von Thomas Rünker

Smartphone-Schnitzeljagd statt Fronleichnamsprozession

Mit ihrem Fronleichnamsweg bietet die Hattinger Pfarrei St. Peter und Paul eine coronataugliche Alternative, um rund um den Feiertag an der frischen Luft in Bewegung zu sein und sich mit Gott, der Welt und den sieben Sakramenten zu beschäftigen. Familie Lüttenberg aus Hattingen-Welper hat den Weg schon mal getestet.

Eine Fronleichnams-Prozession kann es in diesem Jahr wieder nicht geben. Aber draußen sein und sich in Bewegung mit Gott und der Welt zu beschäftigen, das geht als Familie oder in anderen kleinen Gruppen auch in Corona-Zeiten. Unter der Überschrift „Momentma(h)l“ hat die Hattinger Pfarrei St. Peter und Paul einen Weg gestaltet, der die körperliche und geistige Bewegung miteinander verbindet.

„Das wird wie eine Schnitzeljagd“ hat der sechsjährige Jakob gleich erkannt, als Papa Christian Lüttenberg am Mittwochnachmittag an der St.-Joseph-Kirche in Hattingen-Welper sein Smartphone zückt. Zusammen mit Jakobs Bruder Mika (8) und Mama Rabea Lüttenberg will die vierköpfige Familie den Fronleichnamsweg schon am Vorabend des Feiertags testen. In der Kirche gibt’s ein Begleitheft – und der QR-Code im Schaukasten liefert die Internetseite mit der Route des Wanderwegs von der Kirche in Welper bis zur Pfarrkirche St.Peter und Paul in der Hattinger Altstadt. Flotten Schrittes geht es vom Hügel in Welper runter ins Ruhrtal. Rabea Lüttenberg ist hier aufgewachsen und kennt sich aus – trotzdem geht Mika mit der Navigations-App in Papas Handy voran. Stolz wie Oscar verkündet er: „In 60 Metern müssen wir rechts ab, jetzt noch 50 Meter, 40 …“

„Wir sind oft und gerne draußen“

„Wir sind oft und gerne draußen“, sagt Rabea Lüttenberg, „gerade jetzt in der Corona-Zeit“. Die Jungs müsse sie jedenfalls nicht großartig für einen Spaziergang motivieren. Ganz im Gegenteil: Nach Kälte und Regen freuen sich die beiden Kinder mindestens so sehr wie die Eltern, endlich wieder die Sonne im Grünen zu genießen. „Guck mal, wie schön das ist“, sagt Jakob und zeigt auf die Ruhr, die Wiesen und die Bochumer Ruhrhöhen auf der anderen Flußseite.

Nur die versprochenen QR-Codes an verschiedenen Stationen des Wegs, die hat noch keiner entdeckt. Weder an der Kirche in Welper, noch irgendwo unterwegs. Erst an der Skaterbahn am Minigolfplatz, nach knapp drei der insgesamt gut sechs Kilometer Strecke werden die Lüttenbergs fündig, „aber auch nur, weil ich das Bild vorher schon mal im Internet gesehen habe“, lacht Rabea Lüttenberg. Der Aufkleber mit einem bunten Foto versteckt sich hier unter einer Holzbank – und der QR-Code ist kaum größer als eine Briefmarke. Aber er funktioniert. Hier am Skaterpark steht das Thema „Firmung“ auf der Agenda. Eine der sieben Stationen zu den sieben Sakramenten der katholischen Kirche, die der Fronleichnamsweg beschreibt. Christian Lüttenberg liest einen Text und ein Gebet vor – und auch die Bibelstelle. Die sollte eigentlich als Audio-Datei aus dem Handy kommen, aber irgendwie streikt gerade die Technik. Gut, dass alles auch noch mal im Textheft steht.

Am Standesamt geht’s um die Ehe

Die Hattinger Fronleichnamswege

Neben dem Wanderweg von St. Joseph in Hattingen Welper zur Pfarrkirche St. Peter und Paul in der Innenstadt bietet die Pfarrei auch eine Fahrradtour von der Kirche St. Mauritius in Hattingen-Niederwenigern nach St. Peter und Paul an. Auch auf der Fahrradtour gibt es sieben Stationen mit Texten zu den Sakramenten. Alle Informationen zu den Routen und den Stationen gibt es online auf https://bistum.ruhr/hattingenfronleichnam. Die QR-Codes hängen noch bis Ende der kommenden Woche.

Weiter geht’s entlang der Ruhr in Richtung Innenstadt. Die nächsten QR-Codes entdeckt Familie Lüttenberg am Standesamt – hier geht’s auch auf dem Fronleichnamsweg um die Ehe – und an der Pfarrkirche, wo sich die Station um die Eucharistie dreht, die christliche Gemeinschaft in Brot und Wein, die ja auch an Fronleichnam gefeiert wird. Bei dem Thema kennt sich Mika besonders gut aus, schließlich geht er im August zur Erstkommunion. Dass die Lüttenbergs aber bis zum Standesamt noch zwei Stationen verpasst haben, stellen sie erst zuhause fest, als sie sich die Internetseite des Fronleichnamswegs noch einmal genau anschauen und eine Liste mit den Koordinaten aller Stationen finden. Schlimm ist das nicht. „Der Weg hat total Spaß gemacht“, sagt Rabea Lüttenberg. Zwei Stunden als ganze Familie an der frischen Luft – und das vor allem mit Papa Christian, der ansonsten oft im Homeoffice-Keller Überstunden schiebt: „Dafür war der Fronleichnamsweg echt eine tolle Gelegenheit.“ Zumal sich am Ende alle vier Schatzsucher ein ordentliches Eis verdient hatten.

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