Der Advent

Begriffserklärung und Herkunft

Der Advent (lateinisch: Adventus – „Ankunft“) ist die liturgische Zeit der geistlichen Vorbereitung auf das Hochfest der Geburt Jesu Christi. Der Begriff stammt vom lateinischen adventus Domini („Ankunft des Herrn“) und wurde ursprünglich von den Christen zur Bezeichnung der Ankunft Christi in der Menschwerdung  sowie seiner Wiederkunft am Ende der Zeiten (Parusie) verwendet.

Historisch entwickelte sich der Advent im 4. Jahrhundert in Gallien und Spanien zunächst als eine Fasten- und Bußzeit, die vom Martinstag (11. November) bis Epiphanie (6. Januar) sechs Wochen umfasste. Papst Gregor der Große (6. Jahrhundert) legte die Dauer später auf die heute üblichen vier Sonntage fest. Im Unterschied zur strengen österlichen Fastenzeit ist die heutige Adventszeit seit 1917 keine strikte Fastenzeit mehr, behält aber ihren Charakter der Besinnung und frohen Erwartung bei.

Verankerung im Bistum Essen

Im Bistum Essen verbindet sich die Adventszeit mit einer besonderen Mischung aus liturgischer Tiefe und regionaler Kultur, die von der Industriekultur des Ruhrgebiets geprägt ist. Durch die Tradition der Essener Lichtwochen wird das christliche Motiv des Lichts – Christus als Licht der Welt – besonders betont und in Veranstaltungen wie den Luziakonzerten im Essener Dom aufgegriffen. Zugleich hat das Hilfswerk Adveniat, das jährlich zum 1. Advent eine große Spendenaktion für Lateinamerika startet, im Bistum eine hohe spirituelle und institutionelle Bedeutung.

Rolle in der Liturgie

Mit dem Ersten Adventssonntag beginnt das neue Kirchenjahr. Liturgisch gliedert sich der Advent in zwei Phasen: Die erste, bis zum 16. Dezember, richtet den Blick auf die Wiederkunft Christi und betont die Botschaft von Umkehr und Wachsamkeit. Die zweite, ab dem 17. Dezember, bereitet auf die Geburt Jesu vor. Die liturgische Farbe Violett steht für Besinnung, Buße und königliche Würde Christi; am dritten Adventssonntag (Gaudete) darf aus Freude über die Nähe des Herrn Rosa getragen werden. Das Gloria entfällt an den Adventssonntagen, um die erwartungsvolle Haltung der Zeit zu betonen.

Spirituelle Dimension und Symbolik

Der Advent ist eine Zeit der doppelten Erwartung und der Hoffnung.

Die vier Kerzen des Adventskranzes symbolisieren das fortschreitende Licht, das Christus, der Sol Iustitiae (Sonne der Gerechtigkeit), in die Welt bringt. Der Kreis des Kranzes steht für die Ewigkeit und die Tannenzweige für die Hoffnung auf neues Leben. Die spirituelle Haltung ist die des Wartens und der Umkehr.

Kernaspekte im Überblick

  • Name und Ursprung: Adventus (lat. „Ankunft“); bezeichnet die vierwöchige Vorbereitungszeit auf Weihnachten und den Beginn des Kirchenjahres.

  • Funktion und Zweck: Geistliche Vorbereitung auf die Geburt Jesu und die Erwartung seiner Wiederkunft (Parusie).

  • Bedeutung im Bistum Essen: Verbindung von liturgischer Tiefe und regionaler Kultur; starke Betonung des Lichtmotivs in den Essener Lichtwochen und hohe Bedeutung des Hilfswerks Adveniat.

  • Liturgische Präsenz: Beginn des Kirchenjahres; Zweiteilung des Advents mit Fokus auf Wiederkunft Christi (bis 16.12.) und Geburt Jesu (ab 17.12.); Violett als Hauptfarbe, Rosa am Gaudete-Sonntag.

  • Brauchtum und kulturelle Besonderheiten: Adventskranz, Roratemessen bei Kerzenschein, Luziakonzerte im Essener Dom und Adventsaktionen in den Pfarreien verbinden liturgische Feier und regionale Tradition.