von Thomas Rünker

Von Priester bis Personalerin: Berufsperspektiven beim „Dialog mit der Jugend“

Beim traditionellen „Dialog mit der Jugend“ der Talentmetropole Ruhr stand in der Duisburger Jugendkirche Tabgha in diesem Jahr nicht nur die Diskussion zwischen Schülerinnen und Schülern und Bischof Franz-Josef Overbeck im Fokus, sondern auch der Austausch über vielfältige Berufsbilder in der Kirche.

An dem einen Stehtisch steht eine Personalerin, ein Rechtsanwalt an einem anderen, weiter hinten ein Projektentwickler, daneben eine Religionslehrerin und eine Musikerin. Dazwischen bummeln Jugendliche mit einer Cola oder eine Apfelschorle in der Hand, bleiben hier oder dort stehen und starten ein Gespräch. Es erinnert an eine Job-Messe, wie die Schülerinnen und Schüler aus den zehnten und elften Klasse des Neuen Gymnasiums Bochum und der Mülheimer Karl-Ziegler-Schule in kleinen Gruppen von einem Tisch zum nächsten ziehen – und in der Tat ist es Sinn und Zweck an diesem Nachmittag, den Gästen dieses „Dialogs mit der Jugend“ einige der zahlreichen Berufs-Perspektiven aufzuzeigen, die die katholische Kirche in der Region anbietet. Und doch sprechen die Jugendlichen nicht nur über Ausbildungswege und Karrierechancen, sondern fragen zum Beispiel die junge Personalerin „Sind Sie eigentlich gläubig?“ oder den Anwalt, wie es denn Juristinnen und Juristen mit ihrem Gewissen vereinbaren können, auch Mörder oder Missbrauchstäter vor Gericht zu verteidigen.

Das Setting ist dann eben doch keine Messehalle, in der künftige Arbeitgeber um junge Talente buhlen, sondern ein Gotteshaus: In derJugendkirche Tabgha am Duisburger Dellplatz hatte das Bistum zusammen mit der Talentmetropole Ruhr in diesem Jahr zum jährlichen „Dialog mit der Jugend“ eingeladen. Und wo bei anderen Organisationen sonst Vorstandschefinnen, Geschäftsführer oder Abteilungsleitungen Rede und Antwort stehen, stehen den Jugendlichen in Tabgha zunächst ein bunter Querschnitt der Kirchenbeschäftigten mit den verschiedensten Themen zur Verfügung.

Rainer Teuber zum Beispiel, Leiter des Besucherservices im Essener Domschatz, wird nicht nur nach der Arbeit in der Museumspädagogik an einem über 1000 Jahre alten Ort gefragt, sondern auch nach seinen Erfahrungen als queerer Mensch in der Kirche, über die er bereitwillig Auskunft gibt: „Ich kann heute gut als queerer Mann in dieser Kirche arbeiten.“ Mit den Jugendlichen diskutiert er über Diskriminierung auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen – gerade in der Arbeitswelt –, nicht nur mit Blick auf die sexuelle Orientierung, sondern zum Beispiel auch hinsichtlich einer möglichen Migrationsgeschichte.

Auf viel Interesse stößt auch Maximilian Strozyk. Der junge Priester soll über die Arbeit in der Jugendkirche Tabgha berichten und über die Urlaubsseelsorge auf Texel, die er in jedem Sommer drei Wochen lang mitgestaltet. Und dann wollen die Jugendlichen auch wissen, wie das denn mit dem zölibatären Leben so funktioniert.

Das fragen sie wenig später auch Bischof Franz-Josef Overbeck in der traditionellen „Frag den Bischof“-Runde beim „Dialog mit der Jugend“: „Haben Sie es nie bereut, keine Familie gegründet zu haben?“ „Nein“, sagt der Bischof: „Ich lebe jetzt seit 38 Jahren in dieser Lebensform und bin insgesamt ganz zufrieden damit.“ Als zölibatär lebender Mensch müsse man „genauso daran arbeiten, wie wenn ihr in einer Beziehung lebt“, so Overbeck. Und über die Frage, wie er selbst denn zu seinem Glauben gefunden habe (über eine selbstverständliche Religiosität daheim und guten Religions- und Philosophieunterricht) ging es dann auch im Gespräch mit dem Bischof noch einmal um die Berufs- und Arbeitswelt: „Mein Beruf ist immer wieder neu. Es ist wunderbar, immer neu herausgefordert zu sein, das ist immer ein Abenteuer.“

Die rund 50 Jugendlichen in der großen Runde im Tabgha-Kirchenschiff hören dem Bischof interessiert zu, stellen kluge Nachfragen – und wer weiß, ob nicht bei der einen oder dem anderen an diesem Nachmittag doch einen Beruf in der Kirche in die engere Wahl gekommen ist. Es muss ja nicht gleich ein Job als Bischof sein.

Pressestelle Bistum Essen

Zwölfling 16
45127 Essen