von Thomas Rünker

St. Hubertus hat eine neue Kirchturmspitze

Nachdem der Turm nach einem Blitzschlag Feuer gefangen hatte, hat ein Autokran am Dienstag eine neue Spitze auf die gut 60 Meter hohe Landmarke in Essen-Bergerhausen gesetzt.

Zahlreiche Gäste und Gemeindemitglieder verfolgten die spektakulären Arbeiten.

Auch das in der Brandnacht geborgene Turmkreuz wurde wieder montiert.

Dem 107 Jahre alten Kirchturm steht noch eine gut zweijährige Sanierung bevor.

Um 10.05 Uhr hängt die neue Spitze am Haken. Zwei Tonnen schwer, sieben Meter hoch soll sie gleich in gut 60 Meter Höhe auf dem Turm von St. Hubertus die Lücke füllen, die dort seit dem Blitzeinschlag vor siebeneinhalb Jahren klafft. Viele, die vor der großen, 107 Jahre alten Kirche in Essen-Bergerhausen jetzt den Kopf immer weiter in den Nacken legen, waren dabei, als die Turmspitze an einem kalten Abend im Januar 2014 erst etwas qualmte und später wie eine Fackel Funken sprühte. Stundenlang versuchte die Feuerwehr damals von innen und außen, den Brand zu bekämpfen. Doch weil die Drehleitern nicht bis an die Spitze reichten, musste erst eine Spezialplattform aus Düsseldorf beordert werden, von der aus das Feuer gelöscht werden konnte.

Messdiener haben die Turmspitze in der Nacht bewacht

Auch Daniel, Antonia, Alexandra und Otto stehen vor der Kirche und verfolgen die Arbeiten mit erstaunlich wachen Augen. Die ganze Nacht über haben die vier Messdiener der Gemeinde in und vor der Kirche aufgepasst, dass der Spitze kurz vor der feierlichen Montage nichts passiert. Die schlanke Holz-Konstruktion war bereits am Vortag geliefert worden – und bevor angesichts des hell glänzenden Materials noch jemand auf dumme Gedanken kommt, haben die vier diesem einmaligen Ereignis den Nachtschlaf geopfert.

Und um halb sechs gab’s für die jungen Leute ja auch schon etwas zu Gucken: Ab da baute sich neben der Kirche der Schwerlast-Autokran auf, um dann gegen 8 Uhr bereits eine erste Metallplatte auf den Turm zu hieven. Auf dem sauber abgesägten Turmstumpf fixiert, ist sie die Basis für die eigentliche Spitze, die nun erstaunlich zügig nach oben schwebt. Zuvor hatten die Arbeiter zur Eile gemahnt: Das Wetter wird schlechter, hoffentlich nimmt der Wind nicht zu.

Darum dauert die Turmsanierung so lange

Bereits kurz nach dem Brandschaden hatte das Bistum Essen die für die Sanierung benötigten Gelder zugesagt. Wenig später stellte sich dann jedoch heraus, dass deutlich umfangreichere Arbeiten an dem 100 Jahre alten Turm erforderlich waren, um diesen für die Zukunft zu erhalten. Unter anderem ging es dabei um die Tuffstein-Fassade. Als zudem wenig später die Pfarreientwicklungsprozesse (PEP) des Bistums angekündigt wurden, bei denen auch alle Standorte der Pfarreien einer Prüfung unterzogen werden sollten, entschlossen sich die Gremien der Pfarrei, diese Prüfung zunächst abzuschließen. Erst als die Pfarrei 2017 in ihrem PEP-Votum St. Hubertus eine langfristige Perspektive eröffnete, konnten die Planungen wieder aufgenommen werden.

Kranführer fädelt die Spitze in ein Karree aus Gerüstplanken ein

Oben auf dem Gerüst stehen jetzt eine Handvoll Handwerker. Sie beobachten, wie der Kranführer weit unten die Turmspitze bei ihnen in luftiger Höhe präzise in ein Karree aus Gerüstplanken einfädelt. Sie bringen die Spitze in Position, verschrauben sie mit der Metallplatte und lösen den Kranhaken, der wieder Richtung Erdboden schwebt.

Oben wie unten macht sich Entspannung breit: Das Wichtigste ist geschafft – und das viel schneller als befürchtet. Auch Generalvikar Klaus Pfeffer macht sich vor Ort ein Bild vom Fortschritt der Arbeiten. 2014 hatte er gleich nach der Brandnacht zugesichert, dass das Bistum den Turmschaden reguliert. Neben ihm steht der Essener Bundestagsabgeordnete Matthias Hauer (CDU). Er hat sich in Berlin massiv dafür eingesetzt, dass die Bundesregierung die weiteren Arbeiten an der denkmalgeschützten Kirche mit zwei Millionen Euro unterstützen wird: Wenn der Turmhelm mit der neuen Spitze wieder mit neuem Kupfer eingedeckt ist, werden die Arbeiten weiter unten an der Tuffstein-Fassade des Turms fortgesetzt. Dort ist Feuchtigkeit eingedrungen und hat viele Steine zerstört. Diese Arbeiten werden weniger spektakulär sein als die neue Spitze – aber noch aufwändiger und länger dauern. „Herbst 2023“ hört heute auf der Baustelle, wer nach dem endgültigen Abschluss der Turm-Sanierung fragt.

 

Baukosten in Millionenhöhe

Die gesamte Turmsanierung an St. Hubertus wird mehrere Millionen Euro kosten, wobei die genaue Summe erst nach Abschluss der Arbeiten feststeht. Finanziert werden die Arbeiten im Wesentlichen aus Mitteln der Pfarrei und des Bistums Essen. Für die Sanierung der Tuffstein-Fassade hat zudem die Bundesregierung eine Unterstützung in Höhe von zwei Millionen Euro zugesagt. Außerdem haben Mitglieder der Gemeinde bislang insgesamt rund 50.000 Euro für die Turmsanierung gespendet

Wettersegen fürs Turmkreuz

Vier Männer tragen nun das Turmkreuz aus der Kirche. Mit Blumen geschmückt lag es am Sonntag in der Messe vor dem Altar. Und als Pastor Ludger Toups dann den Wettersegen sprach, werden manchem Gemeindemitglied auch hier die Bilder der Brandnacht in den Sinn gekommen sein und das Bangen, ob das zwei Meter hohe Metallkreuz womöglich vom Turm stürzt und ins Kirchenschiff schlägt. Auch aus dieser Sorge heraus hatte ein Feuerwehrmann damals als erstes das Kreuz geborgen, als ihn die Plattform nah genug an die Turmspitze herangebracht hatte. Jetzt liegt das Kreuz da, wo vorher die Spitze stand. Wie einen Schal legen der Gemeinderatsvorsitzende Ralph Kunze und der ehrenamtliche Küster und Baustellenbegleiter Herbert Engel dem Kreuz einen Tragegurt um – und dann schwebt auch das Turmkreuz am Haken des Krans zurück an seinen alten Platz.

Und während oben noch geschraubt und fixiert wird, herrscht unten Zufriedenheit: Kein Regen, nicht zu viel Wind – und eine tolle Zusammenarbeit der beteiligten Firmen. Alles hat geklappt wie am Schnürchen. Nur die meisten Essenerinnen und Essener, die den Kirchturm von vielen Stellen der Ruhrmetropole als markante Landmarke kennen, werden die entscheidenden Fortschritte wohl erst in den kommenden Wochen erkennen, wenn nach und nach das Gerüst am Turmhelm abgebaut wird. Wenn dann die neue Spitze mit dem frisch verlegten, rot glänzenden Kupfer zum Vorschein kommt, soll der Turm wieder komplett wirken – und eben aussehen wie ein richtiger Turm.

Drohnenflug über die neue Kirchturmspitze

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Bilder aus der Brandnacht

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