Overbeck: „Transformation gehört zur DNA der Kirche“
Hunderte Gläubige hörten am Fronleichnamstag auf dem Essener Burgplatz die Predigt von Bichof Franz-Josef Overbeck. Foto: Nicole Cronauge | Bistum Essen
Die Kirche muss sich verändern, um ihrem Auftrag treu zu bleiben – diesen Gedanken hat Bischof Franz-Josef Overbeck am Donnerstag, 4. Juni, ins Zentrum seiner Fronleichnamspredigt gestellt. Ohne die ständige Erneuerung sei die 2000-jährige Geschichte des christlichen Glaubens nicht denkbar. „Transformation gehört zur DNA der Kirche“, sagte er beim Essener Fronleichnamsfest vor Hunderten Gläubigen auf dem Burgplatz am Dom.
Das Fronleichnamsfest selbst stehe für eine „Transformations- und Innovationsgeschichte“. Es sei im 12. und 13. Jahrhundert in einer Zeit entstanden, die „hoch produktiv war im theologischen Nachdenken über die Gegenwart Christi in der Eucharistie“. Die damals entwickelte Vorstellung, „dass nur ein reiner und von Gott erwählter Mensch wirklich imstande sein könne, die Eucharistie als solche zu empfangen“, sei bis in die 1970er Jahre hinein für viele Gläubige prägend gewesen. Dies habe sich verschoben, weil mit der Feier der Eucharistie als Gemeindefeier „der Gemeinschaftscharakter einen neuen innovativen und so auch transformatorischen Charakter bekam“, so Overbeck.
„Riesiges Innovations- und Transformationspotenzial der Eucharistie“
Der Bischof sieht ein „riesiges Innovations- und Transformationspotenzial der Eucharistie“ in der existenziellen Bedeutsamkeit Christi für den Alltag. Es gehe darum, „den Glauben nicht in einem folgenlosen Innerlichkeitsraum zu kultivieren“, sondern ihn mitten im Leben zu praktizieren. Eucharistie feiern sei „kein Erinnern an ein Relikt aus der Vergangenheit mit schönen liturgischen Formen, mit Liedern, die aus einer anderen Welt stammen, und Gewändern, deren Sinn und Zeichen wir erschließen müssen“. Eucharistie sei vielmehr der Aufruf, „es mit dem Glauben ernst zu machen“. Heute bedeute dies vor allem, „Menschen des Friedens zu sein, ist doch Christus selbst derjenige, der um des Friedens willen für alle sein Leben hingibt“.
Ökumenischer Haltepunkt steht für Fronleichnams-Transformation
Nach der Freiluftmesse auf dem Burgplatz zogen die Gläubigen in einer langen Prozession durch die Essener Innenstadt bis zur evangelischen Marktkirche. Seit 2018 steht der ökumenische Haltepunkt dort für eine Transformation des Essener Fronleichnamsfests. Marktkirchen-Pfarrer Jan Vicari begrüßte die katholischen Glaubensgeschwister. Er verwies auf Glaubensorte wie die Marktkirche oder den Dom, die „ausstrahlen“ in die Stadt und tief verwurzelt seien in ihrer Geschichte. „Von unseren Orten aus wird aber nicht Geschichte gemacht, sondern neue Geschichten in der Gegenwart“, betonte Vicari. Diese Geschichten würden zum Beispiel dort wachsen, wo Menschen sich gut begegnen, Zuwendung erfahren oder einen Weg für sich entdecken. Überall dort wachse „die Gegenwart unserer bunten Stadt“, sagte Vicari, bevor er gemeinsam mit seinem katholischen Cityseelsorge-Kollegen Bernd Wolharn für die Menschen in der Stadt Essen betete und sie segnete.
Zurück auf dem Burgplatz spendete Bischof Overbeck den eucharistischen Segen, bevor die Prozession mit der traditionellen Parade der Eucharistischen Ehrengarden endete – begleitet von Marschmusik des Schönebecker Jugendblasorchesters.












