von Thomas Rünker

Oblaten eröffnen neues Kloster in Essen

Drei Patres werden in den Pfarreien St. Laurentius (Essen) und St. Gertrud von Brabant (Bochum-Wattenscheid) mitarbeiten und sich insbesondere beim Projekt Gastkirche der Gemeinde St. Barbara in Essen-Kray engagieren.

Jetzt sind sie da: Nach wochenlangen Planungen und Vorbereitungen hat Essen ein neues katholisches Kloster. Mit einem festlichen Gottesdienst zum dritten Advent und viel Begegnung rund um die Kirche St. Barbara in Essen-Kray haben der Oblatenorden, die Gemeinde St. Barbara und ihre Gäste am Sonntag die Einweihung des Klosters im ehemaligen Krayer Pfarrhaus gefeiert. Zusammen mit Weihbischof Ludger Schepers und Pfarrer Andreas Geßmann feierte der Provinzial der mitteleuropäischen Provinz der Oblaten, Pater Felix Rehbock, die Messe zur Einführung der Gemeinschaft und segnete mit Weihwasser die neuen Klosterräume und die Kapelle. Die drei Ordensleute Jens Watteroth, Waldemar Brysch und Thomas Wittemann sind dort jetzt zuhause.

Die drei Patres werden künftig in den Pfarreien St. Laurentius im Essener Osten und der Bochum-Wattenscheider Pfarrei St. Gertrud von Brabant tätig sein. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit soll aber rund um die Krayer Kirche St. Barbara liegen, die in den kommenden Jahren zu einer Gastkirche umgebaut werden soll. Neben dem Ort für Gebet und Gemeindeleben soll die Kirche mit dem höchsten Essener Kirchturm im Zentrum des früheren Bergarbeiter-Stadtteils auch eine Anlaufstelle für Menschen mit den unterschiedlichsten Anliegen und Problemen werden.

Die neuen Oblatenpatres in Essen

Das Ruhrgebiet ist für alle drei Krayer Oblatenmissionare bislang Neuland. Umso mehr freuen sich die Patres, ihre neue Nachbarschaft nun Tag für Tag entdecken und kennenlernen zu können.

Jens Watteroth
Der 40-Jährige leitet die kleine Hausgemeinschaft im neuen Essener Kloster. Er stammt aus Karlsruhe und war zuletzt hauptsächlich in der Jugendpastoral des Oblaten-Jugendklosters in Fulda eingesetzt.

Waldemar Brysch
Gebürtig in Oberschlesien kam der heute 60-Jährige 1978 nach Deutschland. Er wurde Priester und Oblate und kam 2002 ins Kloster im bayerischen Kronach. Von dort aus leitete er mehrere Dorfpfarreien und wurde Dekanatsjugendseelsorger.

Thomas Wittemann
Geboren in der Nähe von Karlsruhe war der 52-jährige Wittemann zuletzt im Nikolauskloster der Oblaten in Jüchen tätig, unter anderem auch als Pfarrvikar.

Schepers: Güte soll ein Markenzeichen des neuen Klosters werden

Weihbischof Schepers stellte im Gottesdienst die beiden Begriffe Freude und Güte aus der Lesung des dritten Adventssonntags ins Zentrum seiner kurzen Begrüßung: „Wie groß war und ist die Freude in der Pfarrei und in der Gemeinde hier in Kray über den Einzug der drei Oblatenpatres und über ihr neues Kloster, wie groß die Freude, dass die drei Ordensmänner das wichtige Projekt der Gastkirche hier in St. Barbara mit unterstützen wollen!“, sagte Schepers. Die im biblischen Text erwähnte Güte solle „ein Markenzeichen für das neue Kloster werden“, wünschte der Weihbischof. Durch das Leben und Wirken der Oblaten solle „ihre Güte alle Menschen bekannt werden“.

Provinzial: „Wir wollen Ausrufezeichen sein für Gottes Gegenwart!“

Nach vielen Fragezeichen im Vorfeld der Klostergründung bringe er heute „drei Ausrufezeichen“ nach Kray, sagte der Provinzial Pater Felix Rehbock in seiner Predigt mit Blick auf die drei Patres seines Ordens. „Wir wollen Ausrufezeichen sein für Gottes Gegenwart!“ Oblaten lebten nicht „in einer Sonderwelt, sondern mittendrin“ hob Rehbock hervor. „Was beschäftigt uns, was beschäftigt die Menschen hier? Was sind die großen Fragen jetzt, zwischen Corona, der Sorge um Arbeitsplätze, der multikulturellen Realität, die wir hier haben?“

Auch wenn der dritte Adventssonntag in der Kirche unter dem Stichwort der Freude stehe, gebe es viele Menschen, die in diesen Tagen nicht zu lachen hätten, betonte Rehbock. Gerade sie bräuchten die Ausrufezeichen, die Mut machen, dazu rufe die Bibel auf: „Lasst die Hände nicht sinken! Verliert nicht den Mut! Schaut, Gott hat euch in der Vergangenheit immer wieder Gründe gegeben, euch zu freuen. Er wird das auch in Zukunft tun, auch wenn ihr das momentan beim besten Willen nicht glauben könnt.“ Seinen drei Mitbrüdern wünschte Pater Felix Rehbock: „Taucht bei Gott ein, dann taucht ihr in der Nähe der Menschen wieder auf. Lebt das Evangelium und diese Hoffnung – diese Freude mit den Menschen hier in Essen-Kray.“

Die Oblatenmissionare

Nein, diese Oblaten haben nichts mit dünnen Gebäckscheiben zu tun. Aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet Oblaten so viel wie „darbringen“ oder „weihen“. Sich selbst beschreiben die Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria als eine missionarische Ordensgemeinschaft der katholischen Kirche, die die Frohe Botschaft verkündet und sich weltweit für Entwicklung und Gerechtigkeit engagiert. 1816 von dem französischen Adeligen und Priester Eugen von Mazenod gegründet gibt es Oblatenmissionare heute auf allen Kontinenten. Das neue Kloster in Essen-Kray gehört zur mitteleuropäischen Provinz (mit Deutschland, Österreich und Tschechien), in der rund 150 Patres, Brüder und Studenten in 15 Klöstern leben.

Für die Gemeinde wirken die Patres „wie ein Zeichen vom Himmel“

Darauf ist Elke Scheermesser schon gespannt. Zusammen mit Petra Haake und Eva Schmelnik leitet sie ehrenamtlich die Gemeinde St. Barbara, seit der letzte Pastor dort vor eineinhalb Jahren in den Ruhestand gegangen ist. „Die Gemeinde freut sich natürlich total über das neue Kloster“, sagt Scheermesser. Gerade mit Blick auf das Projekt der Gastkirche erschien die Nachricht, dass die Gemeinde nun von drei hauptamtlichen Priestern unterstützt wird „wie ein Zeichen vom Himmel“. In den vergangenen Jahren sei es erst darum gegangenen, die Gemeinde von der Idee der Gastkirche zu überzeugen, und dann gemeinsam erste Schritte zu gehen. „Doch dann hieß es: ,Das ist ja eine tolle Idee, aber …‘ – und dieses ,Aber‘ war oft so viel größer als unsere Vision“, erinnert sich Scheermesser. Als dann auch noch Corona die ersten zaghaften Versuche eines Cafés in der Kirche ausbremste, sei die Nachricht von den drei Patres, die gerade ein solches caritatives Projekt suchten, ein enormer Motivationsschub gewesen.

Gemeinsam mit den Patres und den Ehrenamtlichen im Team soll nun überlegt werden, wie das Projekt weiter angeschoben werden kann. Scheermesser träumt zumindest von kleineren Umbauten in der Kirche, etwa einer Küchenzeile und Toiletten, um demnächst vielleicht sowohl für die Kirchenbesucher als auch zum Beispiel für Obdachlose und andere Bedürftige ein Café in der Kirche einzurichten. Immerhin: Ein großer Tisch steht bereits im Kirchenschiff zwischen den letzten beiden Bankreihen. Und seine gastlichen Qualitäten konnte dieser ungewöhnliche Platz bei der Einweihungsfeier am Sonntag schon bestens unter Beweis stellen.

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