Synodaler Weg: Hoffnung, aber keine Hochstimmung

In der „Wolfsburg“ debattierten Christiane Florin, Michael Seewald und Klaus Pfeffer über synodale Aufbrüche am Amazonas und in Deutschland

Spaltung wird diskutiert – es gibt aber keine Kirchen-Ausgründungen.

Der Synodale Weg schafft ein Ventil, um über totgeschwiegene Themen zu sprechen

Wieviel Veränderungsbereitschaft ist der Kirche zuzutrauen?

Hoffnung, aber keine Hochstimmung löst der Synodale Weg der deutschen Kirche bei katholischen Beobachtern aus. „Besser als nichts“, urteilt die Kölner Journalistin Christiane Florin. Die Macht-Frage sei ausschlaggebend, weil sie die Regeln definiere, nach denen überhaupt diskutiert werden dürfe, sagt der münstersche Dogmatik-Professor Michael Seewald. Und der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer ist erleichtert, dass man über unterdrückte Themen wie etwa Angst in der Kirche endlich frei sprechen dürfe. Die drei Kirchen-Experten trafen am Mittwoch, 5. Februar, im vollbesetzten Auditorium der Katholischen Akademie „Die Wolfsburg“ aufeinander, um mit Akademiedozent Jens Oboth als Moderator über die Chancen und Risiken der synodalen Aufbrüche am Amazonas und in Deutschland zu diskutieren.

Christiane Florin: „Das Problem sind nicht die Konservativen, sondern die Autoritären“

Florin sieht eine tiefe Kirchenspaltung zwischen Konservativen und Progressiven und traut der Kirche nicht mehr viel Veränderungsbereitschaft zu, weil die Themen des Synodalen Weges zu Macht, Zölibat, Sexualmoral und vor allem zur Frauenfrage schon viel zu lange unbearbeitet auf der Agenda ständen: „Hätten wir den Druck der Medien nicht, gäbe es immer noch keine Diskussion“, vermutet die Deutschlandfunk-Redakteurin, die mit ihrem Buch „Der Weiberaufstand“ zur Frauen- und Machtfrage seit 2017 Kirchenkreise polarisiert. Die Freundlicheren der Leserbriefe-Schreiber teilten ihr mit: „Ich bete für Sie.“ Sie antworte inzwischen: „Ich bete zurück.“ Allerdings sieht Florin ihren Widerpart nicht im konservativen, sondern vor allem im autoritären Lager derjenigen, die sich auf keine Diskussion einließen. Um der Klarheit willen wünscht sie sich Amtsträger, die sagen: „Ich selbst will es nicht“, anstatt als Grund für ihr Traditionsbeharren Gott oder Jesus ins Feld zu führen.

Seewald: „Beschlüsse des Synodalen Weges können nur moralisch verbindlich sein“

„In der Theologie spielen Argumente und Vernunft nicht grundsätzlich eine Rolle“, sagt Michael Seewald dazu. Anstatt bei fehlenden Argumenten die eigene Haltung zu überdenken, würden oft dogmatische Gründe vorgeschoben und ein „Wahrheitsregiment“ geführt, um nichts ändern zu müssen. Auch der Dogmatik-Professor sieht starke Brüche zwischen den Lagern der Kirche, aber dennoch komme es nicht zu Kirchen-Ausgründungen: „Das ist ein Zeichen des Miteinanders innerhalb einer Kirche, das man nicht unterschätzen sollte.“ Sachlich betrachtet, könne weder eine Synode noch sogar ein weltweites Ökumenisches Konzil verbindliche Beschlüsse fassen, weil letztlich immer das gelte, was der Papst sage. Beschlüsse des Synodalen Weges könnten deshalb höchstens moralisch verbindlich sein.

Klaus Pfeffer: „Immerhin – die Synodalversammlung ist beieinander geblieben“

Generalvikar Pfeffer glaubt allerdings, dass Bischöfe künftig nur noch Akzeptanz erhalten, wenn sie die Menschen mit einbinden. Zu viele Jahrzehnte habe man die Kirche als idealisierte Heilsanstalt hoch gehalten, anstatt zu akzeptieren, dass es sich um eine menschliche Gemeinschaft handele. Angesichts der heftigen Auseinandersetzungen, der oft vergifteten Sprache und Atmosphäre auf allen Ebenen von den Pfarreien über die deutsche Kirche bis zur Weltkirche sei klar, dass es frustrierend lange dauern werde, bis sich etwas verändere. Umso ermutigender seien die Offenheit und das „Beieinanderbleiben“ der ersten Synodalversammlung in der vergangenen Woche in Frankfurt.

„Im Bistum Essen sind wir schon einige Jahre dran, mehr Transparenz und Kontrolle einzuführen“, erklärte Pfeffer. In der Verwaltung gebe es das Vier-Augen-Prinzip und Kontrollinstanzen. Außerdem habe gerade ein neuer, mehrheitlich aus finanzkompetenten Laien bestehender Kirchensteuer- und Wirtschaftsrat seine Arbeit aufgenommen. Zudem seien im Bistum Essen heute deutlich mehr Frauen in Führungspositionen.

Welche Ergebnisse kann man vom Synodalen Weg erwarten?

Welches realistische Ergebnis man vom Synodalen Weg erwarten könne, wollte Moderator Jens Oboth erfahren. Michael Seewald sieht die Aufgabe der Theologie darin zu klären, wohin man eigentlich umkehren könne: „Nicht der hat das Deutungsmonopol auf die Vielfalt der Kirche, der das kleinkarierteste Modell vertritt.“

Für Christiane Florin wäre es ein Fortschritt, wenn der einzelne Gläubige Freiheits- und Abwehrrechte gegenüber der Institution Kirche hätte, so wie jeder Bürger das Bundesverfassungsgericht anrufen kann. Außerdem wünscht sie sich die Möglichkeit einer demokratischen „Wahl von unten nach oben“ für Machtpositionen der Kirche – wohl wissend, dass Bischöfe dafür zunächst freiwillig auf Macht verzichten müssten.

Klaus Pfeffer plädiert dafür, wenigstens verbal abzurüsten, und hofft auf eine Kirche mit Raum für sehr unterschiedliche Katholiken von den Legionären Christi bis hin zu Maria 2.0: „Nehmen Sie das in Ihren Gemeinden selbst in die Hand. Es gibt so viele Möglichkeiten.“

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