Mein Ostern 2020

Fast alles, was zu Ostern gehört, ist Corona-bedingt dieses Jahr ausgefallen: das Rumbringen der gesegneten Palmzweige, die großen Gottesdienste, die Osterfeier, das Osterfeuer. Und viele waren mit sich allein, oder zu zweit. Nichts von wegen Jubel und Trubel in Gemeinschaft. Ein Grund für uns, einmal nachzufragen, wie die Heiligen Tage dieses Jahr begangen wurden.

Fünf Ostergeschichten aus dem Ruhrbistum

Verena Nowak mit Mann Jörg und den Kindern Jakob (9) und Jonas (11), Gemeinde St. Marien in Wattenscheid-Höntrop

„Normalerweise gehen wir am Ostermorgen um fünf Uhr in die Kirche“, erzählt Verena Nowak. „Da das dieses Jahr ja ausfiel, haben wir stattdessen ein kleines Osterfeuer im Garten gemacht. Dazu haben wir Namen von Menschen auf Zettel geschrieben, die wir gerne dabeigehabt hätten und ums Feuer gelegt. So waren sie zumindest im Herzen mit dabei.“ Not macht erfinderisch. So auch die Idee des neunjährigen Jakob, der vor zwei Wochen angefangen hat, abends um 18h im Garten Gitarre zu spielen. Wie an Palmsonntag, zusammen mit seinem Vater am Akkordeon. „Unterstützt von Freunden vom Garagenhof aus haben wir passend zum Einzug Jesu in Jerusalem das ´Hosianna` angestimmt“, freut sich Mutter Verena über die Aktion.

Das Pastoralteam der Gemeinde St. Marien in Wattenscheid-Höntrop hatte für die Kar- und Ostertage Impulse entwickelt, Videos zu jedem Tag eingestellt, um sich zuhause auf das höchste Fest der Christen einzustimmen. So gab es zum Karfreitag auch einen Podcast. „Mithilfe des Podcasts konnten wir in Gedanken den Kreuzweg mitgehen, dem wir sonst als Familie durch unseren Stadtteil gefolgt wären“, bedauert die Familie. „Das hat uns alles schon sehr gefehlt. Wie auch das Gemeinschaftsgefühl.“ Gerade für Kinder sei das Mit-tun wichtig, wie Feuer zu machen, den Palmzweig zur Oma bringen oder auch den Kreuzweg abzugehen.

„Wir haben ein anderes Ostern erlebt. Sehr intensiv in der Familie, mit den Kindern, aber es hat auch viel gefehlt. Es wird einem tagtäglich der Blick geschärft, wie wichtig es auch ist, den Glauben in Gemeinschaft zu erleben. Das haben wir vermisst. Es war schön, zu Hause zu feiern, aber anders.“

Vanessa Fein, 24, Medizinstudentin aus Bochum, hat zusammen mit ihrem Freund Rainer, 25, das Angebot #ChristAtHome, der Abteilung Kinder Jugend und Junge Erwachsene des Bistums Essen, genutzt

„Dieses Ostern war schon sehr anders, aber es für mich und meinen Freund schon die richtige Entscheidung, es allein zu feiern“, berichtet Vanessa Fein. Gottesdienste im Fernsehen kamen für die beiden nicht in Frage, „weil wir nicht wirklich daran teilnehmen können, eher Zuschauer sind. Aber Ostern ganz ohne Kirche hätte ich mir auch nicht vorstellen können.“ Beide sind auch in der Bochumer Hochschulgemeinde aktiv und waren einfach „neugierig, was man sich bei #ChristAtHome ausgedacht hat.“ Schließlich gab es so eine Situation noch nie.

„Es war natürlich nicht so, wie der Oster-Gottesdienst in der Gemeinde, mit Feuer, Kerze und Gloria. Aber für die Situation war es total passend“, freut sich die Studentin. „Es gab so ein paar Impulse, die es sonst nicht so gibt.“ Normalerweise hört man an Karfreitag die Leidensgeschichte Jesu und verehrt danach das Kreuz. „Jetzt war Frage: wie machen wir das alleine?“ #ChristAtHome hatte für Karfreitag ein Video angeboten, das Fotos einspielte, die Leid und Verzweiflung ausdrückten und sich am Ende zu einem Kreuz zusammenfügten. „Das zeigte eine ganz andere Perspektive auf, der Fokus war auf das Leid der Welt gelegt. Ein toller Gedanke“, freute sich die 25-Jährige über den Impuls. Das Klassische wurde durchbrochen, eine neue Perspektive eröffnet. Wie auch zu Ostern, als das ´Sing Hallelujah` von Dr. Alban aus dem Lautsprecher drang. „Wir würden es wieder genauso machen: ausprobieren und experimentieren.“ Wie auch ihre kleine Gebetsecke mit Kreuz und Kerze.

Pater Lutz Müller, Jesuit, lebt in Essen im Abuna-Frans-Haus mit Pater Ludger Hillebrand und bis zu acht Flüchtlingen in einer Hausgemeinschaft

„Dieses Jahr ist ja alles anders. Warum nicht andere Wege gehen?“, dachte sich Pater Lutz und entschied sich dafür, „die fünf großen Gottesdienste von Palmsonntag über Gründonnerstag bis hin zur Osterliturgie über den Konferenzanbieter Zoom“ anzubieten: drei Eucharistiefeiern und zwei Wortgottesdienste – vom heimischen Wohnzimmertisch aus. „Keinen Gottesdienst-Stream, sondern eine Mitfeier wollte ich ermöglichen.“

Sein Fazit: „Es war ein sehr spezielles Erlebnis. Zum einen, weil es sehr persönlich war, eine der intimsten Gottesdienstformen, die ich kenne.“ Das Wohnzimmer der Gemeinschaft wurde zur Kirche.“ Das erlaubte Einblicke privater Natur von außen, aber auch andersherum: „Ich sah nicht nur die Gesichter der 30 bis 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Ich war auch zu Gast bei denen zuhause, im Wohnzimmer, in der Küche. Und dadurch das alle sich auf ihrem Bildschirm sehen konnten wurde es zu einem face-to face-Erlebnis, was wir aus der Kirche so gar nicht kennen“, freut sich der Pater. „Lustig war auch zu sehen, was alles so nebenbei ablief“, berichtet er weiter: die eine spielte mit ihrem Hund, der andere machte sich etwas zu essen, man ging ans Telefon. „Die Leute schienen sich dessen nicht bewusst zu sein, dass wir alles verfolgen konnten.“

Neben den rituellen Handlungen hieß es aber auch das Meeting zu verwalten, Mikrofone stumm zu stellen beim Singen, da die Stimmen nicht synchron übertragen wurden. Alles in allem aber „eine faszinierende, intensive Erfahrung".

Thomas Liedke, Pastoralreferent in St. Marien Oberhausen, mit Frau Katharina und den Kindern Johanna (9) und Matthias (7)

„Das Highlight für die Kinder war der Moment, als die Ostergeschichte als Schattentheater an die Wand projiziert wurde“, erzählt Thomas Liedtke lachend. „Die Silhouetten habe wir vorher ausgeschnitten und auf den Overhead-Projektor gelegt.“ Anschließend musste eine kleine Kerze als Osterfeuer-Ersatz herhalten, an der dann die Osterkerze entzündet wurde.

Seine Arbeit als Gemeindereferent spielte Liedtke in die Karten, als es darum ging, das Osterfest im privaten Kreis vorzubereiten: „Ich habe für die Kommunionkinder kleine Hefte mit Angeboten vorbereitet, die neben Bibeltexten auch Aktionsideen wie Palmstock basteln enthalten haben. Aus diesem Fundus haben wir für uns selber dann auch die Gottesdienste zusammengestellt“, erzählt er. „An den jeweiligen Tagen haben wir uns dann zusammen mit den Großeltern, die mit im Haus leben um einen Tisch gesetzt und einen Wortgottesdienst gefeiert.“ Dazu wurden Lieder gesungen, wie ´Lasst uns miteinander` oder ´Jesus zieht in Jerusalem ein`, damit auch die zwei Kinder mitsingen konnten. An Palmsonntag wurden Palmzweige mit Weihwasser gesegnet und mit dem ´Hosianna` der Einzug Jesu in Jerusalem gefeiert, Karfreitag wurde der Kreuzweg in kindgerechter Form mit verteilten Rollen gelesen.

„Wir haben diese Tage mit unseren Kindern sehr viel intensiver erlebt“, freut sich der Gemeindereferent. Eine Erfahrung, die er und seine Frau – ebenfalls Gemeindereferentin in Herz-Jesu, Oberhausen – so nicht kennen. „Das war mal toll. Denn sonst feiern wir nie zusammen, sondern jeder in der Kirche seiner Einsatzstelle.“

Moritz Belau, seit 18 Jahren Domsingknabe, 25 Jahre alt und Grundschullehrer für Mathe, Deutsch und katholische Religion

„Das gemeinsame Singen hat uns gefehlt. Die Gemeinschaft. Normalerweise gestalten wir als Chor in der Karwoche und zu Ostern im Dom die Gottesdienste musikalisch mit. Und so ist in unserer Gruppe der älteren Domsingknaben die fixe Idee entstanden, das Heft selber in die Hand zu nehmen und aktiv zu werden“, berichtet der 25-jährige Moritz Belau. „Wir haben angefangen, uns an den Sonntagen der Fastenzeit zum Abendlob oder zu Wortgottesdiensten über Skype zu verabreden.“ Texte, Fürbitten und Lieder haben die 16 jungen Männer selber vorbereitet.

Das gemeinsame Singen habe Skype aber überfordert. Es wurde schräg. Aufgegeben haben die Sänger aber nicht. „Entweder hat einer von uns den Vorsänger-Part übernommen. Oder wir haben alle unsere Mikros ausgeschaltet, einer hat Klavier gespielt und jeder für sich gesungen. Anfangs schon komisch, aber wir konnten uns ja noch sehen.“ Nach dem fünften Fastensonntag wurde Domkapitular Michael Dörnemann mit ins Boot geholt und gebeten, zum Abschluss der Veranstaltung einen Segen zu sprechen. Die Männer und der Geistliche kennen sich über gemeinsame Fahrten mit der Choralschola. Die Gruppe hat dann auch zusammen Palmsonntag, Karfreitag und Ostersonntag über Skype gefeiert.

„Für mich war es wichtig, dass ich mit anderen Ostern feiern konnte. Kirche war in dem Moment für mich das, was wir da bei Skype gemacht haben“, freut sich Moritz über die Aktion. Schlimm wäre es für ihn gewesen, alleine feiern zu müssen. „Kirche ist Gemeinschaft. Wenn wir uns nicht persönlich treffen können, müssen wir halt andere Möglichkeiten finden. Obwohl diese Lösung die kirchliche Liturgie nicht vollständig ersetzen kann, ist uns das mit Skype-Gottesdiensten gut gelungen. Weniger pompös als in der Kirche, aber nicht weniger festlich.“

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