von Kathrin Brüggemann

„Wie Gott uns schuf“ – Queere Menschen in der Kirche

Lehrerin Rut Neuschäfer und Bistumsmitarbeiter Rainer Teuber setzen sich für die Gleichberechtigung queerer Menschen ein. BENE traf beide zum Gespräch.

Sie wollen nicht länger schweigen. Bistumsmitarbeiter Rainer Teuber und Rut Neuschäfer gehören zu den 125 Menschen, die zu Beginn des Jahres öffentlich machten, wie die Katholische Kirche zum Teil mit lesbischen, schwulen, non-binären oder in anderer Weise queeren Menschen umgeht. In der preis­gekrönten ARD-Dokumentation „Wie Gott uns schuf“ berichteten Erzieherinnen, Sozialarbeiter, Gemeindereferentinnen, Diakone und Priester von der Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, von tiefen Verletzungen und jahrzehntelangem Versteckspiel. Gegen das ungerechte System der Kirche kämpfen viele von ihnen seitdem mit der Initiative „Out in Church“. 

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Das gesamte Interview finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Bistumsmagazins BENE oder online unter bene.mg/outinchurch.

Mehr über die Initiative "Out in Church" finden Sie hier: https://outinchurch.de

„Elf Bistümer, darunter auch das Bistum Essen, haben kurz nach der Erstausstrahlung der Doku erklärt, dass die kirchliche Grundordnung nicht mehr angewendet werden soll“, so Rainer Teuber. „Mit dem neuen Entwurf für die Grundordnung wird das Eingehen einer gleich­geschlechtlichen Ehe wohl kein Kündigungsgrund mehr sein. Aber es gibt noch keine Rechtssicherheit, auch wenn die Diözesen schriftlich zugesichert haben, dass sie die Grundordnung derzeit nicht mehr anwenden.“

„Zugang zu allen Ämtern und Berufsfeldern“

Rut Neuschäfer unterrichtet katholische Religion an einer Gesamtschule in Gelsenkirchen. Lange hat sie ihre Sexualität an der Schule verheimlicht. „Es gab immer wieder Situationen, in denen ich nicht wusste, wie ich mich als lesbische Lehrerin verhalten soll“, sagt sie. „Ein Beispiel: Ich bin im Vorstand von ,FrauenLiebe im Pott`. Auf der Internetseite des Vereins sollte ein Foto von mir gezeigt werden. Ich habe mich gefragt, was passiert, wenn eine Schülerin oder ein Schüler das Bild sieht. Vielleicht verpetzt sie oder er mich beim Bistum, wenn ich ihr oder ihm eine schlechte Note gebe.“ Jetzt setzt sich Rut Neuschäfer gemeinsam mit anderen für eine angstfreie Kirche ein.

„Wir fordern, dass nicht-heterosexuelle Menschen als wertvolle Bereicherung der Gesellschaft angesehen werden“, sagt Rainer Teuber. „Wir wollen, dass ihnen Zugang zu allen Ämtern und Berufsfeldern eröffnet wird. Und wir fordern, dass gleichgeschlechtliche Paare und Geschiedene, die ein zweites Mal heiraten, gesegnet werden dürfen. Außerdem soll Homo- oder Transsexualität von der Kirche nicht mehr als Sünde bewertet, sondern als Ausdruck der Vielfalt von Gottes akzeptiert werden.“

Teuber hofft, dass man sich irgendwann nicht mehr outen muss. „Die Frage nach der sexuellen Identität oder Orientierung sollte vollkommen überflüssig sein.“

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