Schüler des Essener Mariengymnasiums erleben Fluchtgeschichten im „missio-Truck“

Im Flucht-Truck des katholischen Hilfswerks missio konnten Schüler des Essener Mariengymnasiums in Werden selbst nacherleben, was es heißt, im Kongo auf der Flucht zu sein.

Marie nimmt sich eine Postkarte aus den Fächern über dem Marktstand, darunter stehen Töpfe mit Gewürzen, Körbe mit Kastanien und Seife. „Sara, 16 Jahre“ steht auf der Vorderseite der Karte, darüber das Bild einer kongolesischen Jugendlichen. Auch Maries Mitschülerin Sophia zieht eine Karte, für die nächsten Minuten nimmt sie die Rolle von Christelle ein, einer 28-jährigen Medizinstudentin.

Gemeinsam öffnen die Beiden eine Holztür, dahinter verbirgt sich ein kleiner Kirchenraum. Gemeindemitglied Marcel begrüßt sie auf einem Bildschirm. Plötzlich hören die beiden Mädchen Schüsse, Marcel rät ihnen, sich hinter den Kirchenbänken zu verstecken: „Duckt euch! Das sind die Soldaten der Miliz! Ihr könnt jetzt nicht mehr zurück in Euer Heimatdorf. Draußen steht ein Lastwagen, der Fahrer bringt Euch von hier weg, packt schnell das Nötigste zusammen.“

Wenige Sekunden später müssen die Flüchtlinge die Kirche durch eine schmale Tür verlassen

Christelle hält den QR-Code ihrer Postkarte unter den Scanner eines Bildschirms. Dort muss sie auswählen, was sie am dringendsten benötigt: Ihren Pass, Wasser, Schuhe oder ein Buch. Sie entscheidet sich für das Wasser, eine Nachricht erklärt Ihr: „Deinen Pass wirst du dringender brauchen.“ Wenige Sekunden später müssen die Flüchtlinge die Kirche durch eine schmale Tür verlassen, stehen im Dunkeln neben einem kleinen Lastwagen. Auf der Ladefläche liegen Plastikkanister und Planen, auf dem Bildschirm vorne im Wagen beugt sich der Fahrer nach hinten, rät Christelle und Sara, auf ihrer Flucht nur abends und nachts zu Fuß zu gehen. Dann fährt er weiter Richtung Norden, spricht mit Christelle über ihr Studium.

Nach rund 30 Minuten steigen Marie und Sophia aus dem missio-Truck wieder auf den sicheren Parkplatzboden neben dem Mariengymnasium in Essen-Werden. Die 16-Jährigen sind sich einig: „Es ist cool, dass man zum Beispiel durch die Videos wirklich mittendrin ist und die Geschichten der Flüchtlinge nah mitbekommt. Das verstärkt nochmal die Eindrücke, die man durch die Nachrichten mitbekommt.“

Persönliche Schicksale kennenlernen, vor Ort helfen

Insgesamt zwei Tage steht der missio-Truck auf dem Gelände der Essener Schule. „Die Schüler können Vorurteile überprüfen, Schicksale von Flüchtlingen kennenlernen und erfahren, wie sie ihnen vor Ort oder in Deutschland helfen können“, erklärt Tété Agbodan, Truckbegleiter von missio. In einem Workshop vor oder nach dem Truckbesuch vertiefen die Schüler die Hintergründe zum Thema weiter, in zwei weiteren Räumen des Trucks lernen sie auch Fluchtursachen und persönliche Schicksale etwa in Syrien, Bangladesch oder Äthiopien kennen.

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