Augustiner-Chorherren und -Chorfrauen
Begriffserklärung und Herkunft
Die Augustiner-Chorherren (Canonici Regulares Sancti Augustini) und Augustiner-Chorfrauen sind klerikale Ordensgemeinschaften, die nach der Regel des heiligen Augustinus von Hippo leben. Die Bezeichnung Chorherren (lat. Canonici für „Maßstab“, „Regel“) verweist auf ihren Hauptzweck: das gemeinschaftliche Chorgebet – das Stundengebet – in einer Kathedral- oder Stiftskirche. Die historische Entwicklung dieser Lebensform beginnt im 11. Jahrhundert, als sich viele Weltkleriker, die an Stiftskirchen lebten, einer gemeinschaftlichen Lebensweise und der Augustinusregel verpflichteten, um dem Ideal des apostolischen Lebens näherzukommen. Im Gegensatz zu den Mönchsorden liegt ihr Fokus nicht nur auf der Kontemplation, sondern auch auf der Seelsorge und dem Dienst in der Welt.
Verankerung im Bistum Essen
Das Bistum Essen, gegründet 1958, ist ein vergleichsweise junges Bistum, dessen Wurzeln tief in der rheinisch-westfälischen Kirchengeschichte liegen. Obwohl es keine historisch bedeutenden Augustiner-Chorherren-Stifte wie die in anderen Regionen gibt, sind die Regularkanoniker und die von der augustinischen Spiritualität beeinflussten Frauenkonvente in der regionalen Spiritualität und Seelsorge präsent. Die Rezeption augustinischer Theologie, die die Gnade und das gemeinschaftliche Leben betont, beeinflusste traditionell die Klerusausbildung und die geistliche Literatur im Ruhrgebiet. Konkrete Niederlassungen von Augustiner-Chorherren existieren im Bistum Essen derzeit nicht, jedoch sind im Bereich der Krankenpflege und Bildung augustinisch inspirierte Schwesternkongregationen tätig, die die Tradition fortführen.
Rolle in der Liturgie
Die Rolle der Augustiner-Chorherren und -Chorfrauen in der Liturgie ist primär die feierliche und regelmäßige Verrichtung des Chorgebets (Stundengebet), oft ergänzt durch die feierliche Zelebration der Eucharistie. Sie pflegen eine besonders würdevolle und strukturierte Liturgie. In der Vesper, Matutin und Laudes wird die gottesdienstliche Einheit des Klerus und der Laien sichtbar. Die augustinische Regel selbst schreibt keine spezifische Liturgie vor, sondern regelt das Wie des gemeinsamen Lebens, was die feierliche Ausgestaltung der Ordo Missae (Messe) und des Offiziums einschließt.
Spirituelle Dimension und Symbolik
Die zentrale spirituelle Dimension ist das gemeinschaftliche Leben in Einheit und Liebe, nach dem Ideal der Jerusalemer Urgemeinde, wie es Augustinus in seiner Regel formuliert: „Vor allem aber sollt ihr einmütig beieinander wohnen und ein Herz und eine Seele sein in Gott.“ Die Symbolik liegt in der Verbindung von klerikalem Amt (Priestertum) und Ordensleben (Gelübde). Sie symbolisieren das Ideal der apostolischen Vita, bei der Besitzlosigkeit und Gehorsam das Amt des Pfarrers oder Seelsorgers unterstützen. Die Kontemplation und die Caritas (Nächstenliebe) gelten als die zwei Säulen ihrer Spiritualität.
Kernaspekte im Überblick
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Name und Ursprung: Regularkanoniker/innen; Gründungsgeist im 11. Jh.; leben nach der Regel des hl. Augustinus.
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Funktion und Zweck: Chorgebet (Stundengebet) und Seelsorge.
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Bedeutung im Bistum Essen: Indirekte Präsenz durch augustinisch inspirierte Kongregationen in Bildung und Caritas [F]; Einfluss auf die regionale Klerus- und Laienspiritualität.
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Liturgische Präsenz: Feierliche Gestaltung des Chorgebets und der Eucharistie.
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Brauchtum und kulturelle Besonderheiten: Betonung der Vita Communis und des Studiums der Schriften.