von Maria Kindler

Meditation: Ganz im guten Moment

Noch vor dem ersten Kaffee geht der Blick aufs Smartphone: Nachrichten, Social Media, Kalender. Der Kopf beginnt zu rattern. Gerade in Zeiten von Dauerstress, Krieg und Klimasorgen sehnen sich viele Menschen nach einem Gegengewicht – und finden es in der Meditation. Ordensschwester Beate erklärt, warum.

„Meditation ist eine wirksame ,Methode‘, um das innere Gleichgewicht wiederzufinden, und dafür genügen schon kleine Momente der Achtsamkeit“, erklärt Schwester Beate, die im team exercitia des Bistums Essen passende Kurse leitet. Meditation bedeute nicht, aus dem Leben auszusteigen, sondern bewusst darin anzuhalten und innezuhalten. Doch es gebe einen weitverbreiteten Irrtum, sagt Schwester Beate: „Meditation ist kein passives Entspannen, sondern ein aktiver Prozess: ein Weg des Innehaltens, des Nachsinnens und des Wahrnehmens.“ Sie öffne für das, was dem meditierenden Menschen begegne – auch für laute Gedanken. „Beim Meditieren herrscht zu Beginn oft keine Stille in mir, im Gegenteil.“

Seit fast 40 Jahren gehört Schwester Beate den Missionsärztlichen Schwestern an und lebt in der Bottroper Kommunität des Ordens. Die frühere Krankenhausseelsorgerin weiß: „Meditation lässt uns spüren, wie gut es tut, sich zu unterbrechen – und nicht nur gelebt zu werden, sondern zu leben.“

Auch im Christentum hat Meditation eine lange Tradition – etwa im kontemplativen Gebet. „In der Bibel kann man nachlesen, dass Jesus sich oft zurückzieht“, erklärt Schwester Beate. Im Mittelpunkt stehe hier die Hinwendung zu Gott: sich bereit zu machen, offen zu sein und ihn in sich wirken zu lassen.

Meditation ist kein Weg ohne Stolpersteine. „Manchmal tauchen unangenehme Gedanken oder Schmerzen auf. Doch sie können mich auch auf den Weg führen“, sagt Schwester Beate. Genau darin liegt die Kraft dieser Praxis: Sie schenkt uns keine heile Welt, aber die Fähigkeit, in unserer Welt klarer, gelassener und freier zu sein.

Schwester Beates Tipps für meditative Momente im Alltag

  • Einfach anhalten: Unterbrechen Sie bewusst Ihren Alltag. Gönnen Sie sich einen Moment der Stille – mittendrin im Leben.
  • Klein beginnen: Schon drei Minuten täglich reichen. Nicht die Dauer zählt, sondern die Regelmäßigkeit.
  • Rituale schaffen: Verankern Sie Meditation im Alltag – zum Beispiel mit einem ruhigen Moment am Morgen oder mit einer Tasse Kaffee oder Tee im Lieblingssessel am Nachmittag.
  • Bewusst wahrnehmen: Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt. Lauschen Sie den Vögeln oder dem Straßenlärm – alles kann zum Anker im Moment werden.
  • Den Atem nutzen: Verfolgen Sie ganz bewusst, wie die Luft ein- und ausströmt. Spüren Sie, wie Sie zur Ruhe kommen.
  • Gedanken ziehen lassen: Statt sie festzuhalten oder gegen sie anzukämpfen, lassen Sie Ihre Gedanken kommen und gehen.
  • Unvollkommenheit annehmen: Erinnern Sie sich: Sie sind kostbar – genau so, wie Sie sind, in diesem Moment.
  • Sich verbinden: Schlagen Sie eine Brücke zu Ihrem inneren Selbst und zur tiefen Gegenwart Gottes, die in Ihnen wohnt.

    Pressestelle Bistum Essen

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