Telefonseelsorge will mit kostenloser App Suiziden vorbeugen

Smartphone-Angebot richtet sich sowohl an Menschen, die selbst Suizid-Gedanken haben als auch an Angehörige, Freunde und Kollegen, die Betroffenen helfen möchten oder die trauern, weil sie einen Menschen durch Suizid verloren haben. So möchte die Telefonseelsorge auch die Menschen erreichen, „die sich nicht trauen mit uns zu sprechen oder uns zu schreiben“

Mit ihrer neuen App „Krisen-Kompass“ möchte die Telefonseelsorge Menschen helfen, die akute Suizid-Gedanken haben, sowie Betroffene, die einen Menschen durch Suizid verloren haben. Auch wer einen Freund, Kollegen oder Angehörigen unterstützen möchte, weil dieser droht, sich umzubringen, findet in der App konkrete Hilfe.

Die Telefonseelsorge habe die App für alle jene entwickelt, „die sich nicht trauen mit uns zu sprechen oder uns zu schreiben“, erklärt Dorothee Herfurth-Rogge, Vorsitzende der Evangelischen Konferenz für Telefonseelsorge und Offene Tür. „Wir hoffen, dass dieses niederschwellige Angebot das Rüstzeug an die Hand gibt, einen Krisenfall besser zu meistern.“

Im „Krisen-Kompass“ stehen Funktionen bereit, die auch in der Psychotherapie genutzt werden, zum Beispiel die Aufzeichnung von Stimmungen als Tagebuchfunktion oder das Anlegen eines sogenannten Safety-Plans. Dieser könne „in stabilen Momenten angelegt werden und ist sehr hilfreich, wenn man weiß, in der Krisensituation kann ich darauf zurückgreifen“, beschreibt Stefan Schumacher, Leiter der Hagener Telefonseelsorge und des bundesweiten Projekts „Krisen-Kompass“. Als Erste-Hilfe-Koffer für den Notfall könnten Nutzer in der App zudem persönliche Archive anlegen, um aufbauende Gedanken oder persönliche Fotos, Erinnerungen oder Lieder zu speichern. Erläuterungen von Entspannungstechniken sowie Kontakte für den Notfall wie die Telefonseelsorge und andere professionelle Anlaufstellen, geben konkrete Hilfestellungen in einer Krise.

Kostenlose App für Android- und iOS-Smartphones

Die App ist kostenlos in den App-Stores für Android- und iOS-Smartphones verfügbar. Weitere Informationen und direkte Download-Links gibt es online unter https://krisen-kompass.app/

In der Arbeit der Telefonseelsorge spielt das Thema Suizidalität (Suizidabsicht, -versuch, -gedanken oder der Suizid eines anderen) eine große Rolle. In rund zehn Prozent der gut eine Million Gespräche der Telefonseelsorge (Telefon, Mail, Chat und vor Ort) ging es im vergangenen Jahr um diesen Themenkreis. Davon waren mehr als 23% der Gespräche mit Jugendlichen und Kindern bis 29 Jahren. Besonders die digitalen Wege werden genutzt: konkret waren 68,2% aller Chatgespräche und 61,4% Mails zum Thema Suizidalität mit dieser Altersgruppe. Ein Grund, weshalb unter anderem die Caritas Gelsenkirchen mit dem Projekt „[U25]“ ein eigenes Angebot betreibt, bei dem sich Jugendliche und junge Erwachsene online, anonym und kostenlos bei Bedarf Hilfe von speziell ausgebildeten Gleichaltrigen erhalten.

Jährlich sterben etwa 10.000 Menschen durch Suizid

Jedes Jahr nehmen sich etwa 10.000 Menschen das Leben, dreimal mehr als Opfer von Verkehrsunfällen werden. Bei Unter-25-Jährigen ist Suizid die zweithäufigste Todesursache.

Um diesen und vielen anderen Hilfesuchenden einen unkomplizierten Zugang zu ermöglichen, wurde 1956 die Telefonseelsorge gegründet. Rund um Uhr ist sie an 365 Tagen im Jahr auf mittlerweile vier Wegen erreichbar: Per E-Mail und Chat über die Internetseite www.telefonseelsorge.de, in einigen Städten vor Ort sowie per Telefon. Dank der Unterstützung durch die Deutsche Telekom sind die Telefonnummern 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 gebührenfrei und erscheinen zudem nicht auf den Einzelverbindungsnachweisen der Anrufer.

Im Video stellt Stefan Schumacher die App "Krisen-Kompass" vor

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