Zwischen Partystimmung und Lebenskrisen – Die Festivalseelsorge bei Bochum Total
Steffi Gruner, Michael Diek und Pia Laurich (v.l.). - drei der insgesamt 16 Seelsorgenden, die bei Bochum Total für die Festivalgäste bereitstanden. Foto: Nicole Cronauge | Bistum Essen
„Dein Herz. Unsere Frequenz“ bei Bochum Total. Zwischen Zehntausenden Gästen des Musikfestivals in der Ruhrgebietsstadt waren am vergangenen Wochenende immer wieder auch weiße Westen mit diesem Slogan unterwegs. Erstmals haben sich die katholische und die evangelische Kirche mit einer gemeinsamen Festivalseelsorge an der viertägigen Großveranstaltung beteiligt. „Ansprechbar sein, ein offenes Ohr haben, Präsenz zeigen“, beschreibt Michael Diek die Aufgaben des insgesamt 16-köpfigen ökumenischen Teams. Gemeinsam mit dem evangelischen Pfarrer Constantin Decker hat der Pastoralreferent der Pfarrei St. Peter und Paul das kirchliche Angebot organisiert. Ob im Zelt am Musikforum oder unterwegs zwischen den Bühnen, Ständen und Kneipen rund um das Bochumer Bermudadreieck: Viele Gäste hätten diese Initiative ausgesprochen dankbar angenommen, sagt Diek.
„Du gehst hier hin, um zu Feiern. Und dann gibt es plötzlich einen Knick.“
„Schön, dass ihr da seid. Ich brauche euch zwar gerade nicht – aber ich find’s gut, dass es euch gibt.“ So oder ähnlich hätten Festivalgäste immer wieder auf die Seelsorge-Teams reagiert. Daneben habe es viele Gespräche über persönliche Themen gegeben, die mit dem Festival zunächst nichts zu tun gehabt hätten, berichtet Diek. „Dabei ging‘s um Trauer und Einsamkeit, Krankheit, Lebenskrisen, Probleme in Familie, Partnerschaft oder Beruf – das ganz normale Leben halt. Die Leute bringen ihre Geschichten mit.“ Um dann auf einem Festival darüber zu sprechen? „Ja, gerade junge Leute haben uns bestätigt: Du gehst hier hin, um zu feiern. Und dann gibt es plötzlich einen Knick, vielleicht durch ein Musikstück oder ein Wort im Freundeskreis. Und in dieser Traurigkeit, die dann plötzlich aufkommt, sei es gerade gut, mit einem unbekannten Menschen sprechen zu können“, beschreibt Diek. Vielen habe das Erzählen gutgetan „und eine Leichtigkeit zurückgegeben, so dass sie danach wieder feiern konnten“.
Rund 500 Gespräche an vier Festivaltagen
Über mangelnde Arbeit konnten sich die Seelsorgenden nicht beschweren, die an den vier Festivaltagen jeweils in zwei Schichten von 16 bis 23 Uhr im Einsatz waren. Insgesamt hätten sie rund 500 Gespräche geführt, sagt Diek. Vom kurzen „Tolle Sache!“ bis zu gut einstündigen, oft sehr persönlichen Unterhaltungen sei alles dabei gewesen. Davon haben nicht nur die Festivalgäste profitiert, sondern offenbar auch Bochum Total. Veranstalter Marcus Gloria habe jedenfalls schon gefragt, ob die Festivalseelsorge auch bei Bochum Total 2027 mit dabei ist – dann erstmals nicht mehr in der Bochumer Innenstadt, sondern im Westpark an der Jahrhunderthalle.
Diek kann sich das gut vorstellen. Zunächst stehe jedoch die Auswertung des Festivalseelsorge-Debüts an – und dies nicht nur mit Blick auf Bochum. Für das Bistum Essen war Bochum Total auch ein Experiment im Rahmen seines Innovationslabors. Gemeinsam mit Diek soll nun geprüft werden, ob sich das Konzept auch auf andere Veranstaltungen übertragen lässt.




