von Jürgen Flatken

Pilotprojekt: interreligiöser Gruppenleiterkurs mit jüdischen, moslemischen und christlichen Jugendlichen

19 Jugendliche aus den drei monotheistischen Weltreligionen haben an dem „JuLeiCa im Wandel“- Kurs teilgenommen, der von der Fachstelle Kinder, Jugend und Junge Erwachsene im Bistum Essen zusammen mit der Evangelischen Jugend Essen, dem Verein EBG Ruhr e.V. und der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen im Jugendhaus St. Altfrid in der ersten Ferienwoche durchgeführt wurde. Neben den Inhalten, die zur Ausbildung zum Gruppenleiter und zur Gruppenleiterin dazugehören, lernten die Teilnehmenden die anderen Glaubens- und Lebenswirklichkeiten kennen und hatten Seminare zu Rassismus und Antisemitismus.

„Ich habe hier das Judentum erst richtig kennengelernt. Natürlich hatte ich darüber schon einiges in der Schule gehört. Aber ich hatte mich vorher noch nie mit einer jüdischen Person unterhalten“, erzählt Kenan Akyörük. Der 20-jährige Student der Wirtschaftsinformatik nimmt an dem interreligiösen Gruppenleiterkurs „JuLeiCa im Wandel“ teil, der von der Fachstelle Kinder, Jugend und Junge Erwachsene im Bistum Essen zusammen mit der Evangelischen Jugend Essen, dem Verein Erziehung und Bildung ohne Grenzen Ruhr e.V. (EBG Ruhr e.V.) und der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen im Jugendhaus St. Altfrid des Bistums Essen in der ersten Ferienwoche durchgeführt wurde.

„Das Christentum habe ich schon über meine katholischen Freunde näher kennen gelernt“, berichtet der gläubige Moslem weiter und freut sich darüber, dass neben den Standartinhalten, die für den Erwerb der Jugendleiter/In-Card (JuLeiCa) notwendig sind, wie der Vermittlung rechtlicher Grundlagen, der Präventionsschulung und einem Erste-Hilfe-Kurs, auch Themen wie Rassismus, Antisemitismus und interreligiöse und interkulturelle Vielfalt behandelt wurden.

„Mein Blick auf das Judentum hat sich verändert. Vorurteile wurden abgebaut“, erzählt Kenan freimütig. „So wusste ich nicht, dass Jude-sein nicht gleichzusetzen ist mit der Zugehörigkeit zum Staat Israel.“ So wie er muslimischer Deutscher sei, sei seine Gesprächspartnerin jüdische Deutsche. Allein diese Erkenntnis war es wert, dass ich an dieser Ausbildung teilgenommen habe. Man bleibt sich fremd, wenn man nur nebeneinanderher herlebt und jeder in seiner Bubble bleibt.“

„Im Ruhrgebiet leben Menschen aus über 180 unterschiedlichen Herkunftsländern nach ihren Grundsätzen und Traditionen zusammen. Neben den großen christlichen Kirchen und der wachsenden Gruppe von Muslimen, sind im Ruhrgebiet rund 250 verschiedene Glaubensgemeinschaften vertreten“, erklärt Katarzyna Paczynska-Werner, Referentin für interkulturelle Jugendpastoral im Bistum Essen.

„Dementsprechend prallen in der Schule und nachmittags die Lebenswelten von jungen Juden, Christen und Moslems aufeinander. Aber bis jetzt hat jede religiöse Gruppe die JuLeiCa-Ausbildung durch ihre jeweilige Brille und nur für ´íhre` Jugendlichen durchgeführt.“ Um der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen näher zu kommen ist das Pilotprojekt „JuLeiCa im Wandel“ ins Leben gerufen worden. Mit dem Ziel, „sich gemeinsam positiv besser kennen und verstehen zu lernen, Einblicke in die anderen Glaubens- und Lebenswelten zu erhalten.“, führt Paczynska-Werner weiter aus. Der Mensch statt der Religion stünde dabei im Mittelpunkt.

„Auch aus Respekt, um sich eine eigene Meinung bilden zu können“, führt Kenan aus. „Das schafft Vorurteile ab, die bewusst oder unbewusst existieren.“ 19 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 22 Jahren haben sich auf das Abenteuer des sich Gegenseitig-vertraut-Machens eingelassen. Zehn Teamerinnen und Teamer aus den drei monotheistischen Weltreligionen begleiten sie dabei.

Projektförderung
Das Projekt wird gefördert durch das Bundesministerium des Innern und für Heimat in Umsetzung der Ziele der Deutschen Islamkonferenz aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

„Die Vielfalt der Jugendlichen in dieser Fortbildung entspricht eher der Lebenswirklichkeit in Jugendarbeit und Kultur“, ergänzt die 24-jährige Teamerin Zoe Stelzner. Und das sei gut so. „Schließlich ist es die Aufgabe der Jugendarbeit, alle Kinder und Jugendlichen zu erreichen und anzusprechen, zu fördern und zu schützen. Da ist die Religion erstmal egal“, betont die evangelische Christin, die in Bochum soziale Arbeit studiert. „Wenn ich die JuLeiCa nur in meiner Blase mache, dann komme ich nicht aus meiner eigenen Perspektive heraus.“ Dabei gelte es doch gerade da, den eigenen Blick zu weiten.

Für Kenan Akyörük waren es sehr intensive Tage in St. Altfrid. „Damit hatte ich nicht gerechnet.“ Die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften, die Konfrontation mit den eigenen Vorurteilen und das Kennenlernen „inspirierend neuer Leute“ seien die Anstrengung aber wert gewesen. „Der muslimische Glaube ist ein fester Bestandteil in meinem Leben.“ Daher haben er und seine Glaubensbrüder sich sehr darüber gefreut, dass sie den Meditationsraum des Bildungshauses als Gebetsraum nutzen konnten. Annäherung und Respekt fängt bei den kleinen Schritten an.

Referentin für Interkulturelle Jugendpastoral

Katarzyna Paczynska-Werner

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