Overbeck stärkt in schwierigen Zeiten den Blick auf das Wesentliche
Das Bischofswort zum neuen Jahr liegt in vielen Kirchen des Bistums Essen auch als gedruckte Fassung zum Mitnehmen aus. Foto: Nicole Cronauge | Bistum Essen
Angesichts schrumpfender Ressourcen und einer sich wandelnden Gesellschaft hat Bischof Franz-Josef Overbeck die Gläubigen des Bistums Essen in seinem Neujahrswort zu Realismus, Mut und verstärktem Zusammenhalt aufgerufen. „Wir werden uns schon sehr bald einer Realität stellen müssen, von der wir vielleicht ahnten, dass sie kommen würde – die wir aber dennoch viel zu lange ausgeblendet haben“, betonte Overbeck in seiner Botschaft, die in den Gottesdiensten des Wochenendes vorgelesen wurde. „Die Zahl der Kirchenmitglieder und unsere finanziellen Mittel für unseren Auftrag sind in den vergangenen Jahren schon stark zurückgegangen“, benennt der Bischof die finanziellen und strukturellen Herausforderungen, vor denen das Bistum Essen steht. Diese Entwicklung werde sich zuspitzen. „Weitere Einschnitte sind unvermeidbar, um zukunftsfähig zu bleiben“, so der Bischof.
Das Programm „Christlich leben. Mittendrin.“ solle helfen, „in kleiner werdender Zahl enger zusammenzurücken und christliches Leben für die Zukunft zu sichern – wenn auch in veränderter Form“. Der Bischof warnt davor, die Augen vor der Realität zu verschließen: „Wir müssen akzeptieren, dass wir zu einer Minderheitskirche in einer pluralen Gesellschaft werden.“ Doch gerade diese Einsicht könne den Weg ebnen, „mutig zusammenzustehen und uns auf das Wesentliche zu besinnen“. Der kirchliche Auftrag bleibe trotz schrumpfender Größe derselbe: „Salz der Erde und Licht der Welt zu sein. Entscheidend ist unser Vertrauen auf diese Zusage, nicht unsere Größe oder Finanzkraft.“
Trotz düsterer Aussichten auch hinsichtlich der vielen Krisen und Kriege in der Welt ruft Overbeck dazu auf, die Gegenwart „im Licht der Hoffnung“ zu betrachten. Die Kirche müsse ihr „soziales Gesicht“ zeigen und glaubwürdig für Gerechtigkeit und Frieden eintreten. „Wo wir unseren Glauben in tätiger Nächstenliebe leben, schaffen wir Vertrauen und überwinden Gräben“, schreibt der Bischof in seinem Neujahrswort. Er würdigt das Engagement vieler Gläubiger, die sich ehrenamtlich oder beruflich für Kranke, Arme und Ausgegrenzte einsetzen: „Ohne Christinnen und Christen und die Netzwerke der Kirche würde unserem Land etwas Wesentliches fehlen.“
Overbeck appelliert an die Gläubigen: „Bewahren Sie sich den Mut, Ihr Christsein hoffnungsvoll und engagiert zu leben!“ Die Frohe Botschaft Jesu Christi müsse „ins Heute“ übersetzt werden – „indem wir mit Worten und Taten Zeugnis für das Gute ablegen“. Nur so bleibe die Kirche auch in schwierigen Zeiten relevant.
Das Wort des Bischofs zum neuen Jahr (pdf)