von Lisa Myland

„Wilde Wiese“: Ferienlager der Malteserjugend fördert Spontanität und Verantwortung

Mit rund 600 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aus ganz Deutschland ist die Malteserjugend im Bistum Essen im bundesweiten Ferienlager. Das sommerliche Zeltlagerleben ist für alle Teilnehmenden eine Woche voller Spontanität, Verantwortung und Kreativität, denn in dem besonderen Lager gilt: Das Programm gestalten alle gemeinsam.

Auf der großen Wiese des Lagerplatzes in Immenhausen bei Kassel steht eine große Burg: Nicht aus Steinen und Toren, sondern komplett aus schwarzen Stoffbahnen. An der oberen Ebene hängt schon von Weitem erkennbar der rote Wimpel mit dem weißen Kreuz: Das Zeichen der Malteser. Gestützt wird die sogenannte Jurtenburg von dicken Baumstämmen, fest verwoben mit schwarzen Seilen. Drinnen hängen schwarze Kerzenleuchter mit weißen Kerzen und kleine Laternen unter der Decke, in der Mitte brennt jeden Abend ein großes Lagerfeuer, um das sich die rund 600 Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen des Bundesjugendlagers versammeln, um gemeinsam den Tag ausklingen zu lassen.

„Ich liebe es, wenn diese große Burg steht, das erste Feuer brennt, wir Musikinstrumente rausholen und unsere Lieder singen“, sagt Rebecca Weidenbach. „Das ist für mich unfassbar wertvoll.“ Die 35-jährige Referentin aus der Jugendabteilung des Bistums Essen ist schon als Neunjährige bei der Malteserjugend in Gelsenkirchen gestartet und nun im Ehrenamt stellvertretende Landesjugendsprecherin NRW. Trotz Beruf und Privatleben fährt sie auch heute noch regelmäßig als Ehrenamtliche in die Bundeslager, um Kindern und Jugendlichen zwischen acht und achtzehn Jahren eine spannende Woche in den Sommerferien zu ermöglichen. Für Weidenbach ist genau das schon lange ein Highlight im gesamten Malteser-Jahr: „Ich finde es einfach toll, wenn junge Menschen das erleben können, mal von zuhause weg zu sein, etwas selbst auf die Beine zu stellen, zu erleben, dass wir in ganz Deutschland als Malteserjugend da sind und vielleicht etwas Neues lernen.“

Instrumente lernen, Sportturniere meistern oder Altes upcyclen­

Alle zwei Jahre findet seit 2019 das Lager der katholischen Hilfsorganisation unter dem Namen „Wilde Wiese“ statt, ein besonderes, offenes Konzept, das auch in diesem Jahr allen Teilnehmenden viele Möglichkeiten bietet, sich einzubringen und das Lagerprogramm flexibel mitzugestalten. Feste, Spiele und Musik sind vorher nicht genau geplant, sondern entstehen nur dann, wenn sich jemand dafür einsetzt und andere mitreißt. Diese Freiheit mache das Lager laut der Malteserjugend besonders, da es von der Spontanität, Vielfalt und Kreativität der Gruppe lebe, so der Verband. In diesem Jahr können sich die Kinder und Jugendlichen zum Beispiel im Musikzelt ausprobieren: Musiker unter den Maltesern zeigen, wie Gitarre, Geige, Flöte oder Akkordeon zu spielen sind. Aber auch kreative Angebote wie Kleidung mit Batik-Technik verschönern oder Motiven zu bedrucken, Volleyballturniere und Upcycling-Projekte mit Buttons aus alten Kronkorken stehen auf dem Workshop-Programm. 

Trotzdem gibt es in der Woche auch zeitlich festgelegte Dinge wie Morgenrunden oder den Abschlussgottesdienst. Der Glaube spielt im Programm immer wieder eine Rolle, Seelsorger sind für die Teilnehmenden da, bieten Gottesdienste und Impulse an. „Ich finde es super wichtig, auch hier Kindern und Jugendlichen zu zeigen, was es bedeuten kann, an Gott zu glauben, gerade wenn sich der Glaube junger Menschen stark verändert und nicht mehr im Vordergrund steht. Zu zeigen, dass Nächstenliebe etwas ganz Großes ist, einfach sich gegenseitig zuzuhören - das macht für mich katholische Jugendarbeit aus“, sagt Weidenbach.

Ein Ehrenamt, das auch Berufswünsche prägt

Für viele Kinder und Jugendliche ist das Ehrenamt bei der Malteserjugend aber nicht nur aus diesem Grund ein wertvoller Lernort für soziale Gemeinschaft, sondern kann auch eine Chance sein, schon früh Praxiserfahrung im Rettungsdienst und Erster Hilfe zu machen. Bei einigen präge das auch immer wieder spätere Berufswünsche im medizinischen Umfeld, sagt Weidenbach, aber auch, wer in diesem Bereich weniger Interesse hat, könne selbstverständlich Malteser werden und sich in der Jugendarbeit engagieren.

Ins Lager fahren ist für Weidenbach vor allem deswegen eine besondere Zeit, da es sei wie ein Familientreffen, bei dem man viele Menschen wiedersieht: „Wir sind nicht so riesig wie andere Jugendverbände, aber teilweise mehr miteinander verbunden, man kennt sich schneller und intensiver.“ Und: „So anstrengend so eine Woche auch ist - man ist immer ansprechbar, es gibt immer etwas zu tun - es ist trotzdem für mich eine Woche zum Auftanken, weil ich einfach eine glückliche Woche erlebe. Egal, ob mal Chaos ist oder nicht alles funktioniert wie geplant“, sagt Weidenbach. „Für mich ist es einfach ein großer Zusammenhalt und zeigt, wie vielfältig die ganze Bande hier ist.“

Im Bistum Essen gibt es aktuell sechs Gruppen der Malteserjugend in Bottrop, Essen, Gelsenkirchen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen und Werdohl. Neben dem jährlichen bundesweiten Ferienlager gibt es an allen Standorten regelmäßige Gruppenstunden und beispielsweise Ausflüge, Besuche in Krankenhäusern oder bei der Feuerwehr und Erste-Hilfe-Ausbildungen. Das Bundesjugendlager der katholischen Organisation wird seit 1982 angeboten, seitdem reisen die Kinder, Jugendliche und Erwachsene an unterschiedliche Zeltplätze in Deutschland. Von anfänglich etwa 150 zu Beginn der 1980er-Jahre ist die Teilnehmendenzahl auf rund 800 in den vergangenen Jahren gestiegen.

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