von Thomas Rünker

St. Augustinus und St. Joseph schließen sich zusammen

Katholiken aus beiden Gelsenkirchener Pfarreien feiern Zusammenschluss mit einem gemeinsamen Gottesdienst. Zur neuen Pfarrei gehört der gesamte Süden der Ruhrgebietsstadt. An der Seelsorge in den Stadtteilen vor Ort wird sich durch die Vereinigung nichts ändern, sagt Propst Markus Pottbäcker im Interview.

„Gemeinsam Licht sein“ – unter diesem Motto haben Gläubige der Gelsenkirchener Pfarreien St. Joseph und St. Augustinus am Sonntagnachmittag in einem feierlichen Gottesdienst den Zusammenschluss ihrer beiden Pfarreien gefeiert. Als Zeichen dafür, dass St. Joseph künftig Teil der neuen, nun deutlich größeren Pfarrei St. Augustinus ist, brachten Vertreter aus St. Joseph die große hölzerne Statue des Heiligen Joseph aus der bisherigen Pfarrkirche in Schalke mit zum Gottesdienst in der Innenstadt.

Im Interview spricht Propst Markus Pottbäcker, der zuletzt beide Pfarreien geleitet hat, über die Hintergründe für den Zusammenschluss und die Perspektiven für die neue, gemeinsame Pfarrei.

Propst Pottbäcker, warum werden die beiden Pfarreien St. Augustinus und St. Joseph zusammengeschlossen?

Den Auslöser für diesen Prozess hat die Pfarrei St. Joseph gegeben. Sie hat 2017 im Votum ihres Pfarreientwicklungsprozesses festgehalten, dass die künftige Pfarrkirche ihrer Pfarrei St. Augustinus in der Innenstadt sein soll. Dies war zwar seinerzeit mit der Pfarrei St. Augustinus so abgestimmt, aber doch ein deutlicher Schritt von St. Joseph auf St. Augustinus zu. Auf dieser Basis habe ich gemeinsam mit Pfarrer Ingo Mattauch, der die Pfarrei St. Joseph ja bis Ende Mai geleitet hat, immer wieder beraten, wie ein solcher Zusammenschluss gut gelingen kann. Vor allem mit Blick auf die Gremienwahlen in diesem November haben wir dann den beiden Pfarreien und dem Bistum vorgeschlagen, diesen Schritt jetzt, zum 1. September, zu gehen. So können wir im November einen neuen, paritätisch mit Vertretern beider bisheriger Pfarreien besetzten Pfarrgemeinderat und auch einen Kirchenvorstand wählen, in dem Menschen aus beiden bisherigen Pfarreien vertreten sein können.

Wie haben die Gläubigen auf den anstehenden Zusammenschluss reagiert?

Die Menschen in St. Augustinus und die in den Gremien Engagierten sind zwar informiert, aber nie wirklich gefragt worden, ob sie den Zusammenschluss wollen – und doch gab es da von Anfang an eine Haltung im Sinne von: Ok, gehen wir es an und machen wir es möglichst gut. Auch wenn der eigentliche Impuls von St. Joseph ausging, sind dort die emotionalen Herausforderungen aus meiner Sicht noch größer, weil eben keine neue Pfarrei entsteht, sondern St. Joseph in St. Augustinus aufgeht.

Warum haben Sie keine neue, gemeinsame Pfarrei gegründet, wie zuletzt die Pfarrei Cosmas und Damian im Essener Norden?

Das hat rein finanzielle Gründe. Die Pfarrei St. Augustinus ist Mehrheitsgesellschafter der St. Augustinus GmbH, die an 15 Standorten in Gelsenkirchen, Gladbeck und Bottrop unter anderem Krankenhäuser, Pflegeheime und Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen betreibt. Bei der Gründung einer neuen Pfarrei hätte die Kirche durch den Übergang dieser Gesellschaft auf die neue Pfarrei sehr viele Steuern zahlen müssen. Dies konnten und wollten wir nicht – deshalb haben wir uns dafür entschieden, dass die kleinere Pfarrei St. Joseph in St. Augustinus integriert wird.

Die neue Pfarrei St. Augustinus

Durch den Zusammenschluss mit St. Joseph umfasst die neue Pfarrei St. Augustinus nun den gesamten Gelsenkirchener Süden südlich des Rhein-Herne-Kanals mit insgesamt rund 33.000 Mitgliedern. Zu den zuletzt gut 19.000 Katholikinnen und Katholiken aus St. Augustinus (Innenstadt, Bulmke-Hüllen und alle Stadtteile südlich der Haupt-Bahnstrecke) kommen nun noch einmal 14.000 Gemeindemitglieder aus dem bisherigen Gebiet von St. Joseph hinzu (Feldmark, Schalke, Heßler, Bismarck, Haverkamp).

Und das wird gelingen?

Letztlich wird dafür vor allem die Atmosphäre entscheidend sein, die wir im neuen Miteinander der Katholikinnen und Katholiken im Gelsenkirchener Süden schaffen. Die Pfarrei St. Joseph ist schon seit Jahren geprägt von Menschen, die Kirche mit einem großen Sinn für die Realitäten gestalten. Ich bewundere die Nüchternheit, mit der sie auf diesen Prozess schauen, und bin mir sicher, dass wir in der neuen Pfarrei St. Augustinus viel voneinander lernen werden. Schauen Sie sich nur die Unterschiede zwischen der Pfarrei St. Augustinus an, die in vielen Bereichen noch stark an Gemeinden und Kirchorten orientiert ist – und St. Joseph, wo das vielfach schon nicht mehr der Fall ist und stattdessen die Pfarreiperspektive dominiert.

Wie kann die Seelsorge in einer so großen Pfarrei sinnvoll strukturiert werden?

In dem wir weiter als Kirche bei den Menschen in den Stadtteilen präsent sind. Durch den Zusammenschluss ändert sich ja nichts in der Seelsorge: Wir werden weiter taufen, trauen, beerdigen, die heilige Messe feiern und für jeden ansprechbar sein, der einen Kontakt zur Kirche sucht. Natürlich werden wir in Zukunft schauen, wie wir uns in der neuen Pfarreistruktur weiter entwickeln, was wir bündeln und welche Angebote wir neu entwickeln – da setze ich auf die Kreativität eines nun größeren Pastoralteams und zahlreicher ehrenamtlich engagierter Christinnen und Christen, die unsere Kirche mitgestalten. Ein konkretes Projekt wird etwa die Frage, wie es in St. Josef in Ückendorf weiter geht, wenn die Franziskaner-Patres uns dort im kommenden Jahr verlassen. Dafür werden wir nun gemeinsam eine Perspektive entwickeln.

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