von Evangelischer Kirchenkreis Essen und Thomas Rünker

TelefonSeelsorge erinnert an Suizid-Opfer und appelliert: „Redet miteinander!“

In der Essener Marktkirche stand am Mittwoch, 11. September, dem Welttag der Suizidprävention, neben dem Gedenken auch Aufklärung und Hilfe im Fokus. Die TelefonSeelsorge ruft dazu auf, das Thema nicht zu tabuisieren: „Schweigen ist fast immer tödlich, ein Gespräch aber kann Leben retten“, sagt Peter Toussaint vom Förderverein der Essener TelefonSeelsorge.

Mehr als 9000 Menschen nahmen sich im vergangenen Jahr in Deutschland das Leben – laut Statistik kommt es allein in der Stadt Essen jede Woche zu einem Suizid. Hinter den Zahlen verbergen sich tiefe Verzweiflung, Selbstvorwürfe und großes Leiden der Hinterbliebenen. Daran erinnert der „Welttag der Suizidprävention“ am 10. September, den die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2003 ins Leben gerufen hat. Zu diesem weltweiten Tag hatten die ökumenische TelefonSeelsorge in Essen, der Förderverein der Essener TelefonSeelsorge (FETS) und die Gruppe der „Hinterbliebenen nach Suizid“ zu einem gemeinsamen Informieren und Gedenken in die Essener Marktkirche geladen.

Schon am Nachmittag konnten sich Bürgerinnen und Bürger am Info-Stand vor der Kirche über Möglichkeiten der Suizid-Prävention und über die Arbeit der Telefonseelsorge informieren. Stadtdechant Jürgen Schmidt überbrachte die Grüße der Katholischen Stadtkirche und ließ sich zusammen mit Monika Kindsgrab vom Evangelischen Kirchenkreis von jungen Seelsorgerinnen über das „U25“-Projekt aus Gelsenkirchen informieren. Dort begleiten Jugendliche und junge Erwachsene unter dem Dach der Caritas junge Menschen, die sich in einer suizidalen Lebenskrise befinden.

Kufen: „Kein Problem ist so groß, dass man deshalb aus dem Leben scheiden muss.“

Zu Beginn der abendlichen Gedenkfeier, die von Cellistin Astrid Bohnenstengel und Kreiskantor Thomas Rudolph musikalisch begleitet wurde, dankte Michael Denzin vom Vorstand des Fördervereins der Telefonseelsorge den rund 80 Besucherinnen und Besuchern für die Unterstützung an diesem Abend. Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) sagte in seiner Ansprache: „Kein Problem ist so groß, dass man deshalb aus dem Leben scheiden muss.“ Er mahnte die Bürgerinnen und Bürger zur Aufmerksamkeit. Man müsse gesprächsbereit sein. „Reden hilft“, sagte der OB und dankte „voller Respekt“ den Ehrenamtlichen, die bei der Essener TelefonSeelsorge Tag und Nacht ein offenes Herz und ein offenes Ohr für Menschen in Not haben.

Superintendentin Marion Greve brachte in einer Fürbitte die Sorge um die Menschen zum Ausdruck, die nach einem Suizid mit Schuldgefühlen und gebrochenem Herzen zurückbleiben: „Gott, sei du ihr Halt in der Dunkelheit.“ Und Stadtdirektor Peter Renzel erinnerte an die vielen Menschen, die in der Pflege, in der Seelsorge, in der Therapie und bei den Notrufdiensten ihre ganze Kraft aufwenden, um Menschen durch Krisensituationen zu begleiten.

Segenswünsche für Verstorbene und Trostworte für Hinterbliebene

Viel Beifall bekam die Poetry-Slammerin Franziska Gels für ihre vorgetragenen Gedanken am Grab einer Freundin. Und in einem Interview berichtete Dieter Schachta von der Selbsthilfegruppe der „Hinterbliebenen nach Suizid“ von der bleiernen Zeit nach dem Tod einer guten Freundin. Besonders emotional wurde der von Prädikantin Birgit Dinglinger geleitete Gottesdienst bei der anschließenden Trauerzeremonie: Zu musikalischer Untermalung schrieben Besucherinnen und Besucher Segenswünsche für die Verstorbenen und Worte des Trostes für die Hinterbliebenen auf leuchtend rote Papierherzen und trugen sie zu den Stufen des Altars.

Peter Toussaint vom Förderverein der Essener Telefonseelsorge dankte den beiden christlichen Kirchen in Essen, die seit 60 Jahren die Arbeit der Telefonseelsorge finanzieren. Er dankte der katholischen Caritas und der evangelischen Superintendentin Marion Greve und den Gemeinden für die von Jahr zu Jahr größer werdende Kraftanstrengung. Suizidprävention sei ein Auftrag an jeden von uns, sagte Toussaint. Das Thema dürfe nicht weiter tabuisiert werden: „Schweigen ist fast immer tödlich, ein Gespräch aber kann Leben retten.“ Gleichzeitig sei das Thema „eine gesellschaftliche Aufgabe. Und es ist eine Aufgabe für die Politik.“

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