papst Leo XIII. veröffentlichten, richtungweisenden Enzyklika, die als »Mutter aller Sozialenzykliken« gilt und diesen Papst als den »Arbeiterpapst« in die Geschichte eingehen ließ. Leo XIII. verfasste insges. 86 Enzykliken. In den »neuen Dingen«, den neuen Verhältnissen und Entwicklungen oder – wie es in der dt. Übersetzung von »Rerum novarum« heißt – in dem »Geist der Neuerung« erkannte er eine ideologische Gefahr für Gesellschaft und Staat. Deshalb suchte er einen unabhängigen Weg jenseits von Liberalismus und Sozialismus aufzuzeigen. Vor allem verwarf er die sozialistische Eigentumslehre. Dennoch wird die Mitwirkung des Staates an der Lösung der sozialen Probleme für notwendig gehalten. Diese »Magna Charta« für die sozialen Probleme ist die Basis der Katholischen Soziallehre. Im ersten Teil der Enzyklika spricht sich der Papst gegen die sozialistische Theorie der damaligen Zeit als Lösung aller gesellschaftlichen Missstände aus. Im zweiten  Hauptteil nimmt er zur Lösung der Arbeiterfrage Stellung. Bei den Aufgaben des Staates spricht sich der Papst für eine staatliche Sozialpolitik und damit gegen den Liberalismus aus. Aus dem Scheitern des »freie[n] Spiel[s] der Kräfte« (Adam Smith) zieht Papst Leo XIII. die Konsequenz, dass der Staat durch Einzelpflichten wie eine dem Gemeinwohl entsprechende Gesetzgebung, Schutz des Privateigentums, Unterbindung von Streik, Schutz der Menschenwürde und Sonntagsruhe, Überwachung der Arbeitsverhältnisse– bes. für Frauen und Kinder–, Lohngerechtigkeit, Schutz des Geistes der Arbeiter und Förderung von Frieden und Ordnung, seiner Funktion, »das Gemeinwohl zu hüten und zu fördern«, gerecht werden muss, ohne dabei jedoch den Ursprung in Gott und die Handlungsfreiheit des Einzelnen zu missachten. In der Folge erschienen weitere Sozialenzykliken. So veröffentlichte Papst Pius XI. im Jahr 1931, am vierzigsten Jahrestag von »Rerum novarum«, seine Enzyklika »Quadragesimo anno«, im Jahr 1961 folgte Papst Johannes XIII. mit »Mater et magistra«; den hundertsten Jahrestag 1991 nahm Papst Johannes Paul II. zum Anlass, seine Enzyklika »Centesimus annus« zu veröffentlichen.