von Thomas Rünker

Zwischen Starlink und Katzenstreu: Malteser aus dem Ruhrgebiet betreuen ein Katholikentags-Quartier in einer Schule

Sie nehmen Urlaub, damit andere den Katholikentag besuchen können: Sieben Malteser aus dem Bistum Essen organisieren in einer Würzburger Schule die Unterkunft für rund 130 Gäste. Zugleich nutzen sie ihren Einsatz als realitätsnahe Übung für den Katastrophenschutz.

„Einsatzabschnitt 450, hallo!“ Unter seiner dunkelblauen Malteser-Mütze hält Nils Schultz sein Handy ans Ohr. Diesmal ist es die Katholikentags-Zentrale, die sich bei ihrem täglichen Rundruf erkundigt, ob in der David-Schuster-Realschule am Würzburger Südbahnhof alles in Ordnung ist. Kurz zuvor hat Schultz dem Caterer telefonisch die Bestellung fürs morgige Frühstück durchgegeben: Mehr Hafer-, weniger Kuhmilch – und täglich drei Gläser Nuss-Nougat-Aufstrich. „Mein Hauptjob hier ist Telefonate annehmen“, sagt der 32-Jährige. Gemeinsam mit sechs weiteren Ehrenamtlichen der Malteser im Bistum Essen betreut er eines der 14 Gruppenquartiere bei der christlichen Großveranstaltung – und trainiert gleichzeitig, wie Betreuung in einem Katastrophenfall funktionieren kann.

Die Nachtschicht schläft gerade, zwei wischen die letzten Brötchenkrümmel vom Frühstück von den Bierzeltgarnituren und eine Kollegin schließt im Schulgebäude nebenan die Klassenräume zu, als Nils Schultz und Dagmar Man Zeit finden, von ihrem ungewöhnlichen Ehrenamt zu erzählen. Von Mittwochnachmittag bis Sonntagmittag managt das siebenköpfige Malteser-Team aus dem Ruhrbistum die Unterkunft für rund 130 Gäste des Katholikentags. „Da sind ein paar Einzelgäste dabei, zwei Studierendengruppen, Familien und Jugendgruppen“, zählt Schultz auf. Platz hätten sie für 175 Menschen, so konnten sie die verschiedenen Gästegruppen etwas flexibler auf die einzelnen Klassenräume verteilen. „In Erfurt haben wir ein Quartier in einer Turnhalle betreut“, berichtet Schultz vom Katholikentag vor zwei Jahren – verglichen damit bietet ein Klassenraum fast Privatsphäre. Trotzdem standen nach der ersten Nacht zwei Gäste aus einem Männerschlafraum bei der Nachtwache und fragten nach einem Zimmer mit weniger Schnarch-„musik“. Neben den standardmäßig verteilten Ohrstöpseln habe man auch hier helfen können, sagen Man und Schultz. Für Entspannung beim Thema Nachtruhe sorge zudem, dass sie die Jugend- und die Erwachsenengruppen in zwei getrennten Schulgebäuden unterbringen konnten, sagt Schultz mit einem Schmunzeln.

Digitales Ein- und Ausschecken der Gäste über Starlink-Satellitenverbindung

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Um 23 Uhr schließt das Quartier – eigentlich. Bei den Maltesern aus dem Ruhrbistum können die Gäste auch bis Mitternacht einchecken. „Und auch danach lassen wir keinen vor der Tür stehen“, betont Schultz. Ein- und Auschecken ist ein großes Thema im Schulquartier. Wer kommt und geht, meldet sich am Empfang an oder ab. „Für Notfälle müssen wir immer wissen, wie viel Menschen im Gebäude sind.“

Ein- und ausgecheckt wird natürlich digital. Bei den Maltesern aus dem Ruhrbistum läuft das aber nicht über das Schul-WLAN oder irgendeine Handy-Flatrate, sondern über eine eigens aufgebaute Verbindung zum Starlink-Satellitennetzwerk. „Wir sind alle aus dem Katastrophenschutz“, erklärt Schultz. „Für uns ist das hier wie eine große Betreuungsübung“, ergänzt Man. Im Vergleich zu Notfallszenarien „ist hier alles echt“. So könne man auch alle Technik im Katholikentagsquartier mal unter realen Bedingungen ausprobieren – wie die Anmeldung über Starlink. Schultz: „Wir wollen für möglichst viele Szenarien gewappnet sein. Für den Fall der Fälle haben wir auch Papier-Listen und Karteikarten dabei.“

Die Nachtwache bereitet das Frühstück vor

Ruhen alle Gäste auf Luftmatratzen, Isomatten oder den ausgeliehenen Feldbetten, kann die Nachtwache das Frühstück vorbereiten. „Nachts um 3 kommt der Caterer“, weiß Schultz. Der bringt frische Brötchen und füllt auf, was am Vortag zu Neige gegangen ist. „Außerdem kocht die Nachtwache Kaffee.“ Schließlich dauert das in den beiden 12,5-Liter-Behältern etwa eine Stunde. Wenn dann um kurz vor 6 Uhr frischer Kaffeeduft durch die Pausenhalle zieht, geben sich die Nachtwache und das Frühstücksteam die Klinke in die Hand. „Dann kommen auch schon die ersten Frühaufsteher“, berichtet Dagmar Man. Entweder auf dem Weg in die Duschen in der Turnhalle nebenan – oder auch schon mit erwartungsvollem Blick auf die Frühstückstheke, die sich dann erst noch füllen muss. Bis 9 Uhr gibt’s Frühstück, danach wird das Quartier abgeschlossen – und die Gäste können erst ab 18 Uhr zurück in ihre Schlafräume. „Gerade von den Jugendlichen kommen dann viele, um ihren Tagesrucksack abzulegen und noch mal in die Stadt zu fahren.“ Konzerte, Partys, Nachtgebete – nach vielen Diskussionen und kreativen Angeboten am Tag sind die Abende des Katholikentags für viele besondere Highlights.

Malteser haben tagsüber Zeit für den Katholikentag

Bei allem Stress am Morgen und Abend und dem Engagement der Nachtwache – tagsüber haben auch die Malteser Zeit, den Katholikentag zu genießen, betonen Man und Schultz. Das sei nicht nur wichtig, um sich zu entspannen, sondern auch „weil der Katholikentag für uns Malteser eine Art Familientreffen ist.“ Traditionell übernimmt die katholische Hilfsorganisation bei den alle zwei Jahre stattfindenden Veranstaltungen eine ganze Bandbreite von Hilfs- und Betreuungsdiensten in Quartieren, bei großen Gottesdiensten oder in Planungsstäben. Zudem präsentieren die Malteser auf dem Katholikentag in diesem Jahr ihre Herzenswunsch-Krankenwagen, die unheilbar kranken Menschen besondere Ausflüge ermöglichen. „Viele Malteser treffe ich nur auf dem Katholikentag“, sagt Schultz – deshalb sei ihm das Event so wichtig.

Klebeband hilft gegen Bewegungsmelder-Licht

WhatsApp-Kanal des Bistums Essen

Im Quartier in der David-Schuster-Realschule haben sich die Abläufe mittlerweile eingespielt. So haben die Malteser zum Beispiel mit dem Schulhausmeister geklärt, dass sich die Bewegungsmelder für die Beleuchtung in den Klassenzimmern leider nicht ausschalten lassen – und deshalb nur Klebeband hilft, damit nicht bei jedem, der nachts aufs Klo muss, der Raum erleuchtet wird. Für das „Leben in der Lage“ brauche es eben nicht nur einen Plan, sondern auch viel Spontaneität und Kreativität, sagt Schultz. „Und Katzenstreu!“ ergänzt Man. Weil man damit ziemlich erfolgreich allen – gerade menschlichen – Flüssigkeiten begegnen kann, die man ungern mit dem Lappen aufwischt, gehört auch das zum Materialbestand des Katholikentagsquartiers.

Viel Dankbarkeit der Gäste

Schultz, Man und weitere Malteser aus ihrem Team haben sich Urlaub genommen, um sich von Mittwoch bis Sonntag um ihre 130 Gäste zu kümmern. Die wüssten ihr Engagement sehr zu schätzen, sagt Man und berichtet von ganz viel Kooperationsbereitschaft, kleinen Geschenken, jeder Menge Dankeschöns – und schönen Zufällen: Trotz 2400 Teilnehmenden in 14 verschiedenen Gruppenquartieren in Würzburg wurden Schultz und Man nun auch wieder Gäste zugelost, die sie bereits vor zwei Jahren in Erfurt betreut haben. Und wenn es nach den Maltesern geht, könnte man sich auch gleich für den Katholikentag 2028 in Paderborn verabreden. Wenn nichts dazwischenkommt, sind Schultz, Man und die anderen dann wieder mit dabei.

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