von Thomas Rünker

Urlaubsseelsorge auf Texel verabschiedet Maximilian Strozyk nach elf Jahren als Teamleiter

Mit Gottesdiensten am Strand, Gesprächen am Wohnwagen und vielen Begegnungen hat Maximilian Strozyk die Urlaubsseelsorge auf Texel mitgestaltet. Im Interview zieht er Bilanz und erklärt, warum er die Teamleitung nun in neue Hände legt.

Freiluft-Gottesdienste, Strandspiele und Dünensingen – nach fast drei Sommerwochen ist die Urlaubsseelsorge des Bistums Essen auf der niederländischen Ferieninsel Texel wieder fest etabliert. Vom Wohnwagen auf dem Campingplatz Kogerstrand aus, gestaltet das Team um Maximilian Strozyk das vielfältige Programm noch bis Donnerstag, 30. Juli. Dann übernimmt Bernd Wolharn mit seinem Team für die nächsten drei Ferienwochen. Für Strozyk ist es dann nicht nur der übliche Abschied nach einer intensiven Texel-Zeit, sondern fürs Erste auch ein Abschied von der Urlaubsseelsorge: Nach elf Jahren macht er den Platz für einen neuen Teamleiter frei. Zeit für ein Gespräch über spannende Veränderungen, viel Bewährtes und einen persönlichen Abschied.

Wie läuft es gerade bei der Urlaubsseelsorge auf Texel?

Maximilian Strozyk: Es läuft richtig fantastisch! Wir waren in diesem Jahr überrascht, wie viel bei uns auch schon vor Beginn der NRW-Sommerferien los war – aber seit nun auch die Familien aus dem Ruhrgebiet, dem Rheinland oder aus Westfalen hier sind, läuft es richtig gut. Weder wegen mangelnder Beteiligung noch wegen schlechten Wetters mussten wir bislang einen Programmpunkt absagen, das ist schon außergewöhnlich. Stattdessen zählen wir bis zu 270 Leute – egal ob wir sonntags Gottesdienst feiern oder uns dienstagabends in der Düne zum Singen treffen. Daneben freuen wir uns über viele Leserinnen und Leser in unserer Bücherei, konnten rund um unseren Wohnwagen schon viele gute Gespräche führen und eine ganze Reihe Menschen begrüßen, die in diesem Sommer zum ersten Mal mit der Urlaubsseelsorge in Kontakt gekommen sind.

Wie hat sich die Urlaubsseelsorge auf Texel in den vergangenen elf Jahren verändert?

WhatsApp-Kanal des Bistums Essen

Strozyk: Spätestens seit der Corona-Pandemie nehmen wir hier bei der Urlaubsseelsorge wahr, dass die Menschen einen deutlich höheren Gesprächsbedarf haben und das Angebot, vertraulich mit uns zu sprechen, sehr aktiv nutzen. Deshalb haben wir in diesem Jahr auch unsere Ehrenamtlichen geschult, solche Gespräche führen zu können – die sich oft „zwischen Tür und Angel“ unseres Wohnwagens oder am Rande unserer Angebote ergeben. Ein „Corona-Kind“ ist zudem ein fester Punkt in unserem wöchentlichen Programm geworden: Aus der Idee, sich besser im Freien zu treffen, wurde ein kleiner Wortgottesdienst, der immer an einem anderen besonderen Ort auf Texel stattfindet. Diese Freiluft-Einheiten mit Gebeten und Liedern bereiten unsere Ehrenamtlichen vor. Neben vielen unserer Klassiker – an den fröhlichen Sonntagsmessen oder dem Dünensingen wird man hoffentlich auch in den nächsten elf Jahren nicht rütteln – haben wir einige kleine Dinge verändert und zum Beispiel Gottesdienste am Strand eingeführt. Gerade die Dinge, die draußen stattfinden, nehmen die Menschen auf Texel mit viel Wohlwollen auf.

Urlaub ist für viele die schönste Zeit des Jahres – wieso braucht es da überhaupt Seelsorge?

Strozyk: Die Menschen kommen ja nicht von zuhause und drücken dann hier auf Texel auf die „Reset“-Taste: Die Themen, die die Menschen mitbringen, sind ja immer noch da. Und gerade die, die aus besonders herausfordernden Situationen in den Urlaub fahren, erleben oft, dass sich diese schwierigen Themen hier Raum nehmen – egal ob jemand einen anderen Menschen verloren hat, es Stress bei der Arbeit oder in der Beziehung gibt… Gerade Jugendliche bringen uns großes Vertrauen entgegen und nutzen uns als Gesprächspartnerinnen und -partner, wenn es zum Beispiel im Urlaub Stress in der Familie gibt. Vor einigen Jahren saßen wir in De Koog vor der Kirche als plötzlich ein Mann vorbeikam und fragte, was wir denn machten. Er erzählte, dass er gerade seine verstorbene Frau im Meer zwischen Texel und dem Festland bestattet hatte und nun auf der Insel für sich persönlich trauern wollte. Der Mann kam von da an jeden Tag vorbei, war froh und dankbar, mit diesem Erlebnis und seiner Geschichte nicht allein zu sein. Gleichzeitig heißt Seelsorge ja nicht nur, in den schweren Situationen da zu sein, sondern auch in den schönen und guten. Wir wollen hier das Leben feiern und Danke sagen! Und da erleben wir hier bei den Menschen einen großen Hunger, eine Sehnsucht nach Spiritualität.

Viele Feriengäste auf Texel nehmen die Angebote der Urlaubsseelsorge ganz selbstverständlich wahr, so wie den Besuch am Strand oder den Ausflug zum Leuchtturm. Lässt sich diese Leichtigkeit auch auf Gemeinden zuhause übertragen?

Die Urlaubsseelsorge des Bistums Essen

Die Urlaubsseelsorge des Bistums Essen bietet in jedem Sommer neun Wochen lang ein vielfältiges Programm aus Gottesdiensten, Spielen, Ausflügen, Sport, Musik und Kreativität für die deutschsprachigen Feriengäste auf der größten niederländischen Ferieninsel Texel an. Jeweils unter der Leitung eines Priesters übernehmen drei Teams mit zahlreichen Ehrenamtlichen die Vorbereitung und Umsetzung des Programms. Zugleich stehen sie am Wohnwagen der Urlaubsseelsorge auf dem Campingplatz Kogerstrand im Ferienort De Koog bei Kaffee und Tee für Gespräche über Gott und die Welt bereit. Im Wohnwagen gibt es zudem eine kostenlose deutschsprachige Ferienbibliothek mit Büchern, Spielen und weiteren Medien.

Auf Maximilian Strozyk – Seelsorger in der Duisburger Jugendkirche Tabgha und Bundeskurat der DPSG – und sein Team 1 folgt am 30. Juli der Essener Cityseelsorger Bernd Wolharn mit seinen Leuten als Team 2, bevor ab dem 20. August Team 3 mit Jan Sienert, Kaplan in der Bochumer Pfarrei Liebfrauen und Kurat der DPSG im Bistum Essen, die letzten drei Wochen der Urlaubsseelsorge übernimmt. Nachfolger von Strozyk wird im kommenden Jahr Peter Schlippe, Kaplan in der Essener Pfarrei St. Lambertus. Er übernimmt dann die Leitung von Team 3, während Sienert Team 1 leiten wird.

Strozyk: Bei der Urlaubsseelsorge sagen wir den Feriengästen immer: „Macht das, was euch guttut!“ Niemand in unseren Teams erwartet, dass jemand bei allen Angeboten in unserem Wochenprogramm mitmacht. Es gibt nach jedem Programmpunkt eine herzliche Einladung zu den nächsten Angeboten – aber keine Verpflichtung à la „Wenn du am Dienstag beim Singen warst, erwarten wir dich aber auch am Mittwoch beim Gottesdienst.“ Viele Gäste berichten uns, dass sie in ihren Gemeinden da schon mal eher ein „du bietest den kleinen Finger und sie nehmen die ganze Hand“ erleben. Insgesamt glaube ich, dass man nur sehr wenig von der Urlaubsseelsorge auf unsere Gemeinden übertragen kann – so wie man ja auch das eigene Urlaubsgefühl später nur sehr begrenzt in den Alltag integrieren kann. Für mich ist die Urlaubsseelsorge ein Saison-Gefühl – so wie Spargel und Erdbeeren, die gibt es auch nur zu bestimmten Zeiten im Jahr.

Die Urlaubsseelsorge ist in diesem Jahr das 58. Mal auf Texel – Sie machen schon nach elf Jahren Platz für einen neuen Teamleiter, warum?

Strozyk: Ich mache das hier nach wie vor total gerne. Ich genieße das Miteinander mit den Urlauberinnen und Urlaubern, vor allem aber natürlich mit den vielen Ehrenamtlichen in immer neuen Konstellationen. Sie bringen ganz viel Kreativität und Engagement in unsere Arbeit ein – und ganz viel eigene Persönlichkeit. Letztes Jahr hatten wir zum Beispiel einen Proktologen im Team, der hier einen eigenen – sehr lustigen und mit viel hilfreichem Inhalt gestalteten - Workshop angeboten hat. Wir hatten Bücherwanderungen mit einer Buchhändlerin, historische Angebote mit einer Archäologin, Chor-Workshops, Tanzkurse… So habe auch ich in den vergangenen Jahren hier unglaublich viel gelernt und mich weiterentwickelt. Gleichzeitig bin ich fest davon überzeugt, dass Projekte davon leben, dass sie sich verändern und neu erfinden. Deshalb ist jetzt die Zeit, dass andere Menschen dies hier weiterentwickeln. So werde ich die Insel hier am Donnerstag mit einer großen Dankbarkeit verlassen – und mit mindestens einem weinenden Auge.

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