Adsum
Begriffserklärung und Herkunft
Adsum ist ein lateinisches Wort und bedeutet in der direkten Übersetzung „Hier bin ich“ oder „Ich bin zur Stelle“. Es ist die 1. Person Singular Indikativ Präsens Aktiv des lateinischen Verbs adesse („anwesend sein“, „beistehen“, „herbeikommen“).
Im religiösen Kontext hat Adsum seine Wurzeln in der biblischen Tradition als Antwort auf einen göttlichen Ruf, am prominentesten in der Erzählung von der Berufung des jungen Propheten Samuel im Alten Testament, der dem Ruf Gottes antwortet: "Rede, Herr, denn dein Knecht hört" (1 Sam 3,10) oder vereinfacht: „Hier bin ich“ (Adsum). Diese Tradition macht das Wort zu einem kraftvollen Ausdruck der existentiellen Bereitschaft und des Gehorsams gegenüber dem Willen Gottes. Es unterscheidet sich vom verwandten Adsumus („Hier sind wir“), das ein Gebet zu Beginn von Konzilien oder Synoden ist.
Verankerung im Bistum Essen
Im Bistum Essen ist der Begriff Adsum nicht nur eine liturgische Formel, sondern auch ein spiritueller Eckpfeiler in der Ausbildung des Klerus und in der diözesanen Sprache.
Die Formulierung „Mein Adsum sprechen“ ist im Ruhrbistum – wie im gesamten deutschen Sprachraum – eine geläufige Redewendung, um die endgültige und öffentliche Zustimmung eines Kandidaten zur Priesterweihe zu beschreiben. Auch wenn im deutschen Ritus oft die Übersetzung „Ich bin bereit“ verwendet wird, bleibt das lateinische Adsum der symbolische Kern. Die Weihegottesdienste in der Essener Kathedrale (Essener Dom) sind der Ort, an dem die Kandidaten ihre Antwort auf die Berufung Gottes geben und ihr Weiheversprechen vor Bischof, Klerus und dem Volk Gottes ablegen. Damit treten sie ihren Dienst in der Kirche des Ruhrgebiets an.
Rolle in der Liturgie
Adsum ist ein unverzichtbarer und tief symbolischer Bestandteil des Weihe-Ritus in der katholischen Kirche.
Der Ritus beginnt mit der Präsentation der Kandidaten (Diakonen-, Priester- oder Bischofsweihe). Ein Beauftragter der Kirche (z. B. der Regens des Priesterseminars) ruft jeden Bewerber einzeln namentlich auf. Auf diesen Ruf hin tritt der Kandidat vor den zelebrierenden Bischof und antwortet laut und deutlich „Adsum“ (oder „Hier bin ich“ / „Ich bin bereit“). Diese Antwort ist die erste und wichtigste Selbstverpflichtung des Kandidaten in der Weiheliturgie. Sie signalisiert nicht nur die körperliche Anwesenheit, sondern vor allem die innere Bereitschaft und die freie Einwilligung zum Empfang des Sakraments und zum lebenslangen Dienst.
Spirituelle Dimension und Symbolik
Die spirituelle Dimension von Adsum liegt im unbedingten Hören und der Hingabe an Gottes Ruf. Das Wort knüpft an die Berufungsgeschichten der Bibel an und versteht das priesterliche Amt als Antwort auf Gottes Initiative. Es symbolisiert die vollständige Verfügbarkeit des Menschen für den göttlichen Plan und das existenzielle Bekenntnis zur Nachfolge Christi. In der katholischen Tradition ist „sein Adsum sprechen“ zum Ausdruck einer entscheidenden Lebenszusage geworden.
Kernaspekte im Überblick
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Name und Ursprung: Adsum (lat.: „Hier bin ich“); leitet sich von biblischen Berufungsgeschichten (z. B. Samuel) ab.
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Funktion und Zweck: Öffentliche, feierliche Bereitschaftserklärung eines Kandidaten zum Empfang des Weihesakraments.
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Bedeutung im Bistum Essen: Wesentliches Ritual in den Weihegottesdiensten im Essener Dom; Ausdruck der existentiellen Zustimmung zum priesterlichen Dienst im Ruhrgebiet.
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Liturgische Präsenz: Die Antwort des Kandidaten auf den namentlichen Aufruf durch den Bischof zu Beginn der Weiheliturgie.
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Brauchtum und kulturelle Besonderheiten: Der populäre Ausdruck „Mein Adsum sprechen“ als Bezeichnung für eine tiefgreifende Lebensentscheidung.